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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-12 · Heft 11 (12.3.1842) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 11 (12.3.1842)
Date
1842-03-12
Page
Seite 158 (sequence 10)
Language
German
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158 im Gegentheil, sie wird dadurch noch mehr bekräftigt. Die Lehre von der Offenbarung sagt: weil in der Menschheit Jrrthum, Bosheit und Unrecht die Oberhand hatten, so daß der Mensch durch sich selbst nicht zur Erkenntniß der Wahrheit, der Tugend und des Rechts kommen konnte, darum offenbarte das göttliche Wesen sich und seinen Willen dem Menschen. Wenn wir nun im festen Glauben an die göttliche Offenbarung weiter sagen: in der Offenbarung ist die ganze Wahrheit, die ganze Tugend, das ganze Recht schon enthalten — so kömmt es doch erst darauf an, wie weit die Offenbarung von der Menschheit verwirklicht wird. Die h. Schrift lehrt uns, daß die göttliche Offenbarung an Israel geschah, zugleich belehren uns schon das zweite, dritte und vierte Buch Moscheh hinlänglich, daß selbst innerhalb Israels nur wenige Männer von der Offenbarung gänzlich durchdrungen waren; die Bücher der Richter, Schemuel und Könige geben uns weitere Belege, daß auch in Israel die Offenbarung sehr gering noch zur Verwirklichung kam, und die Propheten drücken es oft genug aus, daß deshalb Israel verbannt, Jeruschalajim zerstörte werden solle. Von der andern Seite lehren unzählige Stellen der Propheten, daß die Offenbarung einst über alle Völker Herrschaft erhalten, die in ihr enthaltene Wahrheit von allen Völkern der Menschheit erkannt, das von ihr vorgeschricbene Recht von allen Nationen geübt, daß allgemeiner Friede, einträchtiges Bekenntniß des einigen Gottes daraus entspringen werde. Welch' ein Weg! von der in Israel selbst ursprünglich noch geringen Verwirklichung der Offenbarung bis zur allgemeinen Herrschaft derselben über die ganze Menschheit! Setzt nicht dieser Weg selbst eine allmählige Erreichung, also einen allmähligen Fortschritt, also eine allmählige Entwickelung voraus? Ob wir also sagen „eine Entwickelung des Göttlichen in der Menschheit" oder „eine Entwickelung der Verwirklichung der Offenbarung in der Menschheit," ist dies nach dem Lehrbegriff der Offenbarung in der Menschheit nicht ganz gleich, nicht ein und dasselbe? Und die Geschichte beweist uns auch dies. Wenn wir ganz spcciell Nachsehen: die zehn Gebote, die Nächstenliebe, die göttlichen Attribute, wie sie von der h. Schrift gelehrt werden — dehnen sie ihre Herrschaft nicht immer weiter in der Menschheit aus? Auf welchen Wegen, durch welche Hände dies der i Lenker der Menschheit erreicht und verfolgt, ist hierbei ganz gleichgültig, das ist Gottes eigene Sache. Daß die Offenbarung in ihrer ganzen Echtheit und Reinheit schon verwirklicht sei, wer darf dies fordern! Genug: die Offenbarung ward von Gott als ein Mittel hingegeben, das Göttliche in der Menschheit zu verwirklichen. Das Mittel an sich ist vollkommen, aber seine Anwendung muß aus kleinem Maße heraus immer weiter sich ausdehnen, und so ward die Offenbarung, nicht an sich, aber in ihrer Verwirklichung , der menschlichen Entwickelung preisgegegeben. Und warum? weil die menschliche Freiheit bewahrt bleiben sollte. Wenn Golt die Offenbarung der Menschheit mit einem Male und vollständig hätte imputircn wollen, er hätte die Mittel dazu wol gehabt — aber der Mensch wäre nicht mehr Mensch, er wäre ein unfreies Wesen geworden. Darum war ja nicht einmal Israel, an das die Offenbarung-speziell ergangen, gezwungen, dieselbe zu verwirklichen, sondern es war dem eignen Willen Jsrael's überlassen, nur daß der Abfall sich hinterdrein in seiner Geschichte rächte, und als die Israeliten gesagt: wir wollen thun die Worte des Herrn, da lautete der göttliche Ausspruch: möchten sie doch immer dieses Sinnes sein! Wir glauben hiermit erwiesen zu haben, daß der strengste Lehrbegriff der göttlichen Offenbarung sich mit dem Begriff der Entwickelung des Göttlichen in der Menschheit nicht allein verträgt, sondern sogar daß beide wesentlich einander tragen. Eine Hinrichtung. Eine Skizze. (Wahr.) Es war im Jahre 1817, als der jetzt so reiche, so blühende Elsaß, Schauplatz zweier Feldzüge, den Schrecken der Hungersnoth preis gegeben war, wozu sich noch die furchtbare Geißel des Typhus, dieses Genossen des Krieges, gesellte. Zwar bestand in dieser Zeit noch jene Scheidungslinie zwischen zwei Religionen, welche weder die Revolution noch die Kaiserzeit gänzlich hinwegzuräumen vermocht hatte; aber es halten doch Christen und Israeliten so viele Jahre zusammen gelebt, hatten zusammen

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