Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Seite 155 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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155 der hebr. Grammatik aus mathematischem Wege festzustelle» sucht. Das Werk eignet sich für Schüler, welche, durchtrankt von dem Wese» lateinischer und griechischer Grammatik, rein philologisch sich zum Studium der semitischen Sprachidiome anschicken wollen, und können wir dem Verfasser hierin nachsagen, daß er zu gutem Erfolge gekommen» Allerdings hat dies wenig mit der Auffassung des eigenthümlichen Lebens des Hebräischen gemein, welchem die gewohnte grammatische Auffassung eher gegenüber, als zur Hülfe steht. Jndeß ist dies auch weniger dem Kreise benöthigt und Bedürfnis, ssir welchen der Verfasser arbeitete. Zn der eben gezeichneten Tendenz ist das Werk sehr wacker, unterlaßt auch nicht das Interesse für die verwandten semitischen Dialekte in Anmerkungen zu wecken, bringt Manches aus der traditionellen Darstellungsweise der Grammatik, obgleich es ein tieferes Studium dieser nicht verrath. In das Einzelne können wir hier nicht eingehen. — Magdeburg, 3.Februar. (Predigten und Reden.) Angekommen: Drei Reden gehalten von Bernhard Wechsler, Großherzogl. Oldemburgischem Landrabbiner, bei seinem Austritte aus dem Fürstenthume Birkenfcld und beim- Antritte seines Amtes im Herzogth. Oldenburg. Oldenburg, 1842. Vom Nordwesten Deutschland's her erhalten wir hier einige klare, faßliche, wohlgeordnete und mit Begeisterung gesprochene Reden an und für Israeliten. Die erste, ein Abschicdswort, gicbt Lagend zu erkennen, daß der Redner trotz eifrigem Streben mit dem noch nicht durchdringen konnte, was in der Zeit Noch thut für die Gemeinde» Jsrael's. Die zweite, ein Antrittswort, giebt Antwort auf die Fragen: was ist zu erhalten? die Lehre Mosts in ihrer Reinheit, das Gesetz MosiS, soweit es für alle Zeiten Jsrael's. Welche sind die Mittel? Religiöse Erziehung, Veredlung des Gottesdienstes, brüderliches Anschließen aller Glaubensgenossen. Die dritte Rede schließt sich an die zweite an, indem sie die Frage nach der „Macht des wahren religiösen Geistes" beantwortet: 1) das klare Bewußtsein des Göttlichen und Ewigen in der Religion, 2) der bescheidne, weise Gebrauch unsrer Erkenntnißkraft in der Religion, 3) der freie Entschluß, der gewonnenen Ueberzcugung gemäß zu leben. Der Mann ist nicht nur für sich belebt von dem Geiste selbstständiger Forschung, sondern er spricht sich klar und unumwunden gegen seine Gemeinde aus. Wir heben aus der letzten Rede zur Charakteristrung folgende Stelle hervor: „Wie sollen dann sich erfüllen unsere Ansprüche und unsere Hoffnungen auf eine freie Stellung im Leben, auf Anerkennung unserer Religion als eine Religio» des Geistes und der Wahrheit, wenn in unserer eigenen Mitte die Unfreiheit gelehrt wird, wenn sogar Männer, die als Führer a» der Spitze großer Gemeinden stehen, knechten wollen die religiöse Gesinnung und mit Gewalt beherrschen, wie dies erst vor Kurzem in unsrer Nahe geschehen ist?" Wozu er in einer Anmerkung hinzufügt: „Es bedarf wohl für den Kundigen nicht erst der Erwähnung, daß die Streitigkeiten, welche vor Kurzem in der Gemeinde zu Hamburg sich erhoben haben und die ärgerlichen Schritte des dortigen Rabbinen gegen die neue Auflage des Gebetbuches der Tempelgemeinde, hier besonders gemeint sind. — Ist es auch sonst ganz und gar meine Sache nicht, mich zum Richter in fremden Angelegenheiten aufzuwerfen, so glaubte ich doch in dieser Sache hier nicht ganz schweigen zu dürfen. Denn nicht um die Zulassung irgend einer einzelnen Reform handelt eS sich hier, sondern um die freie Entwickelung des ganzen geistigen Prozesses innerhalb des Zudenthums. Wenn man wieder mit den alten, verrosteten Waffen des Issur und des Bannes die Gewissen angreist und die Ruhe stört — dann hat wol jeder Rabbine die Pflicht, in seinem Kreise zu warnen und das Recht der freien religiösen Uebeczeugung zu wahren. — Ueber den Werth des angegriffenen Gebetbuches ist übrigens hier nicht der Ort zu urtheilen, und haben jetzt bereits stimmfähige Männer geurtheilt." — Der Segen des Versöhnungstagcs. Predigt, gehalten am Abend ff. von 0r. Mendel Heß, Grßh. Weim. Ldrabb. zu Stadt-Lengsfeld. Auf Verlangen in Druck gegeben. Breslau, 1841. Es wird Licht werden in unserm Geiste, Herzen, Leben und Tode, welches Thema mit Hinblick auf verwaltende Verhältnisse in warmer Sprache und bewegten Herzens besprochen wird. — Es ist gefährlich, einer Gesammtheit die Religiosität abzusprechcn. Eine als ein Wort zu seiner Zeit im Neuen israelitischen Tempel .zu Hamburg am 7. Febr. 1842 gehaltene und auf Verlangen dem Druck übergebene Predigt von vr. Gotthold Salomon. Hamburg, 1842. Jedermann wird die Veranlassung und den Inhalt dieser Predigt von selbst erkennen; sie ist polemischer Natur, obschon sie sich vom homiletischen Standpunkt nicht entfernt. Trefflich zum Gegenstände ist die Wahl des Textes 1 Mos. 20, 8 —11. Wir wollen den Inhalt der Predigt hier nicht weiter erörtern, um den Leser