Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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151 bit bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt beiwohnten. Die Knaben waren in zwei Reihen ausgestellt, und jeder hatte ein Stück seiner Arbeit vor sich in dem Gewerk, welches er sich gewählt, der eine ein Schloß mit dem Schlüssel, der andre ein niedliches Meuble, der dritte eine gravirte Platte, der vierte architektonische Verzierungen, der fünfte ein fertiges Kleid, der sechste ein elegant gebundenes Buch, und so weiter, Beweise der vorzüglichen Art, wie das Institut geleitet wird. Herr Achille Ratisbonne, der Präsident der Gesellschaft, eröffnete die Sitzung mit einer sehr eindringlichen Rede, aus welcher wir Folgendes hervorheben. „Obschon das Kckinite den Geschmack und die Anlagen des Lehrlings berücksichtigt, sucht es doch so viele Mannichfaltigkeit wie möglich in die Wahl der Gewerke für die Lehrlinge zu bringen. Eine fünfzehnjährige Erfahrung hat uns auf dem Wege, den wir eingeschlagen, nur bestärkt. In der Thal ist es nur durch eine gerechte Strenge, durch die Erfüllung der religiösen Pflichten, durch das Beispiel des Respekts, der Ordnung, der Sparsamkeit, möglichgute Bürger, geschickte Künstler zu bilden. Unsre Schüler haben den doppelten Vortheil, einen Stand zu erlernen, der ihnen eine ehrenwerthe Existenz sichert, und Kenntniß des Französischen, Deutschen, Rechnens, der technischen Chemie, vor Allem des Zeichnens, zu erwerben. Außerdem erhalten unsre Schützlinge Religionsunterricht durch Herrn Ennery, Lehrer an der israel. Gemeindeschule, dem sie mit gutem Erfolge sich unterziehen. Von den meisten im Institute gebildeten Handwerkern erhält das Komite oft Nachricht, und einige unterstützen schon selbst diese Schule, der sie ihr Glück verdanken. Die Hülfsquellen der Anstalt sind noch immer im Wachsen; der Provinzial- und der Munizipalrath haben, jeder 1000 Fr. ihr zukommen lassen; es ist gegründete Hoffnung da, daß die Anstalt bald die königliche Sanktion erhalten werde, so daß sie zu den Instituten der öffentlichen Nützlichkeit gehören wird." Die Ausgaben im Jahre 184t betrugen 11,335 Fr. (3022| Thlr.) für 37 Lehrlinge. —. Im schönen Wetteifer mit der ebengedachten Anstalt ist so eben eine Kunst- und Gewerksschule für die armen Israeliten des Oberrheins in Mühlhausen unter den Auspicien des dortigen Rabbinen S. Dreyfuß gegründet worden. Die Statuten sind vollendet, die Verwaltungsbehörde zusammengesetzt, die Zahl der Schüler für das erste Jahr aus 10 festgestellt. Die Zöglinge werden unterhalten, genährt, erhalten Wohnung, Unterricht, und werden in die Lehre gebracht auf Kosten der Gesellschaft. Als bezeichnend übertragen wir hier den Schluß des desfallsigen Cirkulairs. „Es ist unleugbar, daß die Demoralisation groß ist unter den armen Israeliten unfers Departements; aber nicht mit einer passiven Entmuthigung vermag man zu bessern; Verbesserungen sind möglich, denn die Grundlage ist gewiß gut, und der moralische Sinn nicht erloschen, sondern nur verhüllt durch eine große Zahl lasterhafter Gewohnheiten und verjährter Vorurtheile. Aus diesen Gründen suchen wir auf die jüngere Generation zu wirken, suchen wir sie dem Trödel und Kleinhandel zu entreißen, und mit der Handarbeit vertraut zu machen, welche jedenfalls dem Beruf des Menschen angemessen ist, besonders wenn der Arbeiter von den Gefühlen seiner religiösen und sozialen Pflichten durchdrungen ist." Paris, im Januar, (Arcli. Israel, de France.) Unter einer Menge von Konkurrenten ist dieser Tage ein Israelit, Lipman, Dekorirtcr, Huissier der Deputirtenkammer geworden. Die Riederlande. Amsterdam, 10. Januar. (Arcli. isr. de Fr.) Der Advokat Lippman, obschon er zur liberalen Partei-gehört, und öfters schon Prozesse gegen staatliche Behörden geführt hat, erhielt vom Könige den Löwenritterorden. — Herr D. S. Boas, der zuletzt Rath und Vicepräsident des Kriminalgerichts von Amsterdam war, ist so eben zum Richter am Provinzialhofe von Nordholland ernannt worden. Es ist dies die höchste Amtswürde, die bis jetzt einem Israeliten in Europa übertragen worden. Man muß es von diesen beiden Männern rühmend erwähnen, daß sie trotz ihren enormen Geschäften zu jeder Zeit mit Eifer und Ausdauer Aemter bei den Gemeinden, Schulen, Seminarien, Wohlthätigkeitsanstalten ihrer Glaubensgenossen versehen haben. —. Vor einigen Tagen erschien hier anonym eine Broschüre unter dem Titel: „Wohlgemeinte Ansprache an meine Glaubensbrüder," in welcher