Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 gen, mit denen sie unaufhörlich an der moralischen und intellektuellen Erhebung ihrer Glaubensgenossen arbeiten. Jetzt wieder religiöse Zwietracht erwecken, heißt dem Mittelalter verrostete Waffen entlehnen, heißt Vorurtheile zurückrufen, die mit jedem Tage sich weiter entfernen, heißt der Civilisation und Duldung unsrer Zeit Hohn sprechen." „Es genügt ein solches Faktum zu veröffentlichen, um es überall mißbilligen zu lassen. Daher zweifeln wir auch nicht, daß^Herr Renouard von Bussiores nicht sehr stolz sein wird auf Stimmen, die er religiöser Gehässigkeit verdankt; denn solche Vorurtheile sind Hülfstruppen, die jeder aufgeklärte Mann in unsrer Zeit zurückweisen würde." Y. Straßburg, 17. Februar. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei den gedruckten Bericht über die am 22. Januar statt gefundene Preisvertheilung in der israel. Gemeindeschule. Nach einem Gesang, welchen die Schüler der ersten Klasse ausführten, sprach der Herr Groß-Nabbine eine deutsche Rede, aus welcher einige Stellen hervorzuheben schon des Zweckes wegen, den der Redner selbst damit verband, nämlich die Gründung auch einer Madchen- Gemeindeschule, angemessen sein wird. „Was unsere Eltern kaum geahnet, was, vor zwanzig Jahren, die Edlen in Israel noch unter die frommen, schwer zu erfüllenden, Wünsche zählten, eine gute, schulgerechteVolkserziehung, das hat die neueste Zeit, als ein unabweisbares Bedürfniß, allgemein anerkannt und, nach allen Seiten hin, mit großem Erfolg, in's Leben gerufen. Gottlob! die Zeit ist nicht mehr, wo, bei so feierlichen Gelegenheiten, wie die heutige, die Stimmführer Israels, die Prediger, die Lehrer, die Vorstände, die Gründe aufsuchen und entwickeln mußten, warum es Pflicht sei, die Fackel der Erleuchtung auflodern zu lassen, damit sie ihre erwärmenden Strahlen aussende, und die Finsterniß der Unwissenheit erhelle. Die Zeit ist nicht mehr, wo es als ein Zeichen der Neuerungsliebe, ich möchte fast sagen, der Irreligiosität galt, der Erziehung und Bildung das Wort zu reden, und den Besuch der allgemeinen Schule unter die heiligsten Pflichten des Israeliten zu zählen. Giebt es aber deswegen, meine Freunde, weil wir, Dank der humanen Gesetzgebung, unter welcher wir leben, gleichen Aritheil haben an den Wohlthaten des öffentlichen Unterrichtes, giebt es deswegen, frage ich, nichts mehr zu Ihn» für dm Menschenfreund, für de», um das Wohl seiner Glaubensgenosse», thätigen Israeliten? Dürfen wir dir Hände müßig in den Schvoß legen, und damit zufrieden sein, eine israelitische Primärschule zu besitzen, welche, gleich ihren Schwesteranstalten von der Munizipalklasse besoldet wird, ohne unserseits etwas beitragen zu müssen? Nein, meine Brüder und Schwestern! noch ist das Feld der Wirksamkeit nicht ganz bebauet, noch giebt es, für edeldenkende Seelen, viel und großes zu-wirken, im Bereiche des Wohlthuns; da wo die Rede ist von Bildung und Erziehung der Jugend, da ist, in der That, Stillstand, Zurückschreiten, und wer nicht vorwärts geht, geht hinter sich. Und, um nur einen Gegenstand zu berühren, wie steht es mit der Erziehung, mit dem Unterrichte des weiblichen Geschlechtes? Unsere Knaben werden hier ausgerüstet mit allem was sie bedürfen, um kühn in die Welt treten zu können; die nöthigsten Wissenschaften, Grundsätze der Moral und Religion, die hebräische, französische und deutsche Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang, Zeichnen, Erdkunde, Geschichte, alles wird hier, den Armen uncntgeldlich, den Reichen gegen ein kleines Schulgeld, dargeboten, aber nur den Knaben, dem männlichen Geschlechte nur. Gänzlich verwahrloßt aber, ohne alle Theilnahme, ohne Gelegenheit über ihre Pflichten belehrt zu werden, wachsen die Töchter der Armen unserer Gemeinde heran; keine Anstalt ist gegründet um sie aufzunehmen, in den zarten Jahren der Kindheit, und sie durch frühzeitigen Religionsunterricht zu ihren edlen Bestimmungen vorzubereiten! Keine mildthätige Hand will Unterstützung darreichen, damit auch das weibliche Geschlecht nicht ferner mehr der Erziehung und Bildung entbehre, und der Versuch, welchen unlängst das Lokal-Konnte gemacht, die Thüren dieser Knabenschule auch den Mädchen zu öffnen, mußte scheitern aus Mangel an Aufmunterung von Seiten der Wohlhabenden!" Straßburg, im Januar. (Nach den Arch. Israel. de Fr.) Die hiesige „israelitische Arbeitsschule" hat einen trefflichen Fortgang, und dehnt ihren Wirkungskreis immer mehr aus. Vor Kurzem hielt sie eine öffentliche Preisvertheilung ab, welcher