Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1842)
- Date
- 1842-03-05
- Page
- Seite 142 (sequence 10)
- Language
- German
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142 Israeliten die ihnen im Geiste des liberalen Magyarismus gewordenen Begünstigungen mißgönnen. — Endlich geschieht unter dem Schutze solcher Edelen, welche selbst ihre Güter dirigiren, ebenfalls äußerst selten den Gesetzen ein Abbruch. — Ist es aber himmelschreiend, daß in dem edeln Magyarenland bei der warmen Verfechtung mißhandelter Menschheit — und der hochsinnigen Verordnung edler Gesetze — so viel Kälte und Gleichgiltigkeit für deren Einführung verwendet wird —so fällt doch nicht der ganze Schatten auf diejenigen allein, welche entweder die Wohllhaten des Gesetzes vorenthalten, oder zu deren Einführung ihre Hand verweigern. Nachdem die Gesetze publicirt sind — steht es einem Jeden frei, von ihren Begünstigungen Gebrauch zu machen und gegen alle Hemmnisse, höhern Ortes Schutz zu suchen. Nur die sind zu bedauern, welche zu derartigen Wegen nicht Mittel genug haben — aber auf jene Gemeinde-Vorsteher fällt die ganze Last des gerechten Vorwurfes, denen der Muth ermangelt von gehässigen Magistraten und Grundobrigkeiten ihr Recht zu fordern — oder die von Privatinteressen verleitet, bei ihrer Herrschaft, mit welcher sie im Geschäftsverkchre stehen, nicht außer Vortheil kommen wollen — und die hintangesetzten Rechte ihrer Gemeinde mit Gleichgiltigkeit ansehen, ohne sich darüber mehr als zu ärgern, wenn Meisterrechte versagt — und die Niederlassung, ohne Entrichtung einer gewissen unrechtmäßigen Gebühr verweigert wird, oder eingegriffen wird in die heiligsten Rechte, in Synagogenbauten, Rabbinenwahlen ff. N. Geschichte. Geschichte üer Juden in Belgien. (Fortsetzung.) Jedoch war in diesen Zeiten die Achtung vor Juden nur eine Ausnahme, die Masse blieb immer der öffentlichen Verachtung Preis gegeben; man floh ihre Gesellschaft, und oft verhöhnte sie der Pöbel auf den Straßen. In mehreren Städten zwang man sie auf ihren Kleidern ein bestimmtes Abzeichen zu tragen, das ihnen um so eher Beleidigungen zuzog. In Luxemburg war jeder die Stadt betretende fremde Jude einem Leibzoll von 5 Sous, wenn er zu Pferde, von 2± Sous, wenn er zu Fuß ankam, unterworfen; die, welche hier wohnten, waren gehalten, sobald sie die Grenzen des Herzogthums überschritten, 3 4- Sous j>ro Kopf zu bezahlen. Diese traurige Lage, in welcher die Juden unter der Herrschaft des Hauses Burgund sich befanden, bewirkte, daß sie nach und nach aus dieser Gegend verschwanden, ohne daß sie jemals förmlich verbannt worden waren. Am Anfang des 16. Jahrhunderts kamen, während die Belgischen Juden ihr Vaterland verließen, andre Israeliten aus Spanien und Portugal, geborgen unter dem Namen neuer Christen , weil sie äußerlich das Christenthum bekannten, in den Niederlanden an. Obgleich Karl V. sie zurückwies, und sowol 1532, als auch 1549 und 1556 Edikte erschienen, welche ihnen den Aufenthalt untersagten , und jedem Bürger hießen sie anzuzeigen, vermehrte sich ihre Zahl täglich, sie nahmen später lebhaften Antheil am Aufstande der Niederlande, dessen glücklicher Ausgang ihnen Gewissensfreiheit in den vereinigten Provinzen auf immer sicherte. Als Albert von Oestreich mit den General-Staaten einen zwölfjährigen Waffenstillstand schloß, und den gegenseitigen Unterthanen freier Verkehr zugesichert ward, nahm der Erzherzog die Juden der Republik aus. Indessen hatte diese Unduldsamkeit nur auf die wirklichen Juden Einfluß, denn die sogenannten neuen Christen verweilten ungestört in den Katholischen Niederlanden. Die erstern wurden im I7.Jahrhundert, besonders in Brabant, sehr verfolgt. — Im Jahre 1670 folgte der Graf von Monterey dem Herzog von Feria, und die Juden von Amsterdam suchten Zulassung für diese Gegenden nach. Die Geistlichen waren dagegen. In einem Memoire bemerkte der Bischof von Antwerpen unter anderm, daß seit 25—30 Jahren mehre der reichsten Portugiesen in dieser Stadt, nachdem sie mehrere Jahre wie die eifrigsten Katholiken gelebt, endlich ihre Reichthümer nach Amsterdam geschafft, und sich daselbst öffentlich zum Judenthum bekannt hätten. Unter diesen befand sich der berühmte Doktor Spinosa, der mehrere Jahre hindurch als Arzt in Antwerpen praktizirt hatte, Diego de Tixeras und N. Pinto mit ihren Familien, so wie auch N. Comer, der