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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-05 · Heft 10 (5.3.1842) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 10 (5.3.1842)
Date
1842-03-05
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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141 anweisen, die beseelt von der echten Glut unserer göttlichen Religion solche Jünglinge um so - eher schützen, die mit ihren talmudischen Kenntnissen allein sich nicht begnügen und sich zu Männern heranzubilden trachten, an deren Mangel die Israeliten unsres Vaterlandes noch immer kränkele — und welche allein das Morgenroth echter Gesinnungen über die unheimlichen Nächte der noch bestehenden Wirren herauf zu führen im Stande sind. N. Raab, im Dezember. (Privatmitth.) Mit Freuden berichte ich aus der hiesigen 'Gemeinde, daß, obwol selbe an Zahl und finanziellen Kräften nicht zu den vorzüglichsten Ungarns gezählt werden kann; sie jedoch an Sinn für das Wahre, Schöne und Gute und an den diesem entfließenden Bestrebungen, Schulwesen und Gottesdienst -zu läutern und heben, viele ihrer Schwestern, die mit dem dunkeln Schleier des Fanatismus noch ihre alten Gebrechen verhüllen und heilig achten — beschämt . . Ein leutseliger, von Ziererei und bloßem Geschäftssinn gleich entfernter Ton herrscht unter den hiesigen Israeliten. — Die besser Gesinnten stehen überall an der Spitze, den Gebildeten wird gebührende Achtung zu Theil und dem Wahren von Seiten der niederen Klasse kein Trotz und unbändiger Starrsinn entgegen gesetzt. Die Geselligkeit, das edelste und wichtigste Bedürfniß eines jeden Ortes, stehet hier auf einer höhren Stufe, so wie Gastfreundschaft und Unterstützung für fremde Arme hier nicht zu den Landplagen gezählt werden. Der hiesige Rabbine ist ein Mann, der erzogen in der Schule der Alten , fest an die kleinsten der talmudischen Satzungen hängd, sich selbst auch nicht den unbedeutendsten Abbruch an den später entstandenen Gebräuchen verzeihen würde, als Lehrer aber der vorherrschenden Gewiffensstimmung seiner Gemeinde, dem allgemeinen Bedürfnisse der Zeit sich nicht entgegen zu stemmen sucht, sondern auf rabbinischem Wege die Gestaltung jener Synagogen-Ordnung nachzuweisen, die leider noch vielseitig bekämpft-und hjntertrieben wird, sich bemüht. Das hiesige Bethaus wurde auch vorigen Sommer renovirt, wodurch dasselbe an Raum, Ordnung und Würde bedeutend gewann. Die Trauungsceremonie wird nicht mehr zur Seite den Kloaken vorgeno.mmen. — Das Gebet wird in andächtiger Stille, ohne polnischen Gesang abgehalten — und der Rabbine Herr I. L. Frey er hält Erbauungsreden, welche Geist und Herz gleich würdig beschäftigen. Das Schulwesen, welches in letzter Zeit, durch die Aufnahme eines würdigen Oberlehrers bedeutend gewann, geht ebenfalls seinem Gedeihen entgegen. So viel vermag man auch bei geringen Kräften! Es bleibt uns nichts übrig als die hochsinnige Gemeinde Raabs zu bedeuten, durch eine nachsichtsvolle Begegnung, die schwierige Stellung ihres Rabbinen berücksichtigend—demselben Muth und Selbstvertrauen zu geben — und endlich zu beherzigen, daß ihre bisherigen Unternehmungen erst die Brücke zu reellen Verbesserungen ausmachen. .l. Aus Ungarn, I. Januar. (Privatmitth.) Im verflossenen Jahre sind die im letzten Landtage uns gewordenen Begünstigungen nur an wenigen Orten noch in ihrem ganzen Umfange in's Leben getreten, und die vielfach erwarteten Um- und Ansiedlungen, nebst Abschaffungen bisheriger Beschränkungen sind vieler Orte unterblieben, wobei nicht zu vergessen, daß der vorherrschende religiöse Jndifferentismus der ungarischen Israeliten ihr Streben nach allem Neuern so eingeschüchtert, daß sie selbst zu den gerechten Ansprüchen der ihnen gewordenen neuen Rechte, wenig Muth und Thatkraft zeigen... Der Grundeigenthum Ungarns wird in den königlichen Freistädten vom Magistrate und auf dem Lande von Direktoren des hohem Adels oder von den Eigenthümern selbst verwaltet. — Die Magistrate der königl. Freistadte als Repräsentanten der gesammten Bürgerschaft sind von den Vorurtheilen einzelner Bürger nicht frei — und werden vielseitig von der panischen Furcht der Verarmung bei Ansiedlungen mehrerer Juden zu Schritten verleitet, welche durch Zögerungen und oorschützende Hindernisse den edeln Sinn des erhabenen Gesetzes umgehen. — So wie aber der echte Ungar überhaupt mehr Achtung und Sinn für das von seinen Edeln diktirte und von seinem Könige sanktionirte Gesetz hat und weniger Vorurtheil und angebornen Haß gegen den Juden kennt, ebenso sind auch jene Freistädte die tolerantere, deren Einwohner echte Magyaren sind — und nur jene deutschen Bürgerschaften, deren Voreltern selbst einst mit dem kahlen Wanderstabe nach Ungarn gekommen, sind es hauptsächlich, welche den 10*

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