Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1842)
- Date
- 1842-03-05
- Page
- Seite 140 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Hamburg, 15. Februar. (Privatmitth.) Folgender Aufsatz ist hier ausgelegt und zählt bereits eine erfreuliche namhafte Menge von Unterschriften. An die Besucher der Synagogen in Hamburg. Der Wunsch, dem Gottesdienst in den Synagogen eine würdige und allgemein entsprechende Form gegeben zu sehen, hat die Unterzeichneten vereinigt, ihre gleichgesinnten Glaubensgenossen aufzufordern, folgende Punkte durch ihre Namensunterschrift zu genehmigen. Wenn eine genügende Zahl von Unterschriften beisammen ist, wird zur Ausführung des vierten Punkts eine allgemeine Versammlung gehalten werden. I. Es wird das Bedürfniß nach einer geregelten und würdigen Gestaltung des Gottesdienstes anerkannt und ausgesprochen. II. Unsere mbsn sollen in allen wesentlichen Punkten ungeschmälert und unverkürzt erhalten werden. Eben so wenig sollen etwanige Abänderungen in der bisherigen Weise des Gottesdienstes die Glaubenslehren des Judenthums antasten, sondern sich lediglich auf die Form und Vortragsweise beziehen. III. Da bisher nur in einem der 3 Gotteshäuser öffentliche Vorträge über religiöse Gegenstände gehalten worden, so wirdes als der Wunsch der Unterzeichner ausgesprochen, daß noch ein Redner für die neu zu erwartende Synagoge gewonnen werde. IV. Es soll eine Kommission von 5 Mitgliedern ernannt werden, um diese Wünsche dem verehrlichen Vorstande der Gemeinde und dem 8. T. Herrn geistlichen Beamten Bernays als der gesetzlichen Autorität in religiösen Dingen vorzutragen, und die beständige Vermittlung zwischen denselben und den Unterzeichnern zu bilden. Stuttgart, 3.Februar. Dem Vernehmen nach haben sich die Israeliten mit der Bitte um völlige Emanzipation oder doch um Revision des Gesetzes von 1828 an die Regierung gewendet. Es läßt sich nicht läugnen, daß jenes Gesetz in Betreff der öffentlichen Verhältnisse der Jftaeliten manche Jnkonvenienzen mit sich führt. Dasselbe enthalt überall, selbst für diejenigen, die sich einem Handwerke gewidmet haben, Beschränkungen, die einer freieren Entwicklung hemmend entgegen treten. (Oberd. Z.) ^Oesterreich. Papa, im Dezember. (Privatmitth. Verspätet.) An dem hiesigen reformirten Kollegium -studiren mehrere Kandidaten der jüdischen Theologie, unter welchen einige aus den kaiserlichen Provinzen gebürtig sind, aber an ihrem regsamen Eifer für die magyarische Sprache zu erkennen geben, daß sich selbe mehr für unser Vaterland auszubilden gedenken. — Die Herren Professoren zeigen sich gegen ihre israelitischen Schüler eben so human und tolerant, wie diese unter ihren christlichen Mitschülern, Freundschaft und Zuneigung genießen. Ein übler Umstand nur stört häufig Lust und Fleiß dieser Studirenden; indem dieselben jährlich auf Befehl des Wohllöblichen Schuldirektorats, ein Religionszeugniß zu bringen haben — und der hiesige Rabbine, als ein Feind der Bildung und Aufklärung alle möglichen Einwürfe vorschützt, um nur ihnen den Weg zur rechten Wissenschaft und Lebensweisheit zu erschweren.— So hat derselbe in letzter Zeit einen jungen, braven, frommen Jüngling, welcher im Besitze einer mnrt von einem celebrirlen Rabbiner Ungarns ist, ein Zeugniß über die Kenntniß der jüdischen Religion versagt. Die Religion unseres Herrn Rabbiners, welche aus einer Mischung von kabbalistischer Unkenntniß und Chassidismus bestehet — kennen freilich nur Wenige; aber der hiesige ehrsame Jsraelitenvorstand, welcher seinen Mann kennt, der Ordnungen bei Leichenzügen verbietet wegen npn — Kopulationen in der Synagoge verweigert, weil es Neuerungsgeist verräth — der die Leute am n&o 'd bei den Ohren aus der Synagoge zerrte, welche nicht in Pantoffeln erschienen — der die Emanzipations-Bemühungen unseres hochsinnigen Staates als die gefährlichen Bestrebungen uns von unserem Glauben abzulocken öffentlich erklärt — der sich unberufen störend in alle wichtigen Gemeindeangelegenheiten mengt — unser freisinniger Jsraelitenvorstand sollte die Lage der armen Studirenden mehr beherzigen — und das wohllöbliche Studiendirektorat aufmerksam machen, daß der hiesige Rabbine nicht der Mann einer lichten Zeit und Gesinnung ist — und dasselbe an solche Sachverständige