Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1842)
- Date
- 1842-02-26
- Page
- Seite 131 (sequence 15)
- Language
- German
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131 tretungsakt in der andern Hälfte des sechsten Dezenniums im vorigen Jahrhunderte Statt gehabt Habens. Die Gemeinde zahlte damals kaum zehn Familien und die Repräsentanten derselben waren , der selige Schalom Gyökenyös und der selige Lazar Bachürech. Ersterer war sehr aufbrausenden, jähzornigen, und fanatisch religiösen Gemüthes. Das Gotteshaus war in einem von der Herrschaft in Miethe genommenen, nächst dem alten Bräu-; Hause — in der Nähe des jetzigen Kaffeehauses — gej legnen Gebäude, und weil die Gemeinde daselbst nebst! ihrem Gottesauch ihr Kahels- Lehr- und Fleischhüus j hatte, so nannte man dieses Gebäude „Zudenhof." In diesem Judenhofe wohnte auch der in Rede stehende Rabbine. Er hieß Satomon Preßburger, war aus j Nikotsburg in Mähren gebürtig, hatte eine Frau, Namens Mirjam, und zwei Söhne, von denen der eine Josef und der andere Jizchak hieß. Er hatte aber nicht nur das Rabbiner- und Prediger-, sondern 'auch das Schächter-, Lehr- und Notaramt zu versehen. Ein Umstand, der geradezu geeignet war, sich die Gemeindeglieder, weit es unmöglich ist, daß einer alle und jeden in allen diesen Fachern soll gehörig befriedigen können, abgeneigt zu machen. Auch er zog sich alsbald deshalb die Abneigung seiner Gemeinde zu. Zu dieser Beschäftigung fügte es sich, daß man ihm von Seiten seiner Gemeinde auch noch die übertrug, eine Gesetzesrolle zu korrigiren. Ec thats, und hatte das Unglück gehabt einen Fehler zu übersehen. Diese Unachtsamkeit zog ihm spater eine öf¬ *) Wir haben uns den Hergang dieses Vorfalles von mehren, jetzt noch lebenden israelitischen Greisen, die den Abtrünnigen genau gekannt, — erst 1804 ist er gestorben — und die Veranlassungsursache zu diesem Schritte oft und oft aus seinem eignen Munde gehört haben, zu wiederholten Malen, von jedem separatim, erzählen lassen. Sie stimmten im Wesentlichen überein. Um uns aber der Wahrheit noch mehr zu vergewissern, wandten wir uns nach Csakathurn, allwo er sich getauft, und seit dem bis zu seinem Ende gelebt, um aus den dasigen Kirchen-Annalen das Datum zu erfahren. Aus dem Grunde: „daß man in den Taufbüchern der zweiten Halste des vorigen Jahrhunderts seinen Namen nicht aufstnden könne, konnten wir leider weiter nichts erfahren, als: daß er-lange in Csakathurn gelebt, mit dem neuen Taufnamen Franziskus geheißen, und im April 1804 gestorben ist. Da diese wenigen Notizen mit den von den obenerwähnten Greisen hierüber erhaltnen übereinstimmen, so dürfte dieser Umstand einen Beweis angehen, daß auch ihre anderen Angaben wahrhaft seien. D. Corresp. fentliche, höchst ungerechte Brandmarkung zu, und diese ward wieder die Ursache zu seiner Abtrünnigkeit. Es wurde nämlich der oben erwähnte Gemeindevorsteher, S. Gyökönyös eines Samstags zur Tora gerufen, und der, vom Rabbinen bei der Korrektion übetsehne Fehler während des Boxlesens, von ihm bemerkt. Bigottrelkgiös, zornmüthr'g und arrogant wie er war, war es nicht befremdend, daß er darüber sich höchst entrüstete und attmaßte, dem Rabbinen im heftigsten und ungeziemendsten Tone, Vorwürfe an Ort und Stelle zu machen. Und als der Rabbine, über die Anmaßung und Grobheit erbittert, ihm Schweigen und Respekt gebot, artete der jähzornige und rohe S. Gy^känyös dermaßen aus, daß er, im Gotteshause, auf dem Lefeattare, vor der Tora, und im v Angesichte der ganzen Gemeinde, dem Rabbinen eine Ohrfeige versetzte. — Dies rohe Verfahren und Benehmen des Gemeindevorstehers wurde zwar von den Gemeindeglkedern bitter, aber nur geheim getadclt; denn der S. Guökänyl-s war, seine Vorsteherwürde abgesehn, der Reichste und Mächtigste unter ihnen, und da noch überdies die meisten in Hinsicht des Lebenserwerbes von ihm abhängig waren, und sie seinen rach - und verfolgüngssüchtigen Charakter kannten, so waren ste bemüßigt, so zu tanzen, wie er ihnen vorgepfiffen. Bei so beschaffenen Verhältnissen war also Niemand, der es gewollt oder gewagt hatte des Gekränkten, des tief Beleidigten Partei frei und osftttmüthig zu ergreifen, und sich seiner öffentlich anzunehmen, um so mehr, da *r, wie wir schon oben erwähnt, und den Grund hiervon angegeben haben, bei der Gemeinde im Allgemeinen nicht so hoch in Gunsten stand. Ueberdies wurde sein Versehen zur damaligen Zeit auch von den andern Gemeindegliedern als ein sehr hohes angesetzt; so daß man daraus den Schluß zog: der Rabbine müsse in der That nicht sehr religiös fein. Kaum wurde diese Folgerung verlaurbart, so waren auch schon Einige da, die des Rabbiners Jrreligiösitat zu verschiednen Zeiten, und bei verschiedenen Gelegenheiten wirklich bemerkt haben wollten. Alsbald verbreitete sich dies Gerede in der ganzen Umgegend, und — wer die Leichtgläubigkeit der meisten Menschen kennt, wird sich darüber nicht wundern — fand vollen Glauben. — Hierdurch und durch die öffentliche Brandmarkung im Gotteshause, verlor nun der Rabbine nicht nur in seiner Gemeinde, sondern rtt der ganzen weiten Runde alle Achtung, alles Ansehen und religiöse Zutrauen. Zn der Folge steigerte sich diese Nichtachtung und das Mißtrauen gegen den Rabbinen