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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-02-26 · Heft 9 (26.2.1842) · p. Seite 130

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 9 (26.2.1842)
Date
1842-02-26
Page
Seite 130 (sequence 14)
Language
German
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aber diesen impomrenden Verschanzungen nähern! Das Massive und Unbesteigliche dürste sich in leicht zu zerspaltenden Nebel auflösen, und „die öffentliche Meinung " ihre Bedeutung verlieren, wenn man ihr unter die Augen geht und untersucht, wie es eigentlich mit ihr beschaffen ist. Gewohnheit und Vorurtheil sind die mächtigsten Hemmketten der menschlichen Gesellschaft. Sowie es in England eine Menge giebt, die gegen die Emancipation der Katholiken schreit, und sowie in katholischen Ländern noch Mehre, die auf dieselbe Weise gegen die der Protestanten eifern, so wird es in der christlichen Welt immer eine Menge geben, welche gegen die Emancipation der Juden schreit, weil sie glaubt, den Ruin des Landes, den Verfall der Religion oder Gott weiß, welches Unglück sonst darin zu sehen. Man lasse sie ausrasen. Allmählig dringt doch die Stimme der Vernunft durch, und was Recht und billig ist, geschieht, weil Gott es so will, Durch die Unbestreitbarkeit des obersten Grundsatzes in dem konstitutionellen Staatsrecht, daß der Rechtsstaat der ist, in welchem die Staatsmacht gehandhabt wird in Uebereinstimmung mit dem allgemeinen Volkswillen, und durch die unleugbare Thatsache, haß eine aufrichtige, menschenfreundliche Annäherung der Christen an die Juden in jedem Falle sich noch nicht allgemein geltend gemacht hat, ist jene Einwendung von so größerer praktischen Wichtigkeit, als es nicht zu bezweifeln ist daß viele der besseren Gegner gerade dadurch zum Widerstand gegen die Emanzipation veranlaßt oder darin bestärkt worden sind. Ehe man nun aber jener Thatsache einen rechtlichen Werth beilegt, sollte man vor Allem bedenken, mit welchem Mißtrauen dergleichen Aeußerungen des Volksgeistes betrachtet und beurtheilt werden müssen, die mit Enthusiasmus vom Pöbel ausgenommen «erden, der gerade in neueren Zeiten die Hauptrolle da gespielt hat, wo noch eine öffentliche Verfolgung der Juden Statt gefunden hat. Das gebildetere Publikum so wie der halbgebildete Mittelstand ist ziemlich gleichgültig bei der Sache, und wenn man die vorgegebene öffentliche Meinung näher untersucht, löst sie sich zum Schluß darin aus, daß jeder gern mit der Emanzipation zufrieden wäre, wenn nur sein Fach, sein Beruf, seine Handthierung später wie früher den Juden verschlossen bliebe. Einer solchen nicht allein zweifelhaften, sondern obendrein — bei den ohne Vergleich Meisten — auf Eigennutz beruhenden, öffentlichen Meinung muß indessen die unverkennbare Gerechtigkeit nicht weichen; der wahre Freund des Vaterlandes, der Aufklärung, der Gerechtigkeit und der Freiheit tritt ihr entgegen und bekämpft sie, so wie er steimüchig jedem gemeinschädlichen Vorurtheile entgegengehen muß. Was die Gerechtigkeit gebietet, und wovon eine vernünftige Politik nicht abräth, das kann zuletzt auch nicht eine gehörig geläuterte und aufgeklärte öffentliche Meinung versagen, und wenn die Gebildeteren, die Besseren in Betreff der Sache einig sind,- so wird die große Masse, die sich ja leider gar zu gern damit begnügt, daß Andere für sie denken, bald Nachfolgen. Dieses ist die vernunftgemäße Seite der Sache. Wir haben dabei zugleich mehre Einwendungen beleuchtet, welche auf den Grund einer vorgegebenen Zweckmäßigkeit der Rechtsforderung entgegengesetztzu werden pflegen; denn leider giebt man in der Welt nur noch selten sogar den unbestreitbarsten Rechtsansprüchen nach, wenn sie nicht zugleich von Aussichten auf die handgreiflichsten Vortheile begleitet sind, obgleich die Erfahrung zeigt, daß in der Regel, wenn nicht immer, der größte Vortheil da ist, wo man dem strengsten Rechte treu bleibt. Die Politik muß in ihrem engen Herzen gestehen, daß der eigene Vortheil der kultivirten Staaten in der Wirklichkeit die völlige Emanzipation der Juden verlangt. Eorrespondenz. Die Jsraeliten-Gemeinde zu Groß-Kanischa in Ungarn. (Von H. Rosenmark, Lehrer in WaraSdin.) (Schluß.) Diese bieten in ihrem ersten Beginne das seltne Ereigniß dar, daß der erste Rabbine allda zur christlichen Kirche übergegangen. Die Zeit, in der dies vocgefallen, läßt sich auS Mangel an schriftliche Dokumente nicht genau angeben. Nach Angabe mehrer israelitischer Greise, die den Konvertiten in seinem Alter durch mehre Jahre persönlich naher kennen gekernt haben, soll der Ueder-

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