Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1842)
- Date
- 1842-02-26
- Page
- Seite 129 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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129 dieses auch nicht so, bleibt denn nicht die historische Wahrheit stehen, daß auch das Christenthum in seiner äußeren Offenbarung eine Gestalt annehmen kann, welche offenbar die Bedingungen einer geordneten und sichern bürgerlichen Gesellschaft verhöhnt? Möchte man doch die Hand auf das Herz legen und offen gestehen: die mosaische Religion hat nicht solche Verbrechen in sich als das Christenthum in seinen mannichfachen Ausartungen!" „Es ist schwierig mit Unpartheilichkeit über den Werth einer fremden Religion bloß nach der Prüfung des inneren Gehaltes zu urtheilcn, und desto dringender ist die Aufforderung auf die Lehren der Erfahrung zu bauen. Man muß daher nicht ungerecht gegen die vielen unbestreitbaren Tugenden fein, welche wir bei den Juden vorherrschend finden, und welche ohne Frage sie vortheilhaft vor den Christen auszeichnen. Wir brauchen hier bloß auf die THatsache zu verweisen, daß Beispiele von Trunkenheit, Unkeuschheit und Schwelgerei im Allgemeinen sehr selten unter den Juden sind; daß man im Allgemeinen glückliche Ehen und eine große Pietät in den Familien findet — diese Grundlage des ganzen Staatslebens —; daß sie sich wohlthätig gegen Dürftige, ja gegen christlicheArme zeigen, ohne daß sie im Allgemeinen auf irgend eine entsprechende Reciprocität rechnen können; daß sie mäßig in allen Genüssen sind, und daß sie durch Ordnung in ihrer Oekonomie, selbst unter einem kümmerlichen Erwerbe, selten in eine gänzlich entblößte Armuth gerathen. Wie glücklich müßten sich nicht die Staaten schätzen, wenn sie sich rühmen könnten, daß diese Tugenden bei allen Mitgliedern vorherrschend sind! Und sollten sie nicht wenigstens eben so zuverlässig als die Folge der Religion zu betrachten sein, wie man höchst übereilt die Fehler der Juden dafür hält?" Dr. Krug behauptet dasselbe und fügt hinzu: „Was ist wohl die Ursache, daß gewisse Krankheiten, die man nicht gern nennt, und die Gemüthskrankheiten sich seltener bei Juden als bei Christen finden? Ist es nun wahr, daß diese Leiden meistentheils aus Unsittlichkeit und zügellosen Leidenschaften entstehen, sollte man dann nicht glauben, daß sittliches Verderben weit mehr unter uns Christen herrscht? Man sehe deshalb nicht so verächtlich auf ein unglückliches Volk herab, wie jene tugendstolze Pharisäer auf den sündigen Zöllner! Schon aus Dankbarkeit mußten wir das nicht. Denn so wie' wir größtentheils den Griechen unsere wissenschaftliche und künstlerische Bildung verdanken, verdanken wir größtentheils den Juden unsere moralischr eligiöse." Der Verfasser der zuerst angeführten Stelle bekämpft gleichfalls die Einwendungen, die gemacht werden aus der Nationalität der Juden, der Fremdartigkeit in Sitten und Denkungsart, ja selbst in den Gesichtszügen, dem gegenseitigen Zusammenhalten, den egoistischen Meinungen von sich selbst als Gottes auserkohrnem Volke, den Erwartungen von dem Kommen eines Messias als eines weltlichen Herrschers, der Wiedererrichtung eines Judenreiches in Palästina, u. s. w., welches Alles sie zu kalten, widerspenstigen Bürgern eines jeden Staates machen soll. „Ohne Ungerechtigkeit, sagt er, können wir nicht über Mangel an Vaterlandsliebe und aufopfernden Gemeingeist bei den Juden klagen. In den Jahren 1814 und 15, als, wie man sagte, die deutsche Freiheit gerettet werden sollte, fochten und bluteten sie neben den christlichen Kriegern, und überall, wo seit dieser Epoche die großen Zeitfragen aufgeworfen wurden, haben die Juden auf der Seite der Freisinnigkeit gestanden, obgleich der Dienst unter dem liberalen Princip wahrlich bis auf den heutigen Tag nicht fruchtbringend gewesen ist. Und wie würde man sich wol das Faktum erklären, daß die Juden so eifrig wünschen, als wirkliche Staatsbürger anerkannt zu werden, wenn sie nicht Interesse für den Staat und die Erreichung ihres Zieles hätten? Wie könnte der Widerspruch gelöst werdett zwischen der Forderung an die Aufnahme in den allgemeinen Verband, an den nähern Anschluß an die staatsbürgerlichen und socialen Interessen, und dem vorgeblichen* Hang zur Absonderung und Ausschließung von diesem Verbände?" VIII. Die öffentliche Meinung. „Das Volk will es nicht; die Meinung ist grade dagegen," hört man oft als ein Retirade - Argument gegen den Zutritt der Juden zum Reiche, wenn man die übrigen hat fallen lassen, und in den Schlupfwinkel vor dem schrecklichen Riesen kriecht, den Barrikaden der öffentlichen Meinung. Wir wollen uns