Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1842)
- Date
- 1842-02-19
- Page
- Seite 114 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225236--04173-3313747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
114 Tages-Controle. Norwegen. (Fortsetzung.) Schließlich können wir auch nicht den Einfluß unerwähnt lassen, welchen die Vernichtung des Zunftzwanges auf die Juden gchabt hat. Als einen Ausgangspunkt unserer Uebersicht wollen wir die Anzahl der Juden angeben, wie sie 1836 war — denn die spätem Listen kennen wir nicht — indem wir jedoch ausdrücklich bemerken müssen, daß wir hier nur Rücksicht nehmen können auf die Juden der Jnselstister und Jütland; weil der Zunftzwang in Schleswig noch nicht gebrochen ist. — Im Jahre 1836 machten in den genannten Theilen Dänemarks sammtliche Juden eine Anzahl von 4664, von denen 2465 (1111 Männer und 1354 Frauen) in Kopenhagen, und 1599 (800 Männer nnd 789 Frauen) in den Provinzen lebten. Die Anzahl ist nie größer gewesen, in Kopenhagen waren in den 1790er Jahren im Durchschnitt 1550. — Es fiel, wie schon bemerkt, 1788 der Zunftzwang, und 1793 wurde „die Prämiengesellschaft für die Anbringung der jüdischen Jugend zu Künsten und Handwerken" gestiftet. In die öffentlichen Blätter wurden Aufforderungen sowol an die christlichen Meister erlassen, die Lust zu lehren, als an die jüdischen Knaben, die Lust zu lernen hätten. Den 25. Februar 1795 hielt die Gesellschaft die Generalversammlung, auf welcher die Gesetze entworfen wurden, die im folgenden Jahre königliche Bestätigung erhielten. Die Gesellschaft vertheilte Prämien von 20—50 Reichsbankthaler an die christlichen Meister, die jüdische Knaben in die Lehre nahmen und ausschrieben, und Prämien von 20 — 30 Thaler und Silber-Medaillen an diese Lehrlinge, wenn fie Gesellen wurden; in den Lehrjahren unterstützt sie diese ebenfalls mit Kleidern, Werkzeug, u. s. w., und seit 1832 unterstützt sie außerdem jährlich eben so viele christliche als jüdische Handwerksgesellen mit einem zinsenfreien Anlehen, wenn sie sich als Meister niederlassen wollen. An dieser Gesellschaft (deren Wesen nicht bloß den Juden zu Gute kam, wenn sie auch vorzüglich für dieselbe von Bedeutung werden mußte) nahmen Christen und Juden Theil, und ihre Leitung wurde von Anfang an Zweien von jeder Glaubenspartei übertragen. Die ersten Leiter (und gewissermaßen Stifter) dieser Gesellschaft, welche jetzt über 47 Jahre zu so vielen Segen gewirkt hat, mußte man auch wünschen, sie bald gegen die Verordnung dadurch aufhören zu sehen... daß solche Aufmunterungen nicht mehr nöthig sind — und in welcher die verschiedenen Glaubensbekenner zum ersten Male in Liebe sich die Hand reichten zu einem schönen und edlen Zusammenwirken, waren: Grosslrer L. Larscn und A. Bunzen, H. I. Cantor uud L. I. Cantor, die alle anhaltend wirkten, bis der Tod sie abrief, den letzten H. I. Cantor 1833, nachdem er 40 volle Jahre an der Leitung Theil genommen hatte. 1798 zählte die Kopenhagener Gemeinde 44 Handwerker (7 Meister, 14 Gesellen und 23 Burschen). In ihrem 47jährigen Wirken (bis April 1840) hatte die Gesellschaft im Ganzen 417 Knaben in die Lehre gegebeü. Sind auch von diesen Manche durch den Tod ausgeschieden, oder mit ihren Eltern fortgezogen oder sonst aus der Lehre gegangen, so hat doch der größte Theil längst ausgelernt. Bis April 1840 waren 311 von ihnen Gesellen geworden, und die meisten derselben haben sich schon in Kopenhagen, in den Provinzen oder im Auslande als Meister niedergelassen. Ans den dänischen Inseln und in Jütland fanden sich Anfangs 1837 unter den 1911 männlichen Individuen: 45 Schuhmacher (Meister, Gesellen und Burschen), 45 Schlachter, 39 Schneider, 29 Goldschmiede, 29 Weber, 28 Buchdrucker, 19 Sattler, 18 Gerber und >7 Tabackspinncr, außer 124 bei 40 andern Handwerkszünften. Im Ganzen waren also damals 392 Juden bei den verschiedenen Handwerken angebracht (ungeachtet es Zünfte giebt, die sich ihnen noch nicht öffnen wollten), oder 20von jedemHundert märrnlicher Individuen; während schon damals nicht einmal 36 vom Hundert sich vom Handel ernährten, ein Resultat, das, wie man denken sollte, hinlänglich das Grundfalsche in der veralteteten Behauptung-widerlegen mußte, daß der Jude nur Handelsmann ist und sich mit Anderem weder befassen kann noch mag. Und dazu kommt noch, daß die Zahl der jüdischen Handwerker seit 1837 nicht wenig gestiegen ist. Wir können zwar nicht mit Bestimmtheit die Zahl angeben, aus einem unvollständigen Verzeichnisse aber, das uns mitgetheilt wurde, über diejenigen, welche als Gesellen von der Prä-