Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1842)
- Date
- 1842-02-19
- Page
- Seite 105 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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105 muß, ist daher vollkommen gerechtfertigt. Berlin, den 15. November 1841. Ministerium des Innern. Erste Abtheilung, v. Meding. Berlin, 29. Januar. Die Eidesformel für die Aerzte ist verändert worden. Gegenwärtig wird nun die Formel für die jüdischen Medizinalpersonen publicirt, in welcher die belästigenden Worte: „Ich schwöre nicht in meinem Sinne, sondern im Sinne "Derer, die mich schwören lassen," wegfallen, und welche also lautet: „Ich schwöre bei Adonai, dem Gott Jsrael's, einen leiblichen Eid zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden (sollte das nicht ein Styl - oder Formfehler sein?), daß, nachdem ich als (Arzt, Wundarzt rc.) in den königl. Landen approbirt worden, Sr. Königl. Majestät von Preußen, meinem allergnädigsten Herrn, ich unterthänig, treu und gehorsam sein und alle mir vermöge meines Berufs obliegenden Pflichten nach den darüber bestehenden oder noch ergehenden Verordnungen, auch sonst nach meinem besten Wissen und Gewissen genau erfüllen will. Dies schwöre ich, so wahr mir Gott helfe, und wenn ich meinen Eid übertrete, so mögen mich, der mir geschehenen Warnung gemäß, alle nach göttlichen und menschlichen Gesetzen über solche Untreue und Entheiligung des göttlichen Namens verhängten Strafen treffen." Die Schluß- und Bekräftigungsformel ist geändert und immer noch exceptionell. Auch ist die im Jahr 1825 festgesetzte Verwarnung und Ermahnung für die Juden beibehalten, während für die Christen die Vorhaltung zum Diensteide vorangeht. Deutschland. Schwerin, I. Februar. (Privatmitth.) Sie werden dringend ersucht, folgender „Aufforderung an die Israeliten in Mecklenburg-Schwerin zur ferner» Unterstützung und Beförderung des israelitischen Handwerksvereins vom Landrab. 0r. Holdheim," die im Schweriner freimüth. Abendbl. gestanden, einen Platz in der Allg. Zeit. d. Jud. einzuräumen, weil diese auch in Meklenburg überall gelesen, und so die beabsichtigte Wirkung weiter ausdehnen wird. Sie lautet: Der zur Beförderung von Handwerken unter. den israelitischen- Glaubensgenossen in Meklenburg seit dem Jahre 1836 unter allerhöchster Approbation bestehende Verein hat bis jetzt in seinen Kreisen sehr wohlthätig gewirkt, eine bedeutende Zahl von unbemittelten israelitischen Jünglingen zu Erlernung von Handwerken verschiedener Art unterstützt und noch. außerdem die Liebe zum Handwerk unter den Israeliten hiesiger Lande anregend geweckt, so daß es nunmehr nicht selten ist, auch bemittelte und wohlhabende Eltern ihre Söhne dem ehrbaren Handwerksstande widmen zu sehen. Daher wurde dieser Verein gleich Nach seinem Entstehen von allen Seiten freudig begrüßt und erfreuete sich nicht nur der regen und werkthätigen Theilnahme der hierbei zunächst betheiligten Glaubensgenossen in und außer Meklenburg, sondern auch aller gebildeten und höher stehenden Menschenfreunde im Vaterlande, die durch thätigen Antheil zu seinem Gedeihen mitwirkten und ihn hierdurch als ein der Zeit und den Verhältnissen angemessenes Institut faktisch anerkannten. Dadurch hat der Verein nicht nur innerhalb seiner Grenzen eine wohlthätige Wirksamkeit entfaltet, .sondern auch nach außen hin dem Streben der Israeliten nach gemeinnütziger und angemessener Thatigkeit und dem zum Theil auch auf diesem beruhenden Anspruch eines erweiterten Rechtes moralische Anerkennung erworben. Der israelitische Handwerksverein in Meklenburg, aus Anregung der einsichtigen, die wahren materiellen und geistigen Bedürfnisse ihrer Glaubensgenossen > wohl kennenden Männer hervorgegangcn, ist nicht als «ine örtlich isolirte Erscheinung anzusehen, sondern steht mit dem durch äußere und innere Ursachen lange niedergehaltenen, nunmehr allgemein erwachten Gesammtstreben der Israeliten in Deutschland in genauem und innigem Zusammenhang«, welches allerwärts darin sich bekundet, durch gemeinnützige, auf einer soliden und sichern Basis beruhende, den Glückswürfeln des Zufalls weniger preisgegebene Thätigkeit ihrer unnatürlichen und schiefen bürgerlichen Stellung des Mittelalters entgegen zu arbeiten und derselben das Gleichgewicht zu halten. Daher sehen wir überall unter den Israeliten Handwerke aller Art erblühen und vielversprechende Handwerksvereine erstehen, die nicht nur so viele historische Unbilden ausgleichen, sondern sie auch von der Wurzel der öffentlichen Meinung,