Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1842)
- Date
- 1842-02-12
- Page
- Seite 94 (sequence 10)
- Language
- German
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94 sondern Direktion derselben. Den 20. Januar 1806 erhielten ihre Gesetze königliche Bestätigung, und 1810 und später öfter bezeugte ihr der König, daß er mit besonderem Wohlgefallen ihren guten Zustand und fortdaurenden Fortschritt vernommen habe. Die Regierung hat durch mehre Verordnungen ihr Wirken zum edlen Zwecke gesichert, und Viele in der Gemeinde haben durch Geschenke und Testamente für sie gesorgt. Allein aus Groffirer D. A. Meynes Legaten fielen ihr »0,000 Bankthaler zu. Bis 1836 hatten 286 Knaben Unterricht in derselben genossen, und von den Abgegangenen haben viele studirt; über die Hälfte wurde bei verschiedenen Handwerkern untergebracht, und nur der fünfte Th eil widmete sich dem Handel. Eine Folge dieser Schule war es aber wiederum, daß, während das Ausland früher die kopenhagener Juden mit Handlungsdienern und Lehrern versehen mußte, jetzt das umgekehrte Verhältniß eingetreten ist. Neben dieser Schule eröffneten die Herren Bing und Kalisch 1803 eine Schule für die Kinder der Wohlhabenderen, in welchen die Unterrichtsgegenstände, natürlich nach einem vergrößerten Maaßstabe, dieselben wie in der Freischule waren, und noch außerdem Englisch, Französisch, Weltgeschichte, Naturgeschichte und Mathematik. Sie sing mit 20 Zöglingen an, hatte aber später im Durchschnitt etwa 50. Sie wurde 1807 mit einer Anerkennung der vollen Zufriedenheit von Seiten der Kanzelei beehrt; weit mehr aber wurde sie durch ein Zeugniß des in Wahrheit hochehrwürdigen Bischofs Balle geehrt, welches wir wortgetreu wiederzugeben uns das Vergnügen nicht versagen können: „In dem von den Herren Bing und Kalisch im Jahre 1803 für die jüdische Jugend hier in der Stadt errichteten Institute habe ich oft dem öffentlichen Examen beigewohnt, welches von ihnen angestellt wurde, und Proben von Schrift und Rechnung in Augenschein genommen. Immer fand ich Ursache, nicht allein zufrieden zu sein, sondern auch die gezeigten Fortschritte und Fertigkeiten zu loben. Auch bekam ich nichts weder zu sehen noch zu hören, welches nicht mit wahrer Moralität bestehen konnte, und besonders mit der wärmsten Liebe zu König und Vaterland. Sittlichkeit, Ordnung und Wohlanständigkeit begleiteten überall die angewendeten Bestrebungen. — Die Leseübungen im Dänischen, Deutschen, Hebräischen fand ich vortrefflich.' Reine und deutliche Aussprache, vereinigt mit klaren Begriffen über Meinung und Inhalt, machten sie mir vorzüglich angenehm. Naturgeschichte, vaterländische Geschichte, Erdbeschreibung, des Vaterlandes sowie allgemeine, bald nach Landkarten und bald aus dem Kopfe, fesselten besonders meine Aufmerksamkeit. — Ich hatte sehr oft große Veranlassung mich zu freuen.— Ausgezeichnet schöne Handschrift ist allenthalben einleuchtend und gangbar. — Ueberall strahlt Zufriedenheit, Munterkeit und Lernbegierde bei den lieben Kindern hervor. — Die Lehrer erfüllen ihren wichtigen Beruf mit Treue und Eifer. Nützliche Aufklärung und Bildung des Herzens zu reiner Lugend beseelt ihr Bestreben. — Unter diesen hat besonders Herr Kalisch meine Ergebenheit auf sich gezogen. Mit dem unermüdlichsten Fleiße wendet er seine Lehrgaben an zur Bildung der Jugend in menschenliebender und wirksamer Rechtschaffenheit. Der Parteilichkeit und dem Eigennutz selbst gänzlich fremd flößt er durch paffende Vorstellungen unbeschränkte Ehrerbietung für Menschenwerth,ein und entfernt allen Hang zur Sektirerei. — Was er zuweilen für die gute Sache leidet, und was er mit redlicher Selbstverleugnung dem allgemeinen Besten opfert, wird ihm nur durch sein eigenes gewissenhaftes Selbstbewußtsein erstattet. Aber dieser Lohn ist ihm auch der liebste. Der Herr, unser Gott, segne ihn und alle seine treuen Mitarbeiter sowol hier als dort! — Kopenhagen den 10. Juni 1813.— Nik. Edinger Balle." 1821 ging Bing ab, und Kalisch stand dem Institute allein vor. Unter ihm setzte es ununterbrochen seine segensreiche Wirksamkeit bis 1837 fort. Da hob er es auf; es war nun aber auch weniger nöthig geworden; denn das Leben, das er Aelteren und Jüngeren in der Gemeinde eingeflößt hatte, war kräftig genug geworden, so daß es selbst für seine Verpflanzung auf .die kommenden Geschlechter sorgen konnte. Die armen Töchter der Gemeinde aber waren noch immer dem kümmerlichen Unterrichte und der Erziehung ihrer unvermögenden Eltern überlassen. Unter der Voraussetzung, daß ditz übrigen vermögenden Mitglieder der Gemeinde auch das Ihrige thun würden, machte nun der reiche D. A. Meyne ein Anerbieten von 2000 Species zur Errichtung ei-