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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-02-12 · Heft 7 (12.2.1842) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 7 (12.2.1842)
Date
1842-02-12
Page
Seite 93 (sequence 9)
Language
German
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93 mitbrachten, Geist und Herz. Sie wurden Bürger in einer hohem Bedeutung als die, in welcher sie früher es waren, wenn auch nicht in der vollsten, und sie umfaßten den Staat, das Vaterland, mit warmem und lebhaften Interesse, und kämpften mit den Waffen des Geistes und der Hand für seine Wohlfahrt, ja selbst mit Aufopferung dessen, was man bis jetzt gewohnt war, als ihren Gott über alle Götter anzufehen, des Gutes und Vermögens. Und wie Viele des jetzigen, ja selbst des schon Heimgegangenen Geschlechts haben nicht das Volk geehrt, von dem sie entsprangen, und nicht bloß die Schuld abgetragen an dasjenige, dessen „Gastfreiheit" sie unter sich aufnahm, sondern es sogar geehrt, so wahr, wie sie selbst ein Theil desselben waren, und völlig für Alles entschädigt, so daß, wären sie auch ein fremder Zweig an dem Volksstamm, sie doch keinesweges eine Schlingpflanze, eine Mistel auf der Eiche des Dänenthums waren. Noch ist es freilich kaum möglich, den dänischen Juden richtig zu schätzen; hundertjährige Kränkungen und Zurücksetzungen brachten einen Eindruck hervor, zu dessen Vertilgung der bessern Zellen noch zu wenige waren, während die ungewohnte Freiheit mit ihrer Spannkraft vielleicht von der andern Seite ein nicht ganz natürliches Verhältniß von Kräften in Bewegung gesetzt hat. Die tiefe Kluft zwischen dem Juden, welchen Verachtung von allen feineren Gefühlen, allem höheren und edlerem Streben entblößte, während seine Seele sich nur in Schmutz und Gold vertiefte, und dem Juden mit dem reizbaren Ehrgefühl, den eine unvorsichtige Aeußerung aufbringen und ein Lächeln ohne Absicht durchbohren kann, während seine Phantasie von weiten Wirkungskreisen, von unverwelklicher Ehre träumt, — diese Kluft ist noch zu Schwindel erregend, als daß wir mit Sicherheit den rechten Mittelpunkt finden könnten, von welchem eine unparteiische Beurtheilung ausgehen muß. Es ist übrigens, unserer Meinung nach, die Nachwelt, welche über die Gegenwart urtheilen muß. Spätere Zeiten und volle Gerechtigkeit gegen sie freiwillig ihnen gezollt von dem aufgeklärten Geiste und dem liebevollen Herzen des Dänischen Volkes und der Dänischen Regierung, wird, davon sind wir völlig überzeugt, es jedem Zweifler stets klarer machen, daß dieses Volk noch eine geistige und sittliche Tüchtigkeit besitzt, die ihm zuletzt die Achtung eines jeden anderen Volkes erwerben wird, welches Augen für dergleichen hat. — Doch, zur Geschichte! Das Schulwesen giebt eine um so schönere Lichtseite in der inneren Geschichte während des letzten halben Jahrhunderts, da die Verbesserungen in demselben unmittelbar aus der Mitte der Gemeinde ausgegangen sind. Wir haben öfter darauf hingcwiesen, daß die Regierung die Juden „vor Wind und Wetter gehen ließ," ohne sich im geringsten um ihre Bildung zu kümmern. Selbst im Anfang dieses Jahrhunderts war sie so ziemlich ein müßiger Zuschauer bei dem gänzlich versäumten Schulwesen, dessen Art und Weise sie doch genau kannte. Nicht ohne Schwierigkeit wurde daher 1790 durch Privatbeitrage eine Lese-, Schreib- und Rcchnenschule in Kopenhagen für arme Judenkindcr errichtet. In dieser Schule sollte zugleich Dänisch gelehrt werden. 1798 berichtete der Magistrat in Kopenhagen, daß sie von 40 Kindern besucht würde, und daß viele derselben gute Fortschritte gemacht hätten. — Unterdessen wurde 1795 die früher, erwähnte Kommittee niedergcsetzt, und besonders hatten Euchels Vorschläge Leben in die Gemeinde gebracht. Das erweckte Leben erstarb nicht wieder. Einige weniger vermögende als begeisterte Jünglinge — unter denen der jetzige Obergerichtsprokurator Delbanco — unterhielten im Anfänge des neuen Jahrhunderts einige Kinder ihrer Glaubensbrüder in den besseren unserer christlichen Schulen, die sich schon jetzt ihnen geöffnet hatten; und ein Paar Jahre später wurde jene erwähnte Schule — durch Grossirer M. L. Nathansons kräftige und glückliche Bestrebungen und seiner Glaubensbrüder freiwillige Beiträge — (125 zeichneten sogleich 1600 Bankthaler jährlich) von der jetzt bestehenden Frei sch ule abgelöst, welche im November 1805 mit einer Anzahl von 55 armen und unwissenden Kindern eröffnet wurde, die in 4 (jetzt 3) Klaffen getheilt wurden. Unterrichtsgegenstände wurden: Religion, Hebräisch, Dänisch, Deutsch, vaterländische Geschichte, Geographie, Naturgeschichte (jetzt ausgefallen, dafür Zeichnen), Rechnen, Schreiben und Gymnastik. Die Kinder erhalten den Unterricht frei (zum Theil auch Kleidungsstücke), stehen aber, selbst nachdem sie die Schule verlassen haben, unter genauer Aufsicht und Vormundschaft der be- 7'

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