Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1842)
- Date
- 1842-02-12
- Page
- Seite 92 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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92 einerseits; — andererseits der absurdeste Obskurantismus, der in seiner scholastischen Grübelei bis zum Burlesken ausartet, wovon Vers, einige frappante Belege giebt (S. 13. Anmerk.); und endlich alle die unheilvollen Folgen, die daraus beim Volke hervorgehen, als Aberglaube, geistige Verfinsterung, blinde Werkhelligkeit u. s. w., dieses Alles sehen wir in den lebhaftesten Farben vor uns da stehen. — Wie bedaurenswürdig! Selbst die heitere Form vermag kaum den betrübenden Inhalt einigermaßen zu verhüllen und ihn freundlicher zu gestalten; und wir müssen da mit dem Propheten ausrufen: „O wie wurden die Vertreter dieses Volkes seine Verführer, und daher die Vertretenen so irre geleitet!" (Jes. 4, 15.) — Dieses Schristchen ist freilich nur ein Miniaturbild dieser großen unheilvollen geistigen Lage, aber als eine interessante Anregung verdient es unsere volle Anerkennung. Der. Faden des Gespräches mit Satan ist höchst interessant, an manchen Stellen sogar wegen den getroffenen glücklichen Wendungen (S. 16. z. 33.) meisterhaft. — Der hebräische Styl ist wie der aller frühem Aufsatze dieses Autors — klassisch. Man stehet, daß dem Vers, der biblische Sprachschatz so zu Gebote stehet, wie selten Einem. — Wir begrüßen im Allgemeinen dies Schristchen mit einem herzlichen Willkommen, und empfehlen es allen Freunden des Fortschritts im Judenthum, und der klassischen hebräischen Literatur. Möge somit der Vers, in diesem Bewußtsein sich angeregt fühlen, in. diesem Geiste fortzuwirken, sein Name wird früher oder später gewiß in der hebräischen Literatur hell glänzen. — Dr. B—sch, Tages-Controlr. Norwegen. (Fortsetzung.) 2. Stellung der Juden in Dänemark. (Da dieser Gegenstand schon so oft in dieser Zeitung besprochen worden, so übergehen wir die Darstellung Wergeland's, und kommen sofort zu der Rubrik:) 3. Eigenes Benehmen der Juden in Dänemark. Aus der ganzen Stellung der Juden wird es einleuchten, daß es eine Zeit gab, in der es ihnen unmöglich oder doch nicht leicht möglich wurde, so in das Leben einzugreifen, daß sie sich eine Geschichte erkämpften. Bedrängt in allen Verhältnissen, mit Mißtrauen von allen Seiten betrachtet, mußte es die Aufgabe der Meisten werden, die Aufmerksamkeit von sich abzulenken; sie auf sich zu ziehen, davon träumte kaum ein Einziger. Unterstützt von Niemanden, gedrückt von Bielen hätte es allenfalls den' am seltensten Begabten glücken können die Schranken zu überfliegen, welche Armuth, Elend, Unwissenheit und Verachtung dicht um sie zog. Gesellschaftlichen Umgang und freundschaftliche Theilnahme fanden sie außerhalb ihrer eigenen engen Gesellschaft fast nie; der Zutritt zur Geistesbildung und Veredlung des Herzens durch Künste und Wissenschaften war ihnen verschlossen; nicht einmal das einfachste Handwerk stand ihnen offen; beinahe Alle waren verurtheilt zum ewigen Kleinhandel in den schmutzigen Hinterhäusern. Wir sehen es doch deutlich, daß, sowie die Fesseln gelöst wurden, auch die Kräfte wuchsen, und schon im vorigen Jahrhunderte finden wir einzelne Männer, denen wir unsere Achtung unmöglich versagen können. Die Aelteren des jetzt lebenden Geschlechts fühlten noch die Nachwehen des Drucks voriger Zeiten, und es ist unmöglich anders, daß selbst bei den Jüngsten die letzte Spur des Drucks völlig verlöscht sein kann; denn die Freiheit ist freilich ein „Königsbalsam", aber selbst sie kann doch unmöglich an einem Tage alle, die Wunden heilen, welche die Sklaverei seit Jahrhunderten schlug. Und dennnoch, wie ganz anders ist es nicht schon jetzt in so vieler, in so mancherlei Rücksicht? — Handwerke und Ackerbau haben sich ihnen geöffnet, und sie haben mit Freuden die gegebene Gelegenheit zu anderem Erwerb als dem Handel ergriffen; sie haben schon in vielen Individuen sich als vorzüglich tüchtige Handwerker gezeigt. — Die Künste und Wissenschaften haben ihnen ihre Tempel geöffnet, und sie sind auch nicht in den Vorhöfen derselben geblieben; sie sind in das Heiligthum eingedrungen, nicht als Friedensstörer, sondern als Solche, die selbst die besten Opfer