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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-02-12 · Heft 7 (12.2.1842) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 7 (12.2.1842)
Date
1842-02-12
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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für Geist und Herz werden. — Die deutsche Literatur hingegen, die dem Judenthume gewidmet ist, muß den Weg der ernsten Wissenschaftlichkeit weiter verfolgen. Die Sprache, das Publikum erfordert-dies. Denn die deutsch-jüdische Literatur muß entweder die Rechte des Judenthums nach Außen verfechten, und hier darf nie die feierliche Stimme des verletzten Menschenrechts mit einem noch so heiteren Klange der Satyre und Persiflage verwechselt werden. Denn das Recht muß bewiesen und vorgehalten, aber nicht heraussatyrisirt werden; oder sie — die jüdisch-deutsche Literatur — betrifft die wissenschaftliche Entwickelung des Judenthums,, zum Behufs seiner innern Regeneration, auch hier muß aber nur die positive Wissenschaft und keineswegs die negirende Satyre ihre Stimme erheben. — Nachdem wir nun auf diese Weise den Standpunkt des Verfassers bezeichnet haben, so wollen wir das Merkchen naher betrachten. — Es führt den Namen „der Zuschauer" (hazofe); ein passender Name für den Inhalt desselben. Der Verf. blieb ihm nur nicht ganz konsequent, daß, nachdem der Zuschauer die Sündenabschüttelung Aller ruhig mit angesehen, am Ende doch vom Satan gezwungen wird, auch seine eignen Sünden abzuschütteln (S. 24). Denn der Zuschauer als solcher mußte von jeder persönlichen Theilnahme durchaus fern sein; er sollte die passivste, indifferenteste Person bei der Handlung, und eben deßwegen, die aktivste bei der Erzählung sein. — Was die Vorrede betrifft, so ist die Stellung des Satans in dem Sinne, wie sie Verf. nimmt, eine verfehlte, obschon der Unterschied zwischen dem biblischen Satan und dem kabbalistischen Samiel, wie ihn« Verf. angiebt, ganz richtig ist. Denn nur dem Samiel in Sinne der Kabbalisten (der am Ausgebilderesten in der christlichen Dogmatik als Teufel wiedererscheinr) kann die Sünde jederzeit eine würdige Beute sein, schon die Sünde als solche gehört in sein Reich, weil sie ja die Erzeugerin seiner Genossen (der Klipps) ist; dem biblischen Satan aber kann keine mit reuigem Herzen obgeschüttelte Sünde, und namentlich nach der großen himmlischen Tagsatzung — denn diese ist bekanntlich nach dem Talmud Vormittags und der Taschlich erst Nachmittags — mehr nützen, weil er sie ja unmöglich zum Behufs seiner Verleumdung bei Gott gebrauchen kann. — Und wenn auch Samiel nach dem Gestandniß des Verfassers in gekehrten Sachen gerade nicht zu Hause ist, so rvlrd er doch wenigstens vermöge einer so langen Praxis einen richtigen Begriff von seiner Amtsfunktkon haben. — Wir kommen nun zum Inhalte selbst, den wir freilich hier nur in seiner gedrängtesten Kürze anführen können. Es enthalt einen sehr glücklichen Einfall, sehr geistreich durchgeführt. — Verf. führt uns, wie gesagt, am Neujahre (Roschhaschana) zu dem Ufer eines weiten Stromes, wo Israel seine Sünden abschüttelt. — Der Ursprung dieses Gebrauches — der nicht einmal talmudisch ist — kam so wie tausend andere aus einer irrthümlich wörtlichen, ich möchte sagen, materiellen Exegese des Bibelverses „dann wirst du alle ihre Sünden in die Tiefen der Gewässer werfen (Micha 7, 19)." Es ist eine Ausgeburt jener orientalischen Richtung, allen Analogien, im uneigentlichen Sinne (Sensu derivativo), immer eine materielle Basis, gleichsam als Anspielung und Memorium (secllcr Jedabar) zu unterlegen. — Das Volk, das immer zur Werkheiligkeit inklinirt, und das den Gedanken über die Handlung vergißt, verfuhr dabei in seiner Art ganz konsequent. Es schüttelte seine Kleider ab in's tiefe Wasser, nachdem es Gott um Vergebung der Sünde gebeten, und der Plebejer ist fest überzeugt, daß der ganze Sündenhaufen, der an ihm wahrend des ganzen Jahres unzerstörbar haftete, jetzt wie durch einen Zauberschlag von ihm gelöste, und wie eine zentnerschwere Last bis zum Abgrund der Gewässer herabgesunken sei. — Nun führt uns der Verf. die mannigfachen Sündengattungen vor, die von unterhalb der Kleider der verschiedenen Individuen hervorgehen. Hauptsächlich jedoch beschäftigen ihn die Rabbinen, Heiligen, Zadikim (Rebbi's) u. s. w.; denn, meint der Verf., und wahrlich gar nicht mit Unrecht, die Sünden des Pöbels müssen nichts desto weniger auf Reizung seiner bösen Führer oder vielmehr Verführer gestellt werden; weil immer nur der moralische Urheber, nicht aber das blinde Werkzeug des Bösen dafür sträflich ist. — Mit vielem Geiste und Wahrheit, und, wie es scheint, mit einer besondern Anspielung auf eine gewisse Rabbinerdynastie in einer bedeutenden galizischen Gemeinde (L.) (S. 11) zeigt Verf. die verborgenen Sünden dieser Großen und Heiligen in ihrer ganzen Blöße auf Hochmuth, Eigendünkel, Egoismus in seiner krassesten Gestalt mit seiner ganzen häßlichen Seite von Heuchelei, Fanatismus, niedriger Jntrigue, Begünstigung der Dummheit, Aechtung der Wissenschaft, Lichtscheu, und allen bösen Adjektivm selbst bis zum Diebstahl — nämlich der Gedanken d. h. Plagiat (S. 10);

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