Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1842)
- Date
- 1842-02-12
- Page
- Seite 90 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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90 des Verfassers hinzuzufügen, weiche dem Werk-, vorgedruckt werden wird. Ich gedenke das Werk in groß 4. mit hebräischen Quadratbuchstaben, begleitet von Stellennachweisungen, Anmerkungen, doppeltem Register, namentlich von Talnmdcitaten und der im Werke erwähnten Auroren früherer-Zeit bis künftigen Sommer herauszugeben und es wird in der rühmlich)! bekannten k. k. Universitatsbuchdruckerei zu Ofen, dem Druck übergeben werden. S. G. Stern. Bukarest, im Dezember. (Privatmitth.) Unter dem Titel: Vantt*' rpnb ND12N (der Zuschauer), No. IV. ‘■pbttn (Sündenabschüttelung) veröffentlichte Herr Isaak Erter, mag. chir. (Prag, 1840.), der Verfasser einiger berühmter hebräischen Aufsätze*), die er nun als Theile seines „Zuschauers" betrachtet wissen will (Vorrede), eine Unterredung mit dem Satan (Samiel) an einem Flusse am ersten Neujahrstage (Roschbaschana) bei Gelegenheit der Sündenabschüttelung (Tasclilich).— Derlei Erscheinungen sind in der neuesten hebräischen Literatur sehr selten, namentlich in diesem eigenthümlichen Gewände. Es handelt sich überdies hier nicht bloß um die Würdigung dieser einzelnen Geistesproduktion in ihrer gelungenen oder verfehlten Wirkung, sondern vielmehr um die der ganzen derartigen Richtung überhaupt, mit andern Worten, um die Würdigung der humocistisch-satyrischen Literatur innerhalb des Iudenthums in gegenwärtigem Jahrhundert und in gegenwärtigem Kulturzustande zur Erreichung des gemeinsamen großen Zweckes — der Regeneration des Iudenthums. — Wir wollen daher in dieser zwiefachen Beziehung diesem extensive geringem aber intensive inhaltreichen Schriftchen einige Betrachtungen zuwenden. Was zuerst die Werthschätzung der humoristisch-satyrischen Literatur im Judenthum überhaupt betrifft, so verhält sich's damit folgendermaßen: Wenn in. Deutschland für deutsche Juden in deutscher Sprache die Orthodoxie nicht mehr mit den Waffen der Satyre, sondern mit den der ernsten Wissenschaft bekämpft werden muß, so ist dies doch nicht der Fall im polnischen Judenthume und in der hebräischen Sprache. Das Wesen der Satyre ist völlige Negation und Vernichtung; sie repräsen- *) a) in ÄDPN ÜWrt IIIM. b) m'ron iTODm in 'a ri"Qw2 ‘narr e) rmibri rii^rnvi in man» ivn tna. . tirt das Zerstörungsprinzip in seinem vollsten Umfange; sie verletzt die Wunde, heilt sie aber nicht, denn der Krebsschaden wird entdeckt und in seiner ganzen Blöße aufgezeigt, aber nicht ausgerottet und zur Heilung gebracht. Die Satyre ist demnach auf dem Gebiete der Religion der nothwendige Uebergangsmoment zwischen einer fanatischen Orthodoxie zu einem tiefen undernsten, vernünftig-religiösen Bewußtsein; weit der Fanatismus und die starre Orthodoxie: sich durch keine Vernunftgründe widerlegen lassen. Denn jeder Vcrnunftgrund erfordert Reflexion, jene wollen aber gar nicht reflektiren. Jeder noch so künstlich geführte Hieb trifft sie nicht, denn sie befinden sich auf einem ganz andern Terrain. Wer noch keine Idee von Wissenschaft hat, ja wer selbst für den Satz des Widerspruches taube Ohren hat, indem er das Unmögliche für möglich, und ein Ding und sein Gegentheil neben einander seiend für ganz natürlich hält, wie können den ^ioch vernünftige Argumentationen treffen? Alle vernünftige wissenschaftliche Argumente müssen ferner ihre Prämissen vonaußen hernehmen, sie müssen den zu beweisenden Gegenstand mit fremden in verschiedene Relationen bringen; dem fanatischen Orthodoxen ist aber die ganze, Welt mit Bretern verschlagen; er bewegt sich in ewigem Kreislauf in seiner bornirtesten Sphäre, und hat für alles Andere weder Sinn noch Wille. Die Satyre hingegen entbehrt aller fremden Prämissen, das Lächerliche ist ihre einzige, aber mächtigste Waffe; das Lächerliche bestehet aber gerade im Gegentheil darin, daß man einen Gegenstand von allen weiteren Relationen ablöset, und ihn isolirt und entblößt hinstellt, um eben seine Lächerlichkeit, d. h. seine innere Unhaltbarkeit und Absurdität aufzuzeigen. Diese kurze Auseinandersetzung dürste schon genügen, um die Werthschatzung der Satyre innerhalb des Iudenthums zu bestimmen. In der hebräischen Sprache nämlich, und zwar zunächst für das polnische Judenthum, ist gegenwärtig die Satyre ein mächtiges. Vehikel zur Volksbildung, um erstens, das Lächerliche in seiner ganzen nackten Lächerlichkeit hinzustellen, wobei das hebräische Wortspiel, ja schon die Verschwägerung des Uralten mit dem Nagelneuen schon zu . Statten kommt; zweitens, um im Volke, das dem Aesihetkschen im Menschen leider noch mehr als allem Andern entfremdet ist, einen Weg zu einer Wiederauflebung des bessern Gefühls von neuem zu bahnen- und so müssen hier wie überall, die Pfeiler der Satyre die Mauren des versteinerten. Eynismus durchbrechen, und diese Literatur zu einer ästhetischen Bildungsschule