Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Seite 81 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225234--04138-3313710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
81 sah und nicht glaubte, und demnach ein Mittel gegen dieselben gar nicht nothwendig erachtete, hören wir in dieser zweiten Phase der allgemeiner werdenden Reform den stabilen Rabbinismus über die Spaltung inmitten der Religionsgemeinde seufzen, den Verfall des Kultus beklagen, den Verlust der Glaubensinnigkeit bejammern, und — diejenigen, die, anstatt zu seufzen, handeln, und anstatt zu klagen, helfen, und anstatt zu jammern, thätig bessern, den Glauben seinen Bekennern in seiner ewigen Wahrheit und seiner lebendigen Bedeutung geben, und dem Glauben Gläubige erhalten, zurückführen wollten — der Neologke, lockerer Gesinnung, des Unglaubens, des Irrglaubens zeihen, — imUebrigen.«nissig znschauerr!! —" Die Stellung des Hamburger Tempels charakterisier er auf folgende Weise: „Es muß vor Allem und wiederholt gesagt werden: Es ist und war nie des Tempels Absicht, der Synagoge kn ihrer unvergänglichen Wahrheit sich entgegen zu stellen, vielmehr die Idee der Synagoge, so weit als möglich, zu verwirklichen. Nicht den positiven Glauben schwächen wollte er, ihn vielmehr fester und inniger begründen; nicht die Religion der äußeren Lage opfern, sondern sie mit ihr in die natürliche Uebereinstimmung bringen und sie als das Höchste und Schönste im Leben zeigen. Nicht in der wässerigen Verflachung und Verallgemeinerung des Judenthums wollten wir seine Eigenthümlichkeit in Gebet und Lehre suchen und zeigen, sondern in der Unerschütterlichkeit seiner Grundlehren, auch wenn sie, in ihrem theoretischen Theile den Lehren anderer Bekenntniffe entgegenstehen, in seiner wunderbaren Geschichte, in seinem hohen Berufe, in seiner beglückenden Ansicht von der Zukunft — von einer Zukunft, die aber nicht auf Israel allein sich beschränken darf. Dagegen mußte der Tempel, nach Rettung und gewiffenhafter Herstellung der positiven Glaubenslehren des Judenthums, dasjenige offen und wahr darlegen, was ihm mit der Idee seiner Religion in diametralem Widerspruche erschien, was er sonach nicht glauben, nicht lehren, folglich nicht beten lassen durfte." „Wir haben sonach mit.der Gesammtglaubensgemeinde dieselben Quellen für unsere religiösen Lehren, dasselbe Dogma mit ihr, dieselben Hoffnungen und dieselben Bestrebungen. Nur in der Auffassung des Bestehenden gehen unsere Wege und die der Partei des Stillstandes aus einander. Uns ist das Judenthum ein stets frisches, lebendiges, nach seinen von jeher wandelbaren Formen in der Zeit sich zum Bessern ewig entwickelndes, in seinem Wesen, in seinen eigenthümlichen Wahrheit ten über alle Zeit erhaben. Wir sind und wirken darum für den Fortschritt. Jenem, dem StabiliSmus, ist das ganze Judenthum ohne alle Unterscheidung von Wesen und Form, und in der letztem ohne alle Prüfung ihres Werthes, ihres Alters, ihres Ursprunges — ein Konvolut von ewig fest Stehendem — eine Mumie, die, wie die ägyptischen, erst nach Tausenden von Jahren belebt werden soll. Dieser Ansicht freilich stehen wir gegenüber, nicht aber -er Synagoge— nicht den Rabbinern!" Wir können auch nicht umhin, folgendes schöne Gleichniß heranzubringen: „Zwei Brüder ererbten vom Vater ein Haus, das sie gemeinschaftlich bewohnen, gemeinschaftlich pflegen und warten, gemeinschaftlich heilig halten, und worin sie des Vaters Namen und des Vaters Andenken ehren sollten. Es war das einzige Erbe, und lange Zeit bewohnten sie friedlich das Haus, eingedenk der Lehren, der Ermahnungen des Vaters. Allein das Erbe war ein Haus — und dieses Haus, wie theuer auch und ehrwürdig seinen Bewohnern, bedurfte, vom Zahne der Zeit benagt, der Ausbesserung. Durch das zerfallene Dach drang der Regen — durch die Ritzen der Thüren und Fenster der Sturm. Da sagte der eine Bruder zum andern: Siehe, unser Haus bedarf eines neuen Daches, daß nicht der Regen durch dasselbe dringe und allmalig auch die noch festen Theile verderbe; siehe, es bedarf besserer und neuer Riegel und Thüren; laß uns vereint dadurch das Andenken des Vaters ehren, daß wir das von ihm Ueberkommene treulich pflegen, es vor Verfall schützen, daß es uns und unser» Kindern ein sicheres Obdach sei und bleibe. Komm, mein Bruder, — vereint wird die Mühe leichter, der Erfolg glücklicher und unsere Freude über denselben seliger sein. Auf, laß uns solche sein, die die Trümmer aufbauen, wiederherstellen! — Darauf ging nun der Aufgeforderte mit Richten ein. Wie, sprach er, ich am Hause des Vaters bessern, festigen, ändern wollen!? Ich an seinem Gebäude bauen — ich besser sein wollen als er?