Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Seite 77 (sequence 9)
- Language
- German
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77 Hamburg, im Januar. (Privatmitth.) Zm Jahre 1841 fanden hier statt: Geburten, total: eheliche 4186, uneheliche 583. jüdische: - 237, - 1. Todesfälle, total: 5293, jüdische 212. Copulationen, total: 1555, jüdische 69. Lüneburg, 18. Januar. (Privatmitth.) Der Beginn der Verhandlungen in der hannoverschen Ständeversammlung, die Rechtsverhältnisse der Juden betreffend, ist in Ihrem geschätzten Blatte von Hannover aus schon mitgetheilt worden. Der Entwurf, wie er den Ständen vorliegt, ist aber keinesweges geeignet unsere Lage wesentlich zu verbessern, es sind daher von vielen israelitischen Gemeinden Petitionen um Erweiterungen des Entwurfs an die Stände ergangen. — Die Landrabbinen Bodenheimer in Hildesheim und Adler in Hannover, haben um Abänderung des hannoverschen Judeneides auch Bittschreiben eingereicht. — Die hiesige Gemeinde ist keineswegcs zurückgeblieben, und hat sich ebenfalls bittend an die Stände gewandt, daß der Gesetzentwurf dahin erweitert werden möge, die Gleichstellung der jüdischen Unterthanen im Prinzip auszusprechen, den Erwerb von Grundeigenthum.an keine Konceffionen zu binden, mindestens nicht bis 4 Morgen Landes, das Unthunliche, daß nur ein Sohn Detailhandel treiben darf, zu beseitigen u. dergl.— Von diesen Grundsätzen sind wahrscheinlich alle an die Stände gerichtete Petitionen geleitet. Sehr überrascht hat mich daher die Petition der Gemeinde zu Dannenberg, einer kleinen Stadt hiesiger Provinz, die der Herr Abraham Breßlau daselbst abgefaßt hat. Obgleich dieselbe gewiß denen aller übrigen Gemeinden entgegen tritt, so ist es die Absicht des Herrn B. dennoch nicht gewesen, wie ein an den Einsender dieses gerichteter Brief auch erläutert, eine negative Wirkung in den Kammern hervorzurufen, sondern nur ein offenes, fast zu energisches Wort auf die ungezwungenste Weise, über die Denkungsart der hannoverschen Staatsmänner in Judenangelegenheiten, an den Tag zu legen. Herr B., der begeistert für das Geschick seiner Glaubensgenossen ist, hat seine Ansichten mit ungeschminkter aber dennoch schöner und kräftiger Rede auf amtlichem Wege ausgesprochen. Dieselbe verdient um so mehr der Oeffentlichkeit übergeben za werden, da es gewiß das freieste Aktenstück ist, welches seit langer Zeit wegen Emanzipation abgefaßt, und lasse ich dasselbe daher zu diesem Zwecke nebenbei erfolgen. 6. H. „Hohe Ständeversammlung! Seit vielen Jahren harren die jüdischen Einwohner dieses Königreichs mit unendlicher Sehnsucht des Tages, wo ihre Fesseln wenigstens theilweise gelöset und die Morgenröthe bürgerlicher Freiheit auch ihnen leuchten werde. Mit tiefster Wehmuth sahen sie, daß während fast alle Gesetzgebungen Deutschlands das Schicksal ihrer Brüder erleichtert hatten, die Juden dieses Königreichs allein noch unter .hartem Drucke seufzen mußten. Sie trugen ihr Leid und hofften auf bessere Tage: aus Tage, in denen man endlich einsehen werde, daß überall da, wo man die Juden bürgerlicher Rechte theilhaftig werden ließ, die Regierung solches nicht zu bereuen hatte, vielmehr mit dem Bewußtsein größerer Freiheit, auch größere Liebe zu König und Vaterland und größere Neigung zu bürgerlichen Gewerben, in das Herz der so lange Unterdrückten einkehrte. Ein solcher Tag der Hoffnung und der Freude erschien vor sechs Jahren, als den damaligen Ständen des Königreichs ein Gesetzentwurf vorgelegt wurde, der zwar von völliger Emanzipation noch weit entfernt, doch aber als ein merklicher Vorschritt zum Bessern von uns begrüßt wurde. Ach! dieser Tag der Freude war von Gott nur gesandt uns zu prüfen in unserer Ausdauer und unserer Ergebung in seine Rathschlüsse! Wie wurden die Erwartungen aller jüdischen Einwohner dieses Königreichs getäuscht, als sie aus den damaligen ständischen Verhandlungen ein Gesetz hervorgehen sahen, daß dem wohlwollenden Regierungs-Entwürfe kaum noch ähnlich sah, und wie groß war unser Schmerz, als wir gewahrten, daß durch eine unglückselige Verkettung von Umständen, am Ende auch diese verstümmelte Arbeit keine Gesetzeskraft erhielt! Statt dessen, liegt Ihnen, hohe Ständev"ersammlung, jetzt ein Entwurf vor, in dem wir eine Verbesserung unserer Lage durchaus nicht erblicken können, ja, der dieselbe in vielen Fällen noch verschlechtert. Wir haben den Entwurf gelesen und wieder gelesen, und fragen uns, wozu noch eine gesetzliche Abgrenzung zwischen Schacher- und andern 6*