Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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70 fehlt kein Buchstabe. Am Morgen sind die Psalmen auf die 4 Sabbate des Monats vertheilt, am Sabbat wird Mch die w» gesagt, sonst ist Wes geblieben, nur daß auch in hart an sston ■sw sofort ra« bsb, und an nbv die Ber. ‘iif gerückt ist, auch fehlt in der die Passage mni r<bi bis nina aa ‘res. Die Gebete um den Vortrag der heil. Schrift sind ganz so geblieben (selbst das portug. iss tapyia ■jns nach ■'Iiün). Die Mussafschem. Esr. bietet das Eigenthümliche, daß, während die besonderen Stücke dieser Sch. E. völlig beibehalten sind, die Vor- und Nachberachot, jede in einen Sah zusammengezogen sind. Das Minchagebet ist vollständig geblieben. Was auffällt, und gewiß bei dem sonstigen System dieses Gebetbuches als ein bloßer Knallefekt angesehen werden kann, ist das Wegfallen der Beracha vor Halle! und der ersten Ber. am Chanukka,, wogegen bei iman •n'rsö Alles hübsch vollständig mitgetheilt wird. Dies ist die ganze Sachlage, und jeder Kenner unsrer Liturgie und ihrer Geschichte wird die Erklärung des hiesigen B. D. als eine Unduldsamkeit sonder Gleichen ansehen, die nur in einem Zeitalter möglich ist, wo die Unwissenheit bei der jüdischen Masse in theologischer Beziehung so groß ist, wie in dem unsrigen. Frattkreich. Bordeaux, im Dezember. (Schluß des Berichtes und Beschlusses dasigen israelitischen Konsistoriums.) „Wenn aber der äußere Kultus bis jetzt Gegenstand unsrer Sorgfalt und Bemühungen gewesen, so dürfen wir nicht vergessen, daß noch ein Andres unsre Berücksichtigung fordert, das wir nicht außer Augen verlieren dürfen, ohne die schwerste Verantwortlichkeit vor unseren Glaubensgenossen zu übernehmen, die uns die religiöse Verwaltung dieses Bezirks anvertraut haben, und vor dem Ewigen, dem wir für die Erfüllung unsrer Mission Rechenschaft schuldig sind: es ist dies — die religiöse Erziehung der israelitischen Jugend." „Ehemals geschah die religiöse Unterweisung unsrer Kinder zumeist am häuslichen Heerde; Knaben und Mädchen wurden in den Pflichten, welche das göttliche Gesetz dem Israeliten vorschreibt, durch ihre Gegenwart bei den religiösen Praktiken, die alle Zeiten und alle Begebenheiten des Lebens umfassen, und für die fie das Wendige BUpiel im SchöoI der Familie sahen, unterwiesen. Im Alter von 13 Jahren, ertheilte ein Gebet in der Synagoge den Knaben die religiöse Majorennität; diese Ceremonie hatte bloß den Zweck, ihnen in's Bewußtsein zu rufen, daß der Augenblick gekommen, wo auch sie die religiösen Gebräuche auszuüben hätten, deren Beispiel sie bis jetzt an den Eltern vor Augen hatten. Für die Mädchen, da diese dem öffentlichen Gottesdienst nicht beiwohnen durften, genügte das Alter allein schon, ihnen anzuzeigen, daß auch für sie die Stunde der religiösen Verpflichtung geschlagen." „Es ist nicht nothwendig, auszusprechen, daß dieses System der religiösen Erziehung für die Zeit, in welcher wir leben, völlig mangelhaft geworden, ja in einer mehr oder weniger nahen Zeit die Zukunft unsrer Religion gefährden kann. Wer weiß es nicht, daß das Leben des Israeliten nicht mehr wie ehemals auf das Innere der Familie beschränkt ist; unsre gesellschaftliche Stellung, unsre Bürgerpflichten rufen den Familienvater zu Sorgen und Arbeiten auf, die ihm nicht genug Muße lassen, seine Kinder in unsren religiösen Gebräuchen zu unterweisen, und sie allen Andachtsübungen des öffentlichen Gottesdienstes beiwohnen zu lassen; unsre Kinder selbst können nicht immerfort in der Mitte der israelitischen Familie bleiben, um, durch ihr Beispiel allein, die Kenntniß unsres Glaubens und unsrer religiösen Pflichten zu erlangen; die Bedürfnisse ihrer Erziehung, die Pflichten und Beschäftigungen, die sie beim Eintritt in das bürgerliche Leben erwarten, machen es sehr oft nothwendig, daß sie in nicht-israelitische Anstalten gebracht werden." „Fragen wir nun, was wird, diesem nach , der Akt der religiösen Majorennität so wie er bis jetzt vor sich ging? Wäre er etwas Andres als ein todter Buchstabe, wenn wir fortsühren, ihn nur in der Ablesung einer Stelle der heil. Schrift, die gewöhnlich nicht einmal verstanden wird, ohne andre Vorbereitung, ohne andern Unterricht in unsren Dogmen und Vorschriften, als der, welcher aus einem unvollständigen Studium des krecis ä'instruct. relig. hervorgeht, ohne einen Akt, der auf die jungen Herzen einen Einfluß üben, und für das Leben zu religiösen Gefühlen, zu einer treuen Anhänglichkeit an den