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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-01-29 · Heft 5 (29.1.1842) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 5 (29.1.1842)
Date
1842-01-29
Page
Seite 67 (sequence 15)
Language
German
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67 Errichtung einer größer» Penfionsanstalt für israel. Knaben und Jünglinge« r'n N12V21 'ft VS Seit einer Reihe von Jahren habe ich mich dem Lehr- und Erziehungsfache mit Liebe und Erfolg gewidmet und mein höchstes LebenSglück in der Erfüllung meines Berufes gefunden. Der Herr hat mich auch Gunst finden lassen in den Augen der Menschen und mir eine Stellung verliehen, wie selten einem meiner Brüder in Israel. Dadurch bewogen, übergaben mir seit einiger Zeit selbst fernwohnende Eltern ihre Kinder zur Erziehung. Die Anträge haben sich nun gemehrt, nachdem das Vertrauen, das man in mich gesetzt, gerechtfertigt wurde. Ich habe mich daher bestimmen lassen, unter Mitwirkung einiger biederer, wissenschaftlich gebildeter Männer, sämmtlich Lehrer an den hiesigen höheren Schulanstalten und vornehmlich unter Beihülfe eines religiösen, tüchtigen Talmudisten eine größere Erziehungsanstalt für israel. Knaben und Jünglinge zu gründen, und glaube sogar, damit einem fühlbaren Bedürfnisse abzuhelfen, da meines Wissens in Deutschland noch wenig derartige, umfangreiche, so viel Annehmbares darbietende Anstalten bestehen. Eltern, die mich mit ihrem Vertrauen beehren, werden es nicht bereuen, mir ihr TheuersteS übergeben zu haben; ich bin selbst Familienvater und weiß, was und wie Eltern fühlen und wünschen. Mein nächster und höchster Zweck ist, meine Zöglinge in der Furcht deS Herrn zu erziehen, daß sie ihren heiligen Glauben unmittelbar aus jenen ewig frischen Quellen geschöpft, wahrhaft erfassen und innig lieben lernen, daß das Feuer unserer göttlichen Religion ihre Herzen erwärme und ihr ganzes Sein durchdringe; denn in unserer glaubensarmen, gleichgültigen Zeit müssen alle Bessergesinnten ihr Augenmerk, ihre Hoffnung auf die Heranwachsende Jugend gerichtet haben; nur wenn sie begeistert und erwärmt wird für daö himmlische Erve ihrer Väter, kann Israel in Wahrheit wiedergeboren werden. Dann will ich sie aber auch für daS Leben und seine Anforderungen, die sich mit jedem Tage mehren, tüchtig befähigen: Y'lS ST-nn TttAri NL'' üSTjIÖ — Die beiden hiesigen Hähern Schulanstalten, ein vollständiges, sehr gehobenes Gym nasium, eine wohlorganisirte Realschule und eine ordentliche israel. Religionsschule, die noch eine höhere Klasse erhalten wird, kommen meinem Unternehmen trefflich zu statten; denn eine der ersten und gewiß zweckmäßigsten Bedingung wird sein, daß meine Zöglinge zugleich eine der geeigneten höheren Lehranstalten besuchen; nur so kann eine gründlich wissenschaftliche und zugleich auch eine wahrhaft religiöse Bildung erzielt werden. Am Sabbat und an den Festtagen sind die jüdischen Schüler von allen öffentlichen Lehrstunden entbunden. — Im Hause sollen meine Eleven nicht nur auf die Gegenstände der Schule gewissenhaft vorbereitet, sondern auch übcrdieß in den verschiedenen Zweigen des Wissens, ihrem dereinstigen Berufe angemessen, noch ganz besonders unterrichtet werden, namentlich in den alten und neuen Sprachen, in der Mathematik, für künftige Geschäftsleute vorzüglich in den kaufmännischen Wissenschaften, für solche, die sich dem theologischen oder dem Lehrfache widmen wollen oder sich sonst aus frommer Neigung dazu hingezogen fühlen, noch außerdem in der hebräischen und den verwandten Sprachen, im Talmud und den übrigen rabbinischen Schriften mit ganz befonderm Fleiße, so daß junge Leute hier in jeder Art eine gediegene Bildung erlangen und von hier aus entweder gleich ins Berufsleben eintreten oder zur Universität abgehen können. Auch für die körperliche Erziehung wird durch eine Tvrnanstalt, tägliche Spaziergänge, botanische Excursion^n, kleine Reisen, stete Beaufsichtigung und durch meinen Hausarzt bestmöglichst Sorge getragen werden. — Nicht nur, daß hier ein edles Fürstenpaar über alles Gute wacht und vorzüglich Schulen und Erziehungsanstalten begünstigt, eö herrscht hier überhaupt ein überaus gebildeter Ton und ein wirklich humanes Benehmen gegen Israeliten, was schon meine Stellung genügend besagt; auch die wenigen Schranken des Gesetzes werden mit der Hülfe des Herrn recht balv hinweggeräumt werden.— Unser Gottesdienst ist trefflich geordnet, schon seit 15 Jahren wird in unsrer Synagoge daS lebendige Wort Gottes verständlich gelehrt. — Das Klima ist sehr gesund, die Stadt in einem reizenden Thale gelegen, Stadt- und Landleben eng verbunden, welchen Umstand ich besonders hervorhebe. Auch für Kunst wird viel gethan und besonders in der Musik ist Gelegenheit gegeben, sich zu einem förmlichen Künstler heranzubilden; die hiesige Kapelle gehört anerkannt zu den bessern Deutschlands. Ich selbst erfreue mich der allgemeinen Achtung und stehe mit den sämmtlichen Lehrern in den freundschaftlichsten Verhältnissen, was meinen Schülern von großem Nutzen fein wird und mir die Ueberwachung derselben ungemein erleichtert. Die hohe Behörde protegirt mein Unternehmen, die nachgesuchte Erlaubniß ertheilte sie mir nebst einem Zeugnisse mit den Worten:.und erwarten von Ihnen, daß Sie eben so gewissenhaft als Erzieher zum Besten der Jugend wirken werden, wie wir Sie als einen pflichtgetreuen Lehrer kennen zu lernen Gelegenheit gehabt haben. — — Mit dem 1. Mai soll meine Anstalt rf^tn’ö Leben treten, und ich ersuche daher die darauf reflektirenden Eltern sich gefälligst recht bald in portofreien Briefen an mich zu wenden, weil ich naiürlich nach Anzahl der Jünglinge meine Einrichtungen treffen muß. Um nun vielfache Unterhandlungen zu ersparen, setze ich den jährlichen Preis für einen Zögling auf 150 Thlr. Gold fest und verpflichte mich dafür, daS Schulgeld der betr. öffentlichen Anstalten zu zahlen, den häuslichen Unterricht zu ertheilen und ertheilen zu lassen, so weit dieß nicht die Erlernung einer Kunst betrifft, wozu sich-aber auch sehr billige Gelegenheit darbietet, kräftige Kost, gesundes Logis, reine Wäsche u. s. w. zu geben, kurz für leibliches und geistiges Gedeihen eifrigst besorgt zu sein. Kleider, Bücher, Betten u. dergl. müssen ^te verehrten Eltern selbst verabreichen, die Herbeischaffung derselben läßt sich jedoch hier leichtlich vermitteln. Zu jeder ausführlichen Mittheilung erkläre ich mich übrigens für jetzt und für die Folge gern bereit und werde überhaupt, im Verein mit meinen geehrten, von gleichem Geiste beseelten Mitarbeitern Nichts verabsäumen, das mir geschenkte Zutrauen zu würdigen und jeden gerechten Wunsch der Eltern mit Freuden erfüllen. Ich werde meinen Zöglingen ein liebender Vater sein. Ernst soll mit Milde geziemend wechseln. Erziehung für Religion und Wissenschaft ist das hohe Heil, daö mir, abgesehen von jedem materiellen Interesse, vor Augen schwebt. Mit Gott und für Gott will ich es zu erstreben suchen, dafür wirken und leben! An Euch, geliebte Eltern, fern und nah, ergebt nun mein Ruf, meine herzliche Bitte, kommt mir mit Eurem Vertrauen entgegen, unterstützet mein mit Begeisterung und Gewissenhaftigkeit begonnenes Werk; denn ohne den Beistand des Herrn und Euer vertrauungsvolleS Entgegenkommen kann es nicht gedeihen, und seid versickert, daß Ihr die Pfänder Eurer Liebe rein und unverdorben, gekräftigt am Leibe, veredelt im Herzen, und erleuchtet im Geiste, gebildet für die Erde und für den Himmel auS meinen Händen zurückerhalten werdet! Gondershausen, im Januar 1842. Philipp Heidenheim Prediger u. Religionslehrer der hief. israel. Gemeinde u. ordentlicher Lehrer an der fürstl. Realschule, Ordinarius der zweiten Klasse.

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