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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-01-29 · Heft 5 (29.1.1842) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 5 (29.1.1842)
Date
1842-01-29
Page
Seite 65 (sequence 13)
Language
German
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65 dem aufgeklärten Gemeindevorstand entworfen und von unserm hohen Senate genehmigt worden, ist nun seit dem 1. d. M. in Wirksamkeit getreten. Die altherkömmlichen israelitischen Begrabnißgesellschaften halten sich dieser ordnungstiftenden Neuerung lebhaft entgegengesetzt; aber ihre Opposition ist an der Energie des einsichtsvollen Gemeindevorstandes gescheitert. Seiner Thätigkeit verdankt die hiesige Gemeinde bereits sehr bedeutende Fortschritte. Die Lehranstalten sind trefflich, die milden Stiftungen in blühendem Zustand, und für Stadt und Umgegend sind Handwerksvereine in erfreulicher Wirksamkeit. Ueberhaupt bildet jetzt die rabbinistische Partei unter den 4000 israelitischen Bürgern nur noch eine kleine Minorität, und es verdient bemerkt zu werden, daß jetzt Israeliten bereits Mitglieder sind des Museums, der naturforschenden Gesellschaft, des polytechnischen Vereins und der Musikvcreine; ebenso sind mehrere derselben betheiligt bei der Mozartstiftung, dem Börsenbau, und andern gemeinnützigen Unternehmungen. Selbst das so spröde Kasino hat Herrn v. Rothschild unter seine Mitglieder ausgenommen. So arbeitet die fortschreitende Bildung unablässig an Ausgleichung der zwischen unserer christlichen und der israelitischen Bevölkerung noch stattsindende Differenzen." G e sch i ch t e. Geschichte der Juden in Belgien. lFortschung.) Zn der Stadt Brüssel, im Herzogthum Brabant, wo der Herzog residirte, gab es eine große Menge Juden, an deren Spitze sich ein sehr reicher befand. Der letztere, der wahrscheinlich der Schatzrath Johann's war, sah den Herzog sehr oft, der ihn liebte und sein ganzes Vertrauen in ihn gesetzt hatte. Als dieser die Flagellanten (Geißler), welche rothe Kreuze trugen und das Volk gegen die Juden aufreizten, ankommen sah, ging er zum Herzog und bat ihn um seinen Schutz, indem er sagte: „Herr! das Erscheinen dieser Menschen ist ein Zeichen, daß ich und alle meines Glaubens von einem gewissen Tode bedroht sind!" Fürchtet Nichts, antwortete ihm der Herzog, denn ich kenne Niemanden, der lebt und seine Hand an Euch zu legen wagen würde. „O, guter Herzog! erwiederte ihm der Israelit, ich fürchte, daß Sie es nicht verhindern können, denn die Wuth des Volkes ist schrecklich!" Der Herzog entschloß sich, sei es aus Liebe für seinen Schatzmeister, sei es wegen des Nutzens, den er von den Juden zog, sie zu beschützen und zu vertheidigen. Die Brüsseler aber, von den Geißlern befeuert, gingen, als sie den Entschluß des Herzogs vernommen, zu seinem ältesten Sohne, und forderten von ihm, daß alle Israeliten getüdtet würden. Der Prinz, noch zu jung, um das Gewicht dieser Bitte zu beurtheilen, nahm es über sich, Verzeihung für die Mörder von seinem Vater zu erhalten. Sofort warf man sich mit Wuthgeschrei auf die Unglücklichen, man riß sie aus ihren Häusern, schleppte sie in den Straßen umher, und tödtete sie ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts. 500 starhen so von der bewaffneten Hand des Fanatismus. Auch der Schatzmeister des Herzogs blieb nicht verschont. Man ergriff ihn lebendig, legte ihn auf die Folter, und zwang ihm so das Geständniß ab, daß er die Brunnen vergiften helfen im Vertrauen auf seinen Stern, daß die Israeliten über die Christen triumphiren würden; daß er sich habe taufen lassen, um geweihte Hostien zu bekommen, daß er diese an die Synagoge in Köln gesandt, wo die Juden sie durchstochen hätten, - so daß Blut herausgekommen. Man verbrannte ihn lebendig, und auch in anderen Städten errichtete man Scheiterhaufen, wo Juden den Flammen übergeben wurden. Diese Gewaltthaten gegen die Juden erstreckten sich in Belgien immer weiter, wo dieselben Ursachen dieselben Wirkungen hervorbrachten. Jonathan, ein Banquier'zu Enghien, eben so ausgezeichnet durch sein Vermögen, wie durch seine Tugenden, wurde in seinem eignen Garten beraubt und ermordet. Seine Frau und sein Sohn flüchteten sich nach Brüssel, aber die Mörder, die deren Aussage fürchteten, verbreiteten das Gerücht, daß die Juden geweihte Hostien aus den Kirchen entwendet, um sie mit Messern und Dolchen zu durchbohren. Dies rief einen Ruf des Abscheus wider die Juden hervor, man warf sich auf sie, schleppte sie auf einen Scheiterhaufel» vor dem Thore von Namur, und

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