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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-01-29 · Heft 5 (29.1.1842) · p. Seite 61

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 5 (29.1.1842)
Date
1842-01-29
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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61 war, und, was den Gottesdienst betrifft, zu jeder Zeit eine gewisse Freiheit und Beweglichkeit in der Form gestattet war. Ueberhaupt ist der Grundsatz der Schriftgelehrten: „Wo die Alten die weitere Formel ha- „ben, dürfen wir nicht die kürzere, wo sie die „kürzere haben, nicht die weitere gebrauchen"— nur auf die eigentliche Beracha oder den Lob- und Segensprnch, mit dem die Gebete anfangen und schließen, anzuwenden, und bezieht sich in der Regel nur auf den Gebrauch des Schem und Malchut; nämlich ob der weitläufigere umfassendere Segenspruch: „Gelobt seist du, Gott, König und Herr der Welt, der." oder der kürzere: „Gelobt seist du, Gott, der -." oder der noch kürzere: „Gelobt, der." zu gebrauchen sei. In den Schlußformeln hat sich die Redaktion des Gebetbuches meines Wissens nur einmal eine Aenderung erlaubt, in der Art aber, daß sie die ältere in der talmudischen Zeit übliche Formel (8eIieMeob» lcbaddecha) statt der neueren sllammacbasir) wieder ausgenommen hat, und mithin gerade die Autorität für sich hat. Die einzige tiefer eingreifende Abänderung der überlieferten Formeln, die sich die Redaktion des neuen Gebetbuches erlaubt hat, die übrigens aus der frühem Ausgabe vom Jahre 1819 in die neuere übergegangen ist, — ist die in der Mussaf-Tefilla für die Sabbat- und Festtage, wo für die Bitte um „Wiederherstellung des Opferdienstes" eine andere um „Erhörung des Gebetes statt der Opfer" an und ausgenommen ward. Obgleich wir nicht in Abrede stellen können oder wollen, daß diese Aenderung dem älteren Juden allerdings anstößig erscheinen muß; so sehr wir auch geneigt wären, da, wo es sich darum handelt, für die Gesammtheit einer Gemeinde ein Gebetbuch zu entwerfen, in der nur ein Gotteshaus und eine gottesdienstliche Ordnung besteht, Aenderungen der Art zu widerrathen, und überhaupt etwas mehr Rücksicht auf den historischen Bestand und die volksthümliche Anhänglichkeit und Pietät den Reformatoren zu empfehlen: so muß doch der Unterzeichnete bekennen, daß, was den Geist der Lehre betrifft, die Redaktion dann doch nur einen Grundsatz zur Ausführung gebracht, und ihm Wort und Ausdruck gegeben hat, dem alle heutigen erleuchteten Theologen bei aller Anhänglichkeit an den ererbten Glauben und die überkommene Form im Grunde ihres Herzens beipflichtcn. Unterzeichneter gehört zu denen, die im Punkte der meffianischen Lehre von dem Gottesreiche und der Erlösung sich nicht zur rationalistischen Ansicht bekennen; gehört zu denen, die, sei es aus welchen Gründen, aufs entschiedenste sich geneigt fühlen, die historische, nationale Seite dieses Dogmas zu bekennen und zu vertreten, und eine Erlösung in diesem Sinne zu hoffen und zu gewärtigen; bekennt sich aber eben so aufrichtig und offen zu der Ansicht: daß eine Wiederherstellung des Opferdienftcs und namentlich der blutigen Opfer keinesweges zu diesen Hoffnungen und Verheißungen gehören. Die vielen Aussprüche unserer Propheten, die selbst die Abstellung des Opferdienstes verbürgen; die mannigfachen Aussprüche der ältesten Schristgelehrten, die an vielen Stellen die Abstellung des Ceremoniendienstes überhaupt als zur Erfüllung des meffianischen Gottesreiches gehörig in Aussicht stellen; die Ansichten der Propheten überhaupt vom Opserdienste, wie sie die späteren Rabbinen und namentlich Maimonides bekennen, der den Opferdienst nur als für das kindliche Alter des israelitischen Volkes geeignet im dritten Buche des More bezeichnet — mögen vor der Hand als Gewähr und Bürgschaft genügen. Aus allem dem glaubt nun der Unterzeichnete die Folgerung ziehen zu können, daß das Verbot des Herrn Bernays gegen dieses Gebetbuch in der Ausdehnung, in der Form und Fassung allerdings ungegründet ist, indem er selber recht gut weiß, daß die Anbetung Gottes, das Beten Pflicht eines jeden Israeliten sei, diese Pflicht aber keinesweges an alle die überkommenen Gebetssormeln und an die einzelnen Worte und Ausdrücke gebunden sei. — Herr Bernays fühlt selber, daß der Boden unter ihm schwankt, indem er, — ich weiß nicht, soll ich sagen ehrlich oder unehrlich ge- 5*

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