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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-01-22 · Heft 4 (22.1.1842) · p. Seite 45

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 4 (22.1.1842)
Date
1842-01-22
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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45 spektor der Judenschulen sind beauftragt, diesen Schulen ihre besondere Aufmerksamkeit zu widmen und über den Zustand derselben, die anfälligen Hindernisse und.Störungen, welche ihrer Verbesserung in den Weg treten, und deren Ursachen dem Kantonsschulrathe besondere Berichte einzusenden. Aus verschiedenen Gründen — hauptsächlich wegen zu kärglicher Besoldung — haben seit der Or. ganisation (1833) die funktionirenden Lehrer in Endingen, zu denen auch Verfasser dieses Aufsatzes gehört, ihre Stellen niedergelegt und zwei Unterl. zu Lengnau sind mit Tod abgegangen, — so daß mit Ausnahme der Oberlehrerstelle zu Lengnau, .die aber auch erst seit 1833 neu besetzt worden, — alle Lehrerstellen neu besetzt werden mußten. Es wurde auch in jeder Gemeinde eine weibliche Arbeitsschule errichtet, in welchem im Stricken, Nähen und Zeichnen schöne Fortschritte gemacht werden. Die Schullokale zu Endingen wurden dermaßen ausgebessert, daß sie nun zweckmäßig genannt werden können, obschon sie noch manches zu wünschen übrig lassen. Zn Lengnau, wo die gegenwärtigen Schullokale den Anforderungen des verbesserten Schulwesens durchaus nicht mehr genügten, scheute die Gemeinde die Kosten von 6008 Gulden nicht, um ein neues, prachtvolles Schulgebäude herzustellen. Diese Anstalten haben auch das Glück von wissenschaftlich gebildeten, thätigen Lehrern geleitet zu werden, die theils im aargauischen Seminarium, theils an anderwärtigen Anstalten ihre Bildung erworben. Herr Oberl. Bernheim zu Lengnau hat früher als Bachur bei guter Anleitung durch Selbstbildung sich ordentliche Kenntnisse erworben, und später sich dem Lehrerberufe gewidmet, zu welchem Berufe er sowol im Seminar zu Karlsruhe, als auch später durch Umgang mit Lehrern an der israelitischen Realschule zu Frankfurt am Main, an welcher Anstalt er auch Unterricht ertheilte, Tüchtigkeit erlangt. Herr Oberl. Dreifuß in Endingen hat auch den Kreislauf des Bachurs durchgemacht, an der Universität zu Basel aber eine philosophische Bildung sich angeeignet. Ein eigenes erfreulich heiteres Gemälde bildet das Verhältniß der Lehrer zu einander dar. Alle sind aus dem Orte ihres Wirkungskreises geboren, und also mit den Gemeindverhältnissen wol vertraut. Die Oberlehrer sind seit den frühern Zugendjahren intim befreundet. Die übrigen Lehrer sind als Zöglinge der Schule zu Endingen eben so befreundet, so daß die Ueber- Unter- und Nebenordnung schon von Natur gegeben. Fern von allem Beherrschen und Erheben des Einen über den Andern, jeder in seinem Kreise willig arbeitend, bilden die Lehrer eine geschlossene Kette von fünf Ringen, die fest ineinander greifen. Der brüderliche und herzinnige Geist, die collegialische Harmonie, welche in diesem Lehrerkreise wohnen, wirken sehr wohlthätig auf die Schulen, und es haben diese Anstalten wirklich seit Zähren in den Religionsfächern sowol, als auch in den Elementar- und Realsächern Erfreuliches geleistet, so daß dieselben zu den bessern Schulen des Kantons gerechnet werden. Eints nur ist's was uns im Hinblicke auf diese Schulen tief schmerzet, und was denselben nicht wenig störend entgegen wirkt. Jeder Freund des Bessern muß es mit uns bedauern, wie im Schooße der Gemeinde diesen Anstalten so geringe Theilnahme und Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es fehlt unserer Gemeinde freilich nicht an beschaulich frommen Männern, die fromme Anstalten zu unterstützen geneigt wären. Aber leider sehen sie die Schulen für nicht heilige Institute an, und weil die Schule sich nicht allein mit der Cermonial- und Formenlehre der Religion befaßt, glauben sie, es werde zu wenig Sorge für die Religion getragen, und man sei für das jüdische Element zu gleichgültig. Sie glauben nicht, daß die Schule genug thut, wenn sie Verstand und Gemüth des Kindes bildet, wenn sie es mit der Religion seiner Väter bekannt macht und die Liebe zu derselben im kindlichen Herzen belebt und erwärmt. Das Kind sollte nach ihrer Meinung mit den ö'W im bekannt werden, und weil die Schule das nicht thut, so ist sie auch keine jüdische. Darum wird auch die Religiosität der Lehrer verdächtigt. Darum werden ihre Leistungen mißkannt und gering geschätzt. Ich frage aber, wie viel Leute haben in den alten Schulen den Schulchan Aruch studirt? Wie viel von Religion — im weitesten oder engsten Sinne des Wortes — haben sie dort gelernt? Und doch hat man die alten Lehrer nicht irreligiös genannt! O wie verkehrt handeln doch diejenigen Eltern, welche nicht Hand bieten dem Lehrer, dessen Herz warm für die Jugend schlägt, dessen Streben dahin geht, die Kinder zu frommen Zsraeliten und zu braven Menschen heran-

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