Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Seite 36 (sequence 8)
- Language
- German
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36 Präsidiums, womit auf die vorläufige Anzeige von dem Entstehen des Vereins geantwortet ward, mit Zuversicht einer baldigen Genehmigung des segenverheißendcn Instituts entgegenzusehen und, ungeachtet des unausführbaren Ansinnens des erzbischöflichen Konsistoriums, sammtliche Waisen auf dem Land unterzubringen (wodurch, andere Uebelstände abgerechnet, der für Prag gestiftete Verein seiner Bestimmung entrückt und in seiner Wirksamkeit gelähmt würde), nicht zu zweifeln, daß den hier- und dorther anrückendcn partikularen und oft hausbackenen Rathschlägen kein Gehör gegeben und also die ursprüngliche Idee in ihrer ganzen Schönheit und unverstümmelt realisirt werden wird. Wir behalten uns vor, die Statuten nächstens ausführlich mitzutheilen, und beschränken uns vorläufig auf obige Andeutungen, sowie auf die Angabe seiner eigenthümlichen Natur, die darin besteht, daß die Kinder nicht in ein Waisenhaus eingepfercht, sondern zu rechtschaffenen Bürgersleuten in die Pflege und Erziehung gegeben, daß sie in öffentlichen Schulen ihren Unterricht erhalten und weder über einen Schnitt gekleidet, noch auch in einer bestimmten Glaubensform erzogen werden sollen, vielmehr soll streng darauf gehalten werden, daß Kinder katholischer Aeltern nur bei Katholiken, protestantische und jüdische Waisen aber nur bei Protestanten und Juden untergebracht werden. Tages-Controle. Norwegen. (Fortsetzung.) IV. Die Juden in Dänemark. . Uns Norwegern muß der Jrrthum benommen werden, daß wir wirklich frei oder der Freiheit würdig sein können, so lange wir so intolerant sind. Jedoch wäre die Schande geringer, wenn wir es mehr aus Religions-Fanatismus als aus der ungegründeten Spießbürgerfurcht wären, daß die Juden, wenn sie Zutritt in's Land bekämen, in kurzer Zeit sich Alles aneignen würden. Während aber diese bei der Mehrheit vorherrschend ist, giebt es doch Landstriche, wo der erstere mit aller Stärke der Sektirerei sich geltend machen dürfte. Ich will daher diese Uebersicht über das Schalten und Walten der Juden in Dänemark eröffnen mit des bei unsren Strenggläubigen sehr angesehenen, übrigens so politisch-servilen, I. Grundtwigs Meinung über die Juden, namentlich über ihre Wählbarkeit in Dänemark. Unter den Sachen, welche bei der vorigen Zusammenkunft unsres Volksrathes ausführlich behandelt wurden, muß ich, als Historiker, die beiden herausheben: „über die Wählbarkeit der Juden" und über „die Lösung des Kirchspielverbandes;" denn freilich hat ihre Behandlung noch keine entscheidende Wirkung gehabt, beide aber zogen doch die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich und thaten die Ansicht des Rathes über „Kirche und Staat" und ihr gegenseitiges Verhältniß kund. An einer andern Stelle habe ich meine Ueberzeugung entwickelt, daß die Stimmung des Rathes im Ganzen der Lösung des Kirchspieloerbandes besonders günstig war, obgleich die „Gewiff.nsfreiheit" durch ein sonderbares Mißverstandniß und ein noch größeres Unglück zum Schluffe sieben Stimmen mehr gegen als für sich erhielt; und hier will ich bemerken, daß die „Wählbarkeit der Juden" dem Rathe im Ganzen nur wenig gefiel, obgleich sie, trotz der außerordentlichen Anstrengung einer großen Partei, dennoch nur zwei Stimmen mehr für als gegen sich erhielt. Weder dieses noch die Kälte gegen unsre Gewissensfreiheit, welche die Blätter zeigten, auf welche Juden, getaufte oder ungetaufte, den größten Einfluß haben, kann indessen mich berechtigen oder soll mich bewegen von der Ueberzeugung abzuweichen, zu der ich mich vor einigen Jahren bekannte, daß die Juden, wenn man sie nicht auf „Römische" sondern auf „.Griechische" Act behandelt, jedem Lande von unberechenbarem Nutzen werden können, da sie überall, wo sie Bürgerrecht haben, sich des Bürgergeistes bemächtigen, und das Beste des Staates wie ihr eigenes gut zu fördern wissen. Dagegen ist es wol der Mühe werth die Gründe