Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Seite 35 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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35 aus keine Laken in der heiligen Schrift und deren Kommentatoren sind. Der Einsender sagt ferner: „Es ist eine kostspielige Veränderung vorgenommen worden, aber Veränderung ist noch keine Verbesserung." Wahrlich eine Bemerkung, die eben nicht von Weisheit zeugt! Nun ja, nicht jede Veränderung ist eine Verbesserung, aber die, die vor 20 Jahren durch den geistlichen Beamten hier Statt fand, war wirklich eine solche; dafür zeugt laut das öffentliche Urtheil, das sowol bei einer vor längerer Zeit Statt gehabten öffentlichen, als auch bei Gelegenheit der vor 5 Jahren gewesenen Privatprüfung, sehr günstig ausfiel; davon zeugt ferner das vor noch nicht langer Zeit, ausgesprochene öffentliche Lob eines Vorstehers des Handwerksvereins, daß die eine Profession erlernenden Schüler der Talmud - Tora sich besonders die Zufriedenheit ihrer Lehrherren ert werben. Beweis genug also für das Wirken des Institutes, daß auch denen seiner Schüler, die sich nicht durch besondere Kenntnisse auszcichnen, doch wenigstens sittliche Bildung zu Theil geworden ist; es müßte auch dies dann vom Herrn Einsender in Abrede gestellt werden. Dem unparteiischen Freunde der Wahrheit glaube ich zur Genüge von der Falschheit des vorliegenden Berichtes überzeugt zu haben. Uebrigens kennt man den Grund aller Schmähreden gegen den hiesigen geistlichen Beamten sowol, als auch gegen alles, worauf er nur den geringsten Einfluß übt, bereits zur Genüge. Oesterreich. Wien, 19. Dezember. (Privatmitth.) Unser geschätzter bereits rühmlichst anerkannter Dichter l)r. L. A> Frankl hat im Laufe dieses Monats eine öffentliche musikalisch-deklamatorische Akademie im k. k. priv. Josephstädter Theater unter Mitwirkung mehrerer k> k. Hofschauspieler und anderer Künstler veranstaltet und mit dem glücklichsten und in jedem Bezüge glänzenden Erfolge ausgeführt. Es verdient Anerkennung, daß der geschätzte Dichter die eine Hälfte des Ertrages dem unter dem Patronate Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Franz Karl stehenden neuerbauten christlichen Spitale an der Wien, und die andere dem jüdischen Spitale in der Roffau gewidmet, bei welchem Letztem es gewiß seit seinem Bestehen das Erste Mal ist, daß zu dessen Vortheile etwas Derartiges unternommen wurde. Herr vr. Frankl ist auch der erste Jude in Oesterreich, der durch die Allerhöchste Gnade unsres allgcliebten Monarchen und unsrer Negierung die auszeichnende Begünstigung erhalten hat, ein eigenes Blatt unter seiner Redaktion hier in Wien herauszugeben, welches mit kommendem I. Januar unter dem Titel: „Sonntagsblätter" für heimarhliche Interessen zu erscheinen beginnt, und welches bei der energischen Wirksamkeit Frankls und seiner ungetheilten Anerkennung und Beliebtheit sich gewiß eines glänzenden Debüts zu erfreuen haben wird. S. Prag, 21. Dezember. Wir haben vor einiger l Zeit von dem Plane des Herrn Bürgermeisters Müller zur Errichtung einer Waisenverpflegungsanstalt für alle Konfessionen berichtet, in dessen Vorstand daher auch Ra poport eingetreten ist. Näheres giebt uns ein Art. in der Leip. Allg. Zeit., aus welchem wir Folgendes herausheben. Von der Philanthropie unsrer Bevölkerung giebt in jüngster Zeit besonderes Zeugniß die schöne Idee des populärsten Mannes unsrer Stadt, des Appellationsraths und Bürgermeisters Müller, der als reinste Perle des Magistrats Rath, Trost, Hülfe und Gerechtigkeit dem Armen mit derselben väterlichen Freundlichkeit und Güte spendet wie dem Reichen. Er trug dieselbe schon länger in seiner unbescholtenen Brust, und nachdem er sie bei sich zum Ideale durchgebildet, regte er sie durch einen gemüthlichen Aufruf zur Theilnahme auch bei der Bürgerschaft an. Hunderte folgten dem Ruf, und nachdem bei einer einleitenden Versammlung einem Konnte, an dessen Spitze, wie natürlich, Müller gestellt ward, die Ausarbeitung der den Verein und seine humanen Zwecke regelnden Statuten anvertraut ward, trat der. Verein am 5. Dezember zur definitiven Berathung und Annahme der Statuten und zur Wahl des Vorstehers, die einhellig auf den Bürgermeister siel, der 12 Direktoren und der 3 Revidenten zusammen und that damit den ersten Schritt in das wirkliche Leben hinein. Zwar ist die allerhöchste Sanktion der Statuten erst noch einzuholen, ehe sie in Anwendung gebracht werden dürfen, doch ist nach den freundlichen, ja selbst warmen Aeußerungen des Landes-