Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
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33 keinen Grund dafür einsehen, daß man, wenn man auch die Juden fortwährend als Fremde betrachten wolle, ' gegen sie anders handeln sollte, als gegen alle anderen Fremden, denen doch nie der Erwerb von Grund-Eigenthum gewehrt werde; und endlich legte man die Abgeschiedenheit der Juden lediglich den jetzigen, von den Christen ausgehenden Institutionen zur Last, die selbst eine größere Annäherung, wie vielmehr dann eine völlige Vereinigung mit der christlichen Bevölkerung rein unmöglich machten, besonders dadurch, daß sie die Ehe zwischen Juden und Christen nicht gestatteten. Man hielt sich überzeugt, daß ohne Wegschaffung dieses Hindernisses eine völlige Gleichstellung der Juden mit den Christen auch in aller Zukunft nicht zu bewirken sein werde, und hielt die Mittel, welche das Gesetz gebe, um die Lage der Juden und sie selbst zu bessern, um so weniger für genügend, als selbst der Betrieb von Handwerken ein sehr großes Hinderniß in der »Ucberfüllung aller Klaffen der Gewerbtreibenden finde. — Bei dem §. 51, nach dessen Inhalte die Juden zünftige wie unzünftige Gewerbe gleich wie die christlichen Landeseinwohner erlernen und betreiben dürfen, auch in Zünfte ausgenommen werden „können," wurde auf deßfallsige Anfrage und unter Bezugnahme auf den S. 9 des Gesetzes erörtert, wie es sich von selbst verstehe, daß in dieser Beziehung die Juden dieselben Bedingungen zu erfüllen hätten, wie die Christen. Dann aber fand man bedenklich, daß durch den Ausdruck, die Juden „könnten" in Gilden ausgenommen werden, diesen die Befugniß der Weigerung gegeben zu werden scheine. Es wurde aber erläutert, daß solches die Absicht nicht sei, und daß man den Gilden nur einen Zwang in Beziehung auf die Juden nicht habe auferlegen wollen und können, in so weit sie nach den bestehenden Einrichtungen auch den Christen die Aufnahme zu versagen berechtigt seien. Das ganze Gesetz wurde zum ersten Male angenommen. (H. Z.) —. In der Sitzung der ersten Kammer vom 16. Dezember wurde die zweite Berathung über den gedachten Gesetzentwurf fortgesetzt, und der ganze Gesetzentwurf in dieser zweiten Berathung mit 32 gegen 6 Stimmen angenommen. Dresden, 26. Dezember. (Privatmitth.) Unser geehrter Dresdener Korrespondent, Herr vr. B. Beer, sendet uns, da ihn mehrmonatliche Krankheit verhindert, einen ausführlichen Bericht zu liefern, das Gedicht, welches der Mcndelsohns-Verein zu Dresden dem Prof. vr. W. T. Krug zur Feier seines fünfzigjährigen Doktorats gewidmet hat. Der auch um diesen Verein höchst verdiente Krug (er hat demselben aus dem Ertrage seiner Schrift „Henotikon" 250 Thlr. zugewiesen) nahm das Gedicht sehr wohlgefällig auf, that in der neuesten Auslage seiner Selbstbiographie davon Erwähnung, wobei er bemerkt: „Einen solchen Verein giebt es wol nicht weiter in der ganzen Christenheit; destomehr Ehre macht er dem Königreiche Sachsen."") Der gedruckte Rechenschaftsbericht des Mcndelsohn-Vereins für 1838. 1839 und 1840. zeigt eine Einnahme von fast 837 Thlrn. und eine Ausgabe von fast 655 Thlrn., wodurch Bestand von 182 Thlrn. und 800 Gulden Stiftungskapital verblieb. Die Spenden des König!. Sächs. Regenten Hauses für die drei Jahre belaufen sich auf 186 Thlr.! Die Mitgliederzahl belauft sich, einschließlich der hohen Herrschasien, auf 76. Unter den Ausgaben bemerkt man die resp. für einen Gymnasiasten, einen Buchbinder-, Tischler-, chirurgischen Jnstrumentenmacher- und Messerschmidt-, 2 Täschner- und Tapezierer-, einen Konditor-, Gürtler-, Schlosser-, Uhrmacher- Lehrling, mehrere Gesellen, einen Klarinettenspieler ff., so daß also die Wirksamkeit des lobenswerthen Vereins eine segensreiche und blühende genannt wer- *) Wir theilen hier von dem aus zwei Sonetten bestehenden Gedichte das zweite mit. „Du hast gehört des armen Volkes Klagen, Deß heil'ge Menschenrechte man verhöhnte, Und das nach Freiheit, Menschenwürde stöhnte, Ob man den Geist in Fesseln gleich geschlagen. Gott sandte Dich, die Rettung kühn zu wagen, Du warst's, der mit der Menschheit uns versöhnte, Der uns durch Wort und Schrift und That gewöhnte, Das Haupt voll Hoffnung wieder hoch zu tragen. Die Freiheit keimt, die Du im Kampf errungen, Oie Weisheit grünt, die Du gepflanzt in Lehren, Dich nennt der Ruhm in weiten Länderkceisen. Nimm auch von uns des Dankes Huldigungen, Wir werden stets Dein treues Wirken ehren. Und liebend Dich für alle Zeiten preisen"