Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1842)
- Date
- 1842-01-08
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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23 gange nicht zu mildern, durch die künstlerische Darstellung aber so zu erheben vermag, daß die Anspannung des Lesenden nicht zur Abspannung wird. Genaue Kenntniß des Judenthums, auch des damaligen jüdischen Schriftthums, so selten bei den Auroren, die Scenen aus unsrer Geschichte zum Vorwurf ihrer Dichtungen machen, zeichnet diese Novelle aus. So ist die Schilderung einer jüdischen Gesellschaft, in welcher über die Veröffentlichung der Maimonidischen Schriften, und Äderen Tendenz diskutirt wird, trefflich gelungen. Auch die meisten Charaktere find jüdisch, bis auf den im Romane nothwendigen Zusatz romantischer Liebe, der aber sehr gemäßigt gehalten ist. Die politischen Verhältnisse der damaligen Juden werden sorgfältig und unparteiisch durchgesprochen, der Abstand zwischen den spanischen und anderen Juden jener Zeit charakteristisch geschildert. Da nun . der Vers, für zwei der Hauptpersonen eine glückliche Lösung herbeizuführen wußte, so legen wir das Werk mit vollkommner Befriedigung aus den Händen. Auch darin findet es unfern Beifall, daß es sich nicht auf kokettirende Schilderung der jüdischen Ceremonieen einläßt, sondern diese einfach so weit berührt, wie sie im Gange der Erzählung liegen. Kurz, es ist eine Schrift ganz nach unserm Geschmacke, und hoffen wir, daß es die Leser sich angelegen sein lassen, zu untersuchen, ob sie mit uns hierin übereinstimmen. — Desto unangenehmer ist uns der Uebergang auf die zweite Schrift, welche, einen ganz ähnlichen Stoff, die Verfolgung der Juden in Deutschland durch die Kreuzfahrer, als Trauerspiel behandelnd, in allen Stücken verfehlt ist. Charaktere, vom Standpunkt der Wirklichkeit wie der Dichtung, dramatische Verflechtung, Sprache, Alles, Alles, so gut es der Verf. gemeint, so streng er die Unthaten der Kreuzfahrer verurtheilt hat, berührt nur unangenehm, und befriedigt auch nicht die mäßigsten Ansprüche. Ein Satan in einem Weibe, ein Narr, der di? traurigste Rolle spielt, ein Nichts von einem Erzbischof ff. ff. sind die Personen, aus denen das traurige Spiel zusammengesetzt ist. Darum genug.— Die dritte Schrift ist eine intereffante Sammlung französischer Gedichte eines Glaubensgenossen, für deren Uebersendung wir herzlichen Dank sagen. Der Ertrag ist für die spanischen Flüchtlinge ohne Unterschied der politischen Parteiiung bestimmt, und wünschen wir daher auch in Deutschland dem Werkchen Absatz. Die Gedichte sind aus der alten klastischen Schule, fließend, korrekt, elegant, galant, und so sehr einschmeichlisch. Jüdische Zustände betrifft bloß ein Gedicht, nämlich „Damas," als die ersten Nachrichten von dem Damasker Frevel nach Europa kamen. Wir gestatten uns daher, dasselbe hier vollständig herzustellen, da es zugleich Zeugniß von dem schönen versifikatorischen Talent unsres Autors giebt. Doch nur noch eine Bemerkung: welche Zusammenstellung— ein Jude schreibt ein Gedicht über die Damasker Blutscene zu Gunsten spanischer Flüchtlinge — welch' eine welthistorische Vergangenheit bedurfte es zu einem solchen Zusammentreffen! D a m a is« i Fr&res, quand nous pleurons la splendeur eclipsee De notre antique nation, La gloire de Jacob pour toujours eilacee, Et Ia ruine de Sion; Quand a chacun des maux essuyes par nos peres Depuis plus de quatre nulle ans, Correspondent encore de saints anniversaires Que n’oubliront pas nos enfans; Quand de cliaque revers et de chaque infortune Nous consacrons le Souvenir, A cette heure, et bien loin, freres, il en est une Dont il nous faut aussi gemir. Que de nos jours de deuil cette nouvelle date Partage a jamais les honneurs, Et qu’aux pleurs repandus sur les bords de PEupbrate Tout Israel rnele ses pleurs. Seigneur, votre bras formidable Reposera -1 - il aujourd’hui? Laisserez - vous pour le coupable Toniber le faible sans appui? Dans votre eternelle justice D’un aussi sanglant saerifice Permettrezvous Piniquite? Et vos veux de ce triste drame Yerront-ils denouer la trame Aux depens de la ve'rite? Oh! que cette verite sainte Brille bientot d’un pur eclat, Que sa victorieuse etreinte Reste maitresse du combat? Et de ce mensonge cupide Arrachant le masque perfide 0 Seigneur! arrnez votre main;