Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1842)
- Date
- 1842-01-08
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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22 Sohar als chaldäische Sprachübung für Solche, die des Hebräischen kundig 'sind." Die Hälfte der Hörer sind Juden, doch weiß dieser noch sehr junge Gelehrte diese Vorträge auch seinen christlichen Zuhörern, für welche sie allerdings viel Schwierigkeiten haben, durch klare und faßliche Darstellung genießbar zu machen. —. „Der Synagogenbrand in München" ist der Titel einer Erzählung, welche kürzlich eine Leipziger Buchhandlung brachte. Der Verfasser derselben, Herr Gustav Nieritz, spricht sich -kräftig zwar gegen das, nun bis zum Ueberdruß abgehandelte Thema des Christenblutverbrauches der Juden an ihrem Osterfeste aus, legte aber in Betreff der jüdischen Gebräuche große Unkunde an den Tag. Während nämlich Herr Gustav Nieriz die heiligsten Gesetze der Juden verspottet, bespricht er auch Ceremonien, die nie und nimmer in Israel, die nur in seinem Kopfe stattgefunden. So läßt der Autor bei den jüdischen Leichen bezahlte Klageweiber weinen, eine Frau vor einem männlichen Auditorium in der Synagoge eine Rede halten, und.was die vielen Verstöße gegen jüdische Sitten und Gebräuche in diesem Büchlein noch mehr sind. - Möchten doch diese Leute, wenn sie sich denn einmal die Sittenschilderung des jüdischen Volkes zum Vorwurfe gewählt haben, sich doch auch von den Sitten und Gebräuchen dieses Volkes aus autentischen Quellen Kunde verschaffen, obschon. es auch dann für den Nichtjuden eine schwierige Aufgabe bleibt, denn mit der Formel: „Gott Abrahams Isaaks und Jakobs" mit einer „Esther" oder „Rebekka," ja sogar mit einem „au wai" ist bei einer Sittenschilderung noch gar wenig gethan. H. H. Preußen. Berlin, 20. Dezember. Die hiesige (israelitische) „Gesellschaft der Freunde" hat von der München-Aachener Feuerversichrungsanstalt, die bekanntlich ihre Ueberschüsse wohlthätigen Zwecken widmet, ein Geschenk von 500 Thalern erhalten. Wie sehr sticht dies Verfahren von dem der gleichen Gothaer Anstalt ab! — Herr Dr. Zunz wird von Neujahr ab Vorlesungen über jüdische Literatur halten, die sich einer bedeutenden Zuhörerschaft erfreuen werden. — Trier, 20.! Dezember. (Privatmitth.) Nachdem der für die hiesige Oberrabbinenstelle gewählte Herr Kahn die erforderlichen Zeugnisse beigebracht, gab die hohe König!. Regierung hiesigem Oberbürgermeister den Auftrag, den Oberrabbinen und ,die neu erwählten Mitglieder des israelitischen Konsistoriums feierlich in ihr Amt einzusetzen, was auch am 15. Dezember aus der hiesigen Oberbürgermeisterei in Gegenwart fast unsrer ganzen Gemeinde, welche dieser Handlung beizuwohnen eingeladen war, geschah. Zwei Tage vorher waren viele Gemeindemitglieder in fünf Wagen dem Oberrabbinen entgegengefahren, woran auch die Mitbewerber und Gegner desselben Theil nahmen. Am Sabbat hielt 'derselbe seine Antrittsrede, in der er mit anzuerkennendem Freimuth seine Bestrebungen darlegte. Die hiesige Gemeinde ist ziemlich orthodox gehalten, wir haben hier z. B. noch eine o'toi inan, wozu sehr junge Leute gehalten, die täglich ein Blatt Gemara in der Synagoge absagen. Der Oberrabb. sprach jedoch über die Verbesserung des Jugendunterrichtes, insonders über Herstellung eines angemessnen Religionsunterrichtes, ferner über Veredlung des Gottesdienstes. Er versprach, mit allen Kräften diese beiden wichtigen Gegenstände zu erstreben.! Literarische Nachrichten. Magdeburg, 2. Januar. (Belletristik.) Angckommcn: Die Juden und die Kreuzfahrer in England unter Richard Löwenherz von Eugen Rispart. 2 Thle. Leipzig, 1841. — Die Verfolgung der Juden durch Emicho. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Gustav Earl. Mannheim, 1841. — Noeina. Poesies par Movse Alcan. Au benelice des refugies espagnols. Metz et Nancy. 1841. — Wir freuen uns, die Aufmerksamkeit unsrer Leser auf die erste der schöngeistigen Schriften zu lenken, deren Titel wir hier aufgeführt. Das Hauptthema bildet das Schicksal der Juden von Vork unter Richard Löwenherz, ganz so wie eS No. 8. Jahrg. 1838. d. Z. nach geschichtlicher Wahrheit erzählt worden. So ungern wir nun unsre Blicke in die Blutscenen jener Zeit versenken, so verstand doch der Verfasser — der angegebene Name ist wahrscheinlich pseudonym — einen Ramm darumzulegen, der zwar die Gräßlichkeit der Vor-