Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Und doch, was will ich? Laß mich's anderdenken. Wenn dort ein Stern am klaren Winterhimmel Mit zartem Glanze vor uns zieht herauf, Bescheiden silbern ist sein muntrer Strahl, Dieweil er mehr noch nicht erworben hat, (Doch hat er auch den Strahl noch nicht vergeudet!) Wirst Du das Aug' ihm freundlich nicht entgegen. Dem Stern den Stern, den lebensvollen, wenden? Wenn Dir vertrauensvoll ein Jüngling naht. Dem noch dies Leben nicht die Leidenschaft Jn's freie, jugendliche Herz gegossen, Braust in ihm auch der Sturm der Kraft noch nicht. Die milde noch aus seinem Auge strahlt: Reichst Du ihm nicht die warme Hand entgegen. Und hältst den Zagenden mit starkem Arm? Ist es doch immer unser Jrrthum nur, Der Unbekanntem Glanz und Farbe leiht, Wie wir sie lieben, und Bekanntem Noch das verwischt, was es uns lieben hieße! Ja wol, wir sind uns selbst die Qual, Das nimmersatte Herz, das ewig sehnende. Das durch Befcied'gung selbst nur unzufrieden wird! .. So hält' ich mir das schwellende Gefühl, Das leise aus des Herzens Pforten quoll, Selbst weggesprochen? hatt' entkleidet Des Schauerreizes Neujahrs Geisterstunde, Und sie den vielen, den gewöhnlichen Nur zugesellt? Und doch. Wenn erst das Leben eingestaltig wird. Zum mathematischen Axiom gemacht: Wie abgestanden, unerquicklich wird's — Des Lebens Logik ist so leicht erschöpft, Doch ewig rauscht die Woge des Gefühls! Ja, darin sind wir Kinder, bleiben es: Buntfarbig soll es um uns sich bewegen, Und flatternd schmeicheln unsrer Ungeduld; Schaut doch der Greis vom Rande seiner Gruft Noch neubegierig rückwärts in das Leben, Und freut sich recht des kindischen Tumults!. Und wenn wir all' dies durchbedacht, gefühlt, Und wechselnd führen vor den wachen Geist: So bleibt nur Eins, was ewig seinen Werth Und sein unsterbliches Verdienst bewahrt — Es heißet: Liebe! Bund! .... Nicht Mond, nicht Erdball, selbst die Sonne nicht, Wie einsam durch das blaue Nichts sie ziehen, Bestah'n — es ist zahlloser Welten Versammlung, durch geheime Kraft verbunden, Die ewig zeuget von der Göttlichkeit!' l Es ist nicht Stund', nicht Tag, das Jahr allein, Wie's seiner Zeiten Wechsel in sich eint. Das einen Raum nimmt in des Lebens Werth. Macht doch nicht eine Freude, nicht der Schmerzen einer, Des sturmbewegten Busens ganze Fülle erst Zum Gottessohn den staubgebornen Menschen. So ist's der Fürst nicht, mit der Krone Schmuck, Der Bettler nicht, im abgezehrten Kleid, Auch nicht der Krieger, in der Waffen Trotz, Der Handelsbecr, der Erde Furchner nicht, Selbst nicht des Forschers schwerbeschwingter Geist: Sie Alle machen erst das Leben aus, Das fort und fort sich immer neu gebart — Was kann der Tropfen an des Eimers Wand? Vereint, verbunden, ineinanderfließend, Ein Bund, Ein Ganzes — ja, unsterblich ist's! So stellt die Liebe nur zum Glöckner an. Der in der stillen Neujahrsstunde schwingt Den ehrnen Hammer, durch die erzne Zunge spricht: Dann wird cs klingen in den Herzen nach. Mit Schauern nicht, mit zagend banger Angst, In unversiegbar reger Lebenskraft Und in des Sieges immer frrscher Lust! So stellt die Liebe uns zum Glöckner an, Der immer wieder zur Verbrüdrung ruft, Und ewig fort dem Bund die Glieder eint. Dann wird das Jahr nur Saat der Ewigkeit In dieses Lebens enge Furchen streuen/ Gesät erblüht und knospet es uns schon, Und in der Blüthe reift die Frucht schon zu! Das Jahr 1841. Der Frieden, der die politische Welt beherrscht, läßt auch in den äußeren Verhältnissen der Juden keine schnellen und außerordentlichen Fortschritte in die Erscheinung treten, sondern begnügt sich in der langsamen Entwickelung, welche allmahlig die Geister zur Erleuchtung bringt, nach dem Ziele zu wandeln, wenn auch nicht es zu erreichen. Der Frie