Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 hältniffe geboten — und die auch heute noch immer gelten — diese Einrichtung in die Gemeinde seines Wohnortes Mizr einführte, von wo sie sich über einen großen Kreis, Jerusalem, Gaza, Safet, Damask, Haleb u. s. f. weiter verbreitete und in mancher Gemeinde früher, in mancher wieder spater abgeschafft wurde, in Mizr selbst aber bis zum Jahre 1559 in Bestand gebliehen ist. (Geiger ibid. S. 248.) Wenn nun Maimonides aus Gründen, (als: andachtslose Unaufmerksamkeit wahrend der Wiederholung, die allzugroße Lange des Gebetes, die Entweihung des göttlichen Namens, wenn der israelitische Gottesdienst nicht mit würdiger Feier begangen wird,) die noch heute von ihrer Kraft nicht das Geringste verloren haben, sich bewogen fühlte, das zweimalige nacheinander folgende Beten der achtzehn Segenssprüche abzuschaffen und die genannte Ordnung einzuführen; wenn ferner jene Einrichtung in so vielen Gemeinden mehre Jahrhunderte bestanden, so daß um sie und gegen die Aufhebung derselben und Wiedereinführung der alten Gebctordnung wie um die Erhaltung eines heligen Gutes lebhaft gestritten wurde: so kann man doch gewiß nicht diese in vorliegendem Gebetbuch wieder aufgcnommene Einrichtung des gleichzeitigen Betens der Gemeinde mit dem Vorbcter als eine der Synagoge fremde und dem israelitischen Ritual widerstrebende Neuerung bezeichnen. Von dem großen Geiste Maimonides wie von Adlerfittigen umschwebt, ist das Gebetbuch hierin gegen alle Pfeile des Tadels geborgen und sichergestellt. Wohl mochte sich Maimonides von Gründen, die so sehr einleuchtend sind, in praxi zur Opposition mit dem Talmud bestimmen lassen, überzeugt, daß, wenn R. Gamaliel diese gegen seine Gegner hatte geltend machen können, sie dieselben gewiß anerkannt haben würden. Nach meiner individuellen Ueberzeugung fand Maimonides spater selbst im Talmud keinen Widerspruch gegen diese Einrichtung." — Aus der Salomon'schen Schrift heben wir folgende Stelle über die Veränderungen im Mussafgebet aus: „Das Muffaf-Gebet (qviv nbsn) ist die einzige rituelle Andacht, in welcher das Tempel-Gebetbuch, von den üblichen Gebetbüchern merklich abweicht. Wahrend nämlich die übliche Formel lautet: Es sei dir wohlgefällig, o Gott! uns freudig nach unserm Lande hinauf zu führen und uns einzupflanzen in unser Gebiet, und dort wollen wir die pflichtmäßigen Opfer bereiten, die alltäglichen nach der Ordnung, und die Zugaben (cpsiö-i») nach Gebühr; das Mussaf-Opfer dieses Sabbats (oder des einen oder des andern Festtages) wollen wir mit Liebe dir bereiten u. s. w. statt dessen betet die Tempel-Gemeinde wie folgt: Es sei dir wohlgefällig, o Gott! mit Liebe und Wohlgefallen die Worte unseres Mundes anzunehmen an der Stelle einstiger eOpfergaben, so der täglichen, als der festlichen, so auch unser heutiges Gebet an -der Stelle des Sabbatlichen (oder des Festlichen) Mnffas- -Opfers, so wie dein heiliger Wille es angeordnet in deiner heiligen Lehre u. s. w. (Vergl. Gebetb. S. 84. 121. 161. 268.) Die Abweichung in diesen Forme)» springt in die Augen und beruhet auf einem System, auf einem Prinzip. In der üblichen Gebetsformel ist der Gedanken vorherrschend, daß die verheißene Restauration Zions und Jerusalems nicht anders statt finden könne, als wenn Israel so weit es auch zerstreuet ist, leiblich und persönlich in dem ehemaligen Vateclande sich sammele und einfinde, ohne an eine Vereinigung im Geiste zu denken. Die Tempel-Gemeinde glaubt an jene Restauration eben so zuversichtlich; wie würde sie sonst das Gebet: „ypssV ‘pittö W’rnm trama" so oft in ihren Andachten wiederholen! (Gebetbuch S. 11. 101. 123. 143. 177.) u. s. w.) Wie könnte sie sonst an jeglichem Festtage Gott anrufcn „daß er sich erbarme über sein Heiligthum, durch seine große Liebe dasselbe erbaue und dessen Majestät vergrößere (S. 121. 161. 269 u. s. w.) Nur glaubt sie nicht, daß die Restauration gar keine sittlich-geistige Seite habe, und daß sie durch die leibliche, persönliche Gegenwart eines jeden Israeliten in dem ehemaligen Judäa bedingt sei. Wir können die. Wiederherstellung eines unglücklichen Vaterlandes von ganzem Herzen wünschen, können dieselbe von Gott erbitten, können für diese Idee schwärmen; trotz dessen aber in dem Lande, wohin die göttliche Vorsehung uns gesetzt, verbleiben, nach wie vor darin leben und wirken, der Landes-Obrigkeit gehorchen, dienen und huldigen, und zwar ganz und völlig im Einklänge mit den Lehre» des Jsraelitenthums. — Hatten die Juden im Babylonischen Exil nicht auch die im Namen Gottes ausgesprochene Verheißung: „Ich werde euch sammeln aus all den Völkern und Oer-