Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225229--04058-3313625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 darf," solange erblicken wir in einer solchen fälschlichen Behauptung die allergröbste Ignoranz, da Mischna und Talmud, so wie die sämmtlichen trmB&n und das Gegentheil behaupten, ja darauf bestehen, daß die rituellen Gebete in derjenigen Sprache, der man am meisten kundig ist, verrichtet werden sollen. Wer von unfern Rabbinen will es wagen, gegen die unzweideutigsten Lehren der Mischna anzukämpfen und uns zur Sünde anzurechnen, was jene angelegentlich empfiehlt? — Mögen vierzig oder zweiundvierzig Rabbinen gegen das in Rede stehende Gebetbuch austreten; mögen sie in einem beleidigenden, oder heuchlerisch-süßen Ton zu reden sich nicht scheuen — von der ursprünglichen Lehre unsrer Alten wird auch kein Jota verloren gehen, und was aus reiner und frommen Absicht unternommen wird, dazu wird der Gott des Lichtes und der Wahrheit seinen Segen geben. In dieser festen Ueberzeugung bitten auch wir den Gott unsrer Väter, „die Herren der Verirrten" und in Wahn versunknen Brüder „zum Guten" und zum Rechten lenken zu wollen. Uebrigens: Was Gottes guter Geist ersann, Das thut kein Pfaffe in den Bann! v O « Ja Ilvesheim, im November. (Privatmitth. Verspätet.) Am 30. Sept. d. I. verschied der verdienstvolle und allgemein geachtete Lehrer an der Israelitischen öffentlichen Schule zu Ilvesheim, Bezirks- Amt Ladenburg, Jacob Bernheim von Wangen im Seekreis, an den Folgen der Ruhr in einem Aller von 25 Jahren. Ein Mann jeder Aufopferung fähig, jedermann durch seinen offenen Charakter Vertrauen, wie durch sein ausgezeichnetes Talent im Lehrfache Achtung einflößend, von warmer Liebe zu seiner Gemeinde und seinen Amtsbrüdern und der ihm anvertrauten Jugend beseelt, war er ganz der Mann dazu sein Scherslein zum Heil des Judenthums beizutragen. Von seinen Vorgesetzten und Freunden mit den Zeichen ehrender Anerkennung seiner Verdienste geschmückt, und von allen seinen Kollegen, israelitischer und christlicher Konfession, so von allen Redlichen, die ihn kannten, hochverehrt, erweckte sein Hintritt allgemeine Trauer. Die letzte Ehre, die dem Hingeschiedenen zu Theil ward, ist der beredeste Beweis von Verehrung, Liebe und Theilnahme, die seinem Andenken gezollt werden konnte. Am Morgen des 3. Dktöber sah man den ganzen Straßenraum vor dem Sterbehause des Verewigten von einer ungewöhnlichen Menschenmasse, aller Konfessionen angefüllt. Um 8 Uhr setzte flch der Leichenzug in Bewegung. Die 24 Mitglieder des von dem Verblichenen gestifteten Wohlthätigkeits- Vereins umgaben den Leichenwagen; diesem folgten die leidtragenden Brüder des Hingeschiedenen, sodann die israelitische Schuljugend von Ilvesheim und Feudenheim, der Bezirksrabbine Herr Traub, der Rabbinatskandidat Herr Lindemann von Mannheim, der katholische Pfarrer Herr Neumayer von Ilvesheim und der evangelische Pfarrer, Herr Hecht von Sekkenheim; sodann sämmtliche Lehrer aller Konfessionen aus dem Bezirke endlich die sämmtlichen Mitglieder der israelitischen Gemeinde an die sich auch viele Mitglieder der nahe gelegenen israelitischen Gemeinden Ladenburg und Feudenheim, nebst sehr vielen Christen anschlossen. Da wo der Leichenwagen, und die, ihn nach der 4 Stunden entlegenen Begräbnißstätte zu Hemsbach begleitenden 24 Vereinsmitglieder sich vom Kondukte trennten, wurden, trotz des in Masse herabstürzenden Regens, von den beiden israelitischen Geistlichen und Herrn Pfarrer Neumayer als Lokalschulinspektor der israelitischen Schule dortselbst, höchst ergreifende Leichenreden gehalten. Kein Auge blieb trocken, vielfaches Schluchzen ließ sich vernehmen. Es waren die zwei tiefgebeugten Brüder des Verblichenen, die den Versorger ihrer Familie beweinten. Es waren die Zöglinge der israelitischen Schule, die den Verlust ihres Lehrers und Freundes betrauerten; es waren seine Amtbrüder, die in ihm einen tüchtigen Mitarbeiter im Weinberge des Herrn verloren; es waren die Mitglieder seiner Religionsgemeinde, allen jene denen er so oft mit Rath und That beistand, und die ihm jetzt eine Thräne der Dankbarkeit nachweinten. Für den Freund der fortschreitenden Humanität, aber war es ein herzerhebender Anblick, zu sehen, wie die Bekenner zweier verschiedener Religionen ihre Thränen vereint mischten an dem Sarge eines jungen Mannes dessen Leben und Streben war Licht