Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 und Liebe zu verbreiten. Das sicherste Kennzeichen wahrer Religion. So ist der Staub nun zum Staube zurückgekehrt, aber der Geist bat stch emporgeschwnngen zu Gott, der ihn zum ewigen. Leben berufen hat. Von der Elbe, 20. Dezember. (Privatmitth.) So vielen Raum der Hamburger Gebetbuchstreit auch in der Allg. Zeit, des Judentyums eingenommen, so werden Sie doch einem Laien, der sich für die Sache interessirt, einige Worte gönnen, die nur einige Betrachtungen über den allgemeinen Standpunkt geben sollen. Die Herren vom Fache vergessen gar zu leicht, daß doch von uns, als dem Publikum , bei solchen Streitigkeiten gewiß interessirt, auch einige Notiz genommen werden muß. Ich habe in diesem Augenblick das Schreiben des Herrn Ch. Bernays und Oberrabbl Ettlinger contra, das Votum des Herrn Landrabb. Holdheim, Ihr Gutachten, Herr Redakteur, und die kleine Schrift Salomon's pro, vor mir'liegen. Ich will nicht Richter sein, sondern nur einige Apercus Herstellen. Von der einen Seite fällt es uns Laien auf, daß die Herren B. und E. sich in den Mantel ihrer Autorität einhüllen, und ihr Urtheil nicht mit einem einzigen Worte des Beweises motivircn. Das ist sehr leicht, aber darum auch sehr wenig. Sehr leicht, denn es kostet keine Mühe, ein Verdammungsurtheil auszusprechen, und sich dann zurückzuziehen, sprechend: „wer's nicht glauben will, laß es bleiben, jedenfalls ist er ein Sünder!" Sehr wenig aber, denn wir Juden sind nicht so dumm, um das den Herren aus dem Munde gefallene Wort als eine Wahrheit aufzunehmen, und es drückt daher in der Wageschale höchstens für gedankenlose Gaffer. Wie, weil der Herr Chacham Bernays Chacham sich nennt, und weil Herr Ettlinger Oberrabbine ist, sollen wir mit ihrem bloßen Worte zufrieden sein? Da ist doch keine Fakultät,' kein Gerichtshof, die sich erdreisten sollten, ein Urtheil, einen Spruch ohne Motivirung abzugeben — und Einzelne sollten es sich erkühnen? So tief waren wol die Juden nie gesunken, und jetzt am allerwenigsten. Und dann? was träumen sich wol nun jene Männer für das Judenthum, ja für ihr Judenthum Großes gethan 'zu Habens Tausende von Juden entziehen sich jetzt den Jahrtausende bestehenden Autoritäten, was kann für diese das blanke Wort dieser Herren fürj Gewicht haben? Dies ist es, was von der einen Seite uns auffällt. — Von der andern Seite sehen wir die Herren, welche die Vertheidigung des fraglichen Gebetbuches übernommen haben, nicht aus den Schranken der Tradition und ihrer Vorschriften herausschreiten. Ueberall bemerken wir die Bemühung, die getroffenen Veränderungen auf dem Boden der Tradition selbst zu begründen und als gestattet nachzuwciscn. Nur selten, nur in geringem Anklang nehmen sie das Bcdürfniß der Jetztzeit in Anspruch, sondern sie wollen nur bezeugen, daß auch in »den früheren Zeiten dieses Gebetbuch hätte benutzt werden können, daß nicht die orthodoxen, sondern nur die jetzigen hypcrorthodoxen Juden einen Anstoß daran hatten. Auf diese Weise haben sie das eigentliche Gebiet des orthodoren Judenthums gar nicht verlassen. Gerade darum interessirt der Streit nicht bloß den Hamburger Tempelverein, sondern das ganze Judenthum. Wir Laien billigen dies ganz und gar; jedoch hätten wir doch gewünscht, daß neben diesen Bestrebungen ein treffendes Bild des jetzigen Israels, in Bezug auf den Gottesdienst und das Gebet, hingestellt worden wäre, damit man doch auch ein wenig im Spiegel der Wirklichkeit sich beguckt hatte. Ich werde Ihnen später einmal meine Ideen über unfern Gottesdienst mittheilen. Jetzt nur die Frage: Jedermann sieht das Verlangen, die Seynsucht, die Begierde tausender Israeliten, einen dem jetzigen Menschen angemeßnen Gottesdienst zu besitzen; trotz aller Unparteilichkeit Ihres Blattes geht keine Nummer vorüber, ohne daß uns aus irgend einem Winkel der Welt nicht eine solche Klage vorgetragen würde; die Herren sehen auch mit jedem Tage das alte Gebetbuch aus den Händen Mehrerer schwinden — und nun wollen sie auch die geringste Akkomodation verdammen? nun soll der alte Krimskrams auch nicht ein Jota verlieren? Habt Ihr denn gar kein Gewissen? gar kein Gewissen für eure väterliche Religion, in der Ihr so gern Ruhm und Brod auf mühelose Weise erwerben wollet? Schämet euch in die Seele hinein! Ihr machet Jsrael's Bethaus zu einer Einöde, ihr lasset Gras auf seinen Schwellen wachsen! Die Religion soll sich nicht beugen unter der Zuchtruthe der Mode, sie soll nicht folgen jedem Ruf einer leichtsinnigen Zeit: aber sie muß auch nicht blind und verstockt, nicht hart und eisentöpsisch