Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-01-01 · Heft 1 (1.1.1842) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 1 (1.1.1842)
Date
1842-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225229--04057-3313624
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5 fett und hin und her bewegen darf); wer das weiß, der kann nun und. nimmer auf die extravagante Idee kommen, in Ihrem — Schweigen ein Zugeständniß für die Legalität des neuen Tempelgebetbuches zu gewahren. Also, mein Herr Oberrabbine! wenn Sie zur Unterbrechung Ihres Stillschweigens keinen Andern Grund gehabt: so hätten Sie Ihren Hirtenbrief immerhin ungeschrieben lassen können. — Und wer sind denn die, die Ihr Schweigen zu Gunsten des Tempels hätten deuten können, wovor Sie fr gewaltig zittern? Ihre Gemeinden kennen ihren Hirten und wissen, was sie an Ihnen haben und wes Geistes Kind Sie sind; Andere Gemeinden? darüber hätten Sie ruhig sein können. Schreiber dieses ist es überzeugt, daß weder Ihr Schweigen, noch Ihr Reden über die Holsteinische Gränze hinaus im geringsten zu influiren im Stande ist. Wenn die Unwahrheit in dem gegenwärtigen Hirtenbrief auch nicht so unverschämt austritt, wie in der Bekanntmachung des Herrn Bernays: so enthält derselbe doch des Unwahren und Unbegründeten viel zu viel, um es mit Stillschweigen zu übergehen. Es ist Unwahrheit, daß in dem Tempelgebetbuch der Glaubensartikel von wwn rfruwn „abweichend " von den übrigen Israelitischen Gebetbüchern abgefaßt ist. Das Gebetbuch selbst ist im Stande einen Jeden der diese Behauptung aufstellt Lügen zu strafen und eines Bessern zu belehren""). Es ist Unwahrheit, daß in der neuen Auflage das was Sie""") „Ungesetzlichkeit" nennen „irn größern Maaße" vorkomme; vielmehr schließt sich das Gebetbuch dem üblichen näher an und qualisizirt sich eben deshalb für Gemeinden, die Hyperorthodorie und Orthodoxie keineswe'ges für synonyme Begriffe halten. Es ist traurig, daß Männer, die geistliche Aemter bekleiden, zur Unwahrheit und Lüge ihre Zuflucht nehmen, um *) Bl. 55. S. 1. im oben erwähnten Buche: „die Erstlinge Jakob's." ") Vergl. die Schrift: „das neue Gebetbuch und seine Verketzerung" von Ur. G. Salomon S. 5. 8. 7. r *«») Freilich im Sinne des Herrn Ektlinger, der in seinen „Erstlingen" S. 33. Bl. 2. behauptet nidwb an:» Dia da mag sich wol manches „Ungesetzliche" auffinden lassen. ein System, dessen Einsturz sie aus — Gründen verhüten möchten, der Zeit und der Wahrheit zum Trotz, rechtfertigen zu wollen.- Und welche Unwissenschaftlichkeit, welche Unbekanntschaft mit dem Entwickelungsgang der Dinge spricht sich in jenem Schreiben aus! Herr Ettling er behauptet, dem Israeliten sei es nicht gestattet, „Acnderungen in den seit vielen Jahrhunderten unangetastet bestehenden Gebetsformeln vorzunehmen." Diese Behauptung verräth zur Genüge, daß der Oberrabbine zu Altona der Meinung sei, die ganze jüdische Liturgie sei in ihrer jetzigen Gestalt zu allen Zeiten fix und fertig da ■ gewesen. Hat denn der gelehrte Herr nie von den enay nn 'Tna gehört, oder auf berühmten Bibliotheken cp-nrrna und o^tho in Manuskript gesehen und deren von einander abweichenden Formen: Formeln unter einander verglichen? Es scheint mir beinah, als wäre Hr. Ettlinger der Meinung, daß die ganze Religion mit allen ihren Satzungen; daß die Synagoge mit allen ihren Anordnungen (die Melodieen der Gesangstücke nicht ausgenommen) wie die Pallas aus dem Haupte Zeus mit einmal ganz und gar gerüstet zum Vorschein gekommen sei, ohne allmälige Entwickelung, ohne etwas davon genommen — und hinzugethan zu haben. — Herr Ettlinger, der, wie aus mehreren Stellen seines gelehrten Buches zu ersehen ist, ein guter Botaniker und Geognostiker ist und ganz genau weiß, daß in der neuen Welt die Palmen und die Myrthen und die Paradiesäpfel ganz anders wie auf unsrer Halbkugel wachsen"), Herr Ettlinger, sage ich, sollte sich auch auf das Studium der jüdischen Kulturgeschichte legen, das würde auf sein Urtheil im liturgischen Fache sehr wohlthätig wirken und noch weit heilsamem Nutzen als die Palmkunde zur Folge haben. — Sei es Herr Ettlinger, oder sonst ein gelehrter Rabbine, solange einer dieser Herren zu behaupten sich nicht entblödet, — wie es der Vers, jenes Briefes thut — daß der Israelit „nur in hebräischer Sprache seine rituellen Gebete verrichten *) Siehe npy •man S. 54. Bl. 2. die Stelle verdient nachgelesen zu werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.