Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-01-01 · Heft 1 (1.1.1842) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 1 (1.1.1842)
Date
1842-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225229--04056-3313623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Des Gebetbuches „Allgemeiner" Titel, nämlich: für die Andacht „der Israeliten," scheint dem frommen Manne „allerdings" auf — „Täuschung" abzuzielen. — Gelinde ausgedrückt scheint mir diese Aeußerung von leichtsinniger Unbesonnenheit zu zeugen. Warum denn Täuschung, Herr Oberrabbiner? Die Redaktion des Gebetbuches hat ja in dem Vorberichte alle die Israelitischen Gemeinden, welche das Andachtsbuch zu — befriedigen im Stande ist, namhaft gemacht, klar und deutlich bezeichnet: Es sind solche, „in deren Mitte der Geist der Erkenntniß und des Vorwärtsstrebens neben dem der ächten Gottesfurcht waltet." (Vorb. S. VI.) Wie durften Sie demnach die Lehre tmsr: b2 ns ■p ■nm msT spb so mir nichts, dir nichts aus der Acht lassen und Männer, gegen deren Offenheit und Redlichkeit auch der Neid nichts einzuwenden weiß, verdächtigen und der Täuschung zeihen? Wie durften Sie niederschreiben, wovon Sie keine feste Ueberzeugung haben? Als Rabbine, sollte man meinen, müßten Sie Zunge und Feder auf's sorgfältigste bewachen, wohlbeherzigend, was Ihnen Ihre Lehrer an's Herz legen: "ißa? wn ‘jb m 0« imaisn bs 18b 281 lirras (Sanhedrin Bl. 7. S. 2.) „Ist dir der streitige Punkt so klar wie — der Morgen, dann sprich davon, widrigenfalls — schweige!" Nicht minder unbesonnen und leichtsinnig finde ich die Aeußerung, daß die Tempelgemeinde der — „Angreifende" Theil sei, „da sie das Bestehende in Verwirrung und Auflösung zu bringen drohet." Thut sie das? Hat sie das gethan? Sie sagen ja selbst in Ihrem Schreiben: „Es sei im Standpunkt der —. Parteien gegenüber seit Jahren schon und auch jetzt keine'wesentliche Veränderung vorgegangen." Und doch soll die Tempelgemeinde das Bestehende in „Verwirrung und Auflösung" bringen? Wie und Wo denn? Sie sagen ja selbst, daß „das schon seit einigen Decennien isolirte Dastehen des neuen Tempels das Ungangbare seiner Prinzipien hinlänglich beurkundet, um eine Ausbreitung derselben — befürchten zu dürfen." Und doch soll der von Ihnen selbst so schuldlos und einflußlos bezeichneteTempel das Bestehende mit Verwirrung und Auslösung bedrohen, deshalb die Tempelgemeknde die Angreifende Partei genannt wird! Welche Widersprüche, welche unbesonnene gehaltlose Aeußerungen im Munde eines Volkslehrers, der doch Andern so oft zuruft „Vorsichtig mit dem Worte umzugehen"!v2'N212 INNiN tJ'Xört Und welch eines geistlichen Hochmuths haben Sie sich schuldig gemacht? Wie? Sie haben Ihren Hirtenbrief zu erlassen sich gezwungen gesehen," weil man, Ihr bisheriges Stillschweigen als ein Zeichen der Billigung jenes Gebetbuches ausgegeben? Wer in aller Welt, Herr Obcrrabbiner! sollte wol so einfältig sein, einem Manne von Ihrem cynisch-religiösen Lebenswandel; einem Manne von Ihren mystisch-kabbalistischen Grundsätzen, zuzutrauen, oder besser einen solchen Mann — zu beschuldigen, er könnte ein Andachtsbuch, in welchem der Geist des Lichtes und der Vernunft webt, billigen; gut heißen, anerkennen?! Wahrlich, und wenn Sie lebenslänglich verstummt wären, würde dennoch kein Mensch, der seiner fünf Sinne mächtig ist, auf diesen Gedanken gekommen sein. Wer da weiß, daß Sie in Ihrer Lebensweise Men den Frommen (n^vn), deren der Talmud an verschiedenen Stellen erwähnt") nichts nachgeben; wer es weiß, daß Ihr erstes und vorzüglichstes Geistesprodukt, seit dem Sie in Altona als Oberrabbine agiren, ein voluminöses 0pv8 über — 811 cca und Lulab gewesen""); wer es weiß, daß Sie Allen Ernstes eine drei Seiten lange Untersuchung anstellen können, ob der — Unglückliche, der keine Hände hat, den-Palmzweig am Laubhüttenfeste auch zwischen den Zähnen fas- *) Sabbat Bl. 19. S. 1. Sota Bl. 21. S. 2 u. s. f. **) Das Buch führt den Titel: ^1122 '121 2bibi N212 rii2bn bs „Die Erstlinge (versteht sich des Geistes) Jakobs. Zwei Dinge sind an diesem Buche merkwürdig, erstens die Vorrede, die jedem Leser zu empfehlen ist; zweitens das Buch selbst, das von der Vollendung des Moralisch-religiösen Zustandes der Altonaer Gemeinde Zeugniß ablegt. Der glückliche Hirte muß doch, aller Wahrscheinlichkeit nach in seiner Gemeinde nichts zu rügen, nichts zu verbessern gesunden haben als blos dit liebe Heerde auf — Succa und Lulab aufmerksam zu machen und hierüber dieselbe zu belehren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.