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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-01-01 · Heft 1 (1.1.1842) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 1 (1.1.1842)
Date
1842-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Gemeinden, noch befürchten zu dürfen. Wenn jedoch von Seiten der Partei, die ich, da sie das Bestehende in Verwirrung und Auflösung zu bringen droht, als die angreifende bezeichnen muß, durch das Veranlassen von Gutachten auswärtiger Rabbinen, dieser Kampf über die Gränzen ihrer Gemeinde hinausgetragen wird, und man hierdurch einen unbedeutenden Lokalstreit zu einem unseligen Prinzipienkampfe umschafft, die friedliebensten Elemente darin verwickelnd; ja, wenn man darin sogar so weit gegangen, wie ich weiß, mein bisheriges Stillschweigen, als Zeichen der Billigung des Gebetbuches und des es durchwebenden Geistes auszugeben: da mußte, so wie einerseits meine friedliebenden Absichten vereitelt, andrerseits auch die gerechte Befürchtung in mir rege werden, eine solche irreleitende Meinung möchte auch bei Ihnen, lieben Gläubige, Eingang finden. Wahrheit, Beruf und Gewissen verpflichten mich daher, zur öffentlichen Abgabe folgender Erklärung. Bereits vor 23 Jahren, als das erste Gebetbuch des neuen Tempelvereins erschienen war, hatten fast alle damaligen größte rabbinische Autoritäten Europa's ein Gutachten einstimmig dahin abgegeben, daß, weil in einer andern als hebräischen Sprache seine rituellen Gebete zu verrichten dem Israeliten unter bezeichncten Umständen nicht erlaubt, weil es ihm ferner nicht gestattet sei, Aenderungen in den seit vielen Jahrhunderten unangetastet bestehenden Gebetformen vorzunehmen, was beides in dem genannten Gebetbuche selbst bei den wichtigsten und heiligsten Gebeten unberücksichtigt geblieben, und weil endlich der Glaubensartikel von rr®a, darin abweichend von der Art und Weise aufgefaßt ist, wie dieser Glaubenssatz schon seit mehr als zwei Jahr- . tausenden in Israel auf der ganzen Erde Geltung hat — dieses Gebetbuch demnach ein Geist des Irrglaubens durchweht — es jedem Israeliten verboten sei, seine vorgeschriebenen Gebete nach Anleitung dieses Buchs zu verrichten. Da nun die Ungesetzlichkeiten, welche jenes erste Gebetbuch des Tempelvereins für ächtgläubige Israeliten unbrauchbar gemacht, in dem jetzt unter dem Titel „Gebetbuch rc. rc. der Israeliten" neuerschienenen sich nur in noch größerem Maaße finden, so findet das Verbot jener großen Rabbinen — dem ich seinem ganzen Inhalte nach beipflichte, und mich überzeugt halte, daß ein Aehnliches auch von meinen jetzigen Amtsgenossen, mit nur wenigen Ausnahmen, geschehen wird — auch auf dieses Gebetbuch seine völlige Anwendung iisruv •oina bbsniib Beherzigen Sie dieses, werthe Gemeinden, und bitten Sie den Gott unsrer Väter, der bisher erbarmungsvoll in Frieden uns geleitet, die Herzen der verirrten Brüder zum Guten zu lenken, auf daß dieselben nicht im Niederreißen, sondern vielmehr im Befestigen des uralt ehrwürdigen Glaubensgebäudes, ihren zeitlichen Beruf und ihre einstige Seligkeit mit uns suchen und finden mögen. Altona, 2-üi risirni 'n 'i öt (den 8. Dez. 1841.) Jakob Aaron Ettlinger, Dberrabbiner." Hamburg, 17. Dezember. (Eingesandt.) Da Sie den Hirtenbrief des Herrn Ettlinger in der Allg. Zeit, des Judenth. geben werden, geben müssen als Aktenstück der Zeit: so erlauben Sie mir wol einige kritische Blicke auf denselben. Die rmna, die den Herrn B ern ay s zum Vers, hat, wurde auch dem Dberrabbinen Ettlinger in mehreren Exemplaren zur Publikation zugeschickt. Herr Ettlinger nahm aber keine Notiz davon, und die Bessern im Volke priesen die Pastoralklugheit und die friedlichen Gesinnungen des stillen Seelenhirten. Jndeß die hyperorthodoxe Partei machinirte so lange, bis auch Herr Ettlinger — in Harnisch gerieth und an die seiner „geistlichen Obhut" anvertraueten Gemeinden einen Quartblatt großen Hirtenbrief erließ des Inhalts „daß das vor 23 Jahren von Seiten vieler Rabbinen ausgegangene Verbot— dem Herr E. unbedingt beipflichtet — auch auf das neue Gebetbuch seine Anwendung finde bab “hon® ■nina bVsnrtb bui®'' iö'n. Wir wollen den Hirtenbrief des Herrn Ettlinger einmal beim Lichte betrachten. So unschuldig er auch aussieht — ich rede jetzt von dem Brief, nicht von dem Briefsteller — so ist er dennoch weder von unbesonnenen und leichtsinnigen Aeußerungen, noch von geistlichem Stolz und Dünkel, am allerwenigsten von grundlosen Behauptungen und auffallender Unwissenschaftlichkeit frei zu sprechen.

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