Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 sargen der Todten, vom 1. Januar 1842 bis auf Weiteres (vorbehaltlich und unbeschadet unserer Rechte), als allgemeine, öffentliche Obliegenheiten, zu suspendiren, und uns auf Gegenseitigkeit zu beschränken. Frankfurt a. M., den 3. Dez. 1841. Die Begräbniß-Gesellschaften der israel. Gemeinde. Offenbach, 6. Dezember. (Didask.) Bei der heute dahier stattgehabten Beerdigung des im Alter von 64 Jahren ganz plötzlich Hingeschiedenen Kaufmanns Heinrich Sugenheim, an welchem der hiesige Stadtvorstand eines seiner gediegensten Mitglieder und somit die Stadt einen sehr tüchtigen Vertreter verloren, hat sich die Hochachtung, welche dem Verblichenen von seinen Mitbürgern zu Theil geworden ist, auf eine ganz entschiedene Weise kund gegeben. Nicht nur sehr viele Glieder der israelitischen Gemeinde, welcher er angehörte, nebst ihrem Religionslehrer, Herrn Dr. Formstecher, sondern auch der Bürgermeister mit dem größten Theile der Gemeinderathsmitglieder, mehrere Beamten, einige Lehrer der Kommunalschule, viele der angesehensten Bürger und, was wol besonders bemerkt zu werden verdient, der' katholische Geistliche, Herr Dekan Gresser, und der evangelische Geistliche, Herr Pfarrer Kühl, bildeten den Leichenzug, der augenfällig zeigte, daß das Rechte und Gute, von wem es auch geübt werde, in der heutigen Welt, in welcher leider der Egoismus mit seinem sittenverderbenden Gefolge das Scepter führt, immer noch Anerkennung findet; eine tröstende Aufmunterung für die Gerechten, zugleich auch eine ernste Ermahnung für die Vielen, welche zwar berufen, aber nicht auserwählt find. Auf dem Friedhofe hielt zuerst Herr vr. Formstecher und hierauf Herr Pfarrer Kühl eine Rede. Es war wohlthuend und erhebend, hier zwei Religionslehrer von so verschiedener Art neben einander zu sehen, die in ihren vortrefflichen Reden im Allgemeinen dahin übereinstimmten: daß der Hingeschiedene, über jede Form erhaben und nur im Geiste wirkend, den Christen in demselben Grade wie den Genossen seines Glaubens geliebt und diese seine Menschenliebe insbesondere auch gegen die Armen und Nothleidenden bethätigt habe; daß er in Jedem ohne Unterschied des Standes nur allein den Menschen geachtet, dessen Glaube ihm stets heilig gewesen, und daß er sein Leben nicht für sein Ich, sondern nur für die Menschheit gelebt habe und somit ein Mensch im schönsten Sinne des Wortes gewesen sei. — Ja, er, der Heimgegangene, war in der That, wie ihn seine Vertrautesten auch sehr treffend bezeichneten (dies sei hier zu sagen uns erlaubt), ein „Nathan der Weise." Hamburg, 16. Dezember. (Eingesandt.) Folgendem Schreiben des Oberrabbinen Ettlinger in Altona an die Gemeinden seines Sprengels werden Sie den Abdruck in der Mg. Zeit, des Judenthums nicht versagen. „Werthgeschätzte, meiner geistlichen Obhut anvertraute, israelitische Gemeinden! Wenn in dem Parteienkampfe, der seit einiger Zeit, hervorgerufen durch das Erscheinen eines neuen Gebetbuchs des israelitischen Tempels zu Hamburg, unter dem Titel: „Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten," in der hamburgischen israelitischen Gemeinde entbrannt ist, ich bisher gänzliches Stillschweigen beobachtet habe, so war dieses in der friedliebenden Absicht geschehen, dieser Zwietrachtsflamme nicht auch von auswärts noch Nahrung hinzu zu führen. Stets nur mit blutendem Herzen es wahrnehmend, wenn das schwache zerstreuete Israel, statt sich um das Heiligthum seines Glaubens zu schaaren, Vorurtheile, die, wie die neueste Zeit erst lehrte, demselben so gefährlich werden können, davon abzuwehren, sich selbst im unseligen Kampfe zerfleischt, gab ich mich um so lieber und zuversichtlicher der Hoffnung hin, daß dieser Kampf in unserer Nachbargemeinde bei Vermeidung äußrer Einwirkung, bald eine friedliche Lösung erhalten werde, da im Standpunkte der Parteien gegenüber seit Jahren schon und auch jetzt keine wesentliche Veränderung vorgegangen war. Selbst auch der, wie es scheint, allerdings auf Täuschung abzielende allgemeine Titel jenes Gebetbuchs, neben dem speziellen, konnte mich nicht veranlassen meine abmahnende Stimme gegen jene Irreleitung zu erheben, da das schon seit einigen Decennien isolirte Dastehen des neuen Tempels, das Ungangbare seiner Prinzipien hinlänglich beurkundet, um ein Ausbreiten derselben in Ihrer Mitte, liebe