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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-12-25 · Heft 52 (25.12.1841) · p. Seite 757

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 52 (25.12.1841)
Date
1841-12-25
Page
Seite 757 (sequence 9)
Language
German
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757 nellen Gründen verdammt werden und so wendete man auch einige Muße auf dessen Erforschung. Welche Früchte dieses Studium getragen und auf welcher Stufe es sich noch in unfern Tagen befindet, dürfte durch die Verhandlungen über die Damasker Angelegenheit noch Ln Jedermanns Angedenken sein. Der Jude kann solcher Unwissenheit und Böswilligkeit nur Verachtung entgegensetzen, zu der sich der tiefste Unwille über die Vornehmthuerei, als sei man Ln die Tiefen des Judenthums eingedrungen und habe es nach seinen Quellen erforscht und erkannt, hknzugesellt. Wohl bedarf es großer Anstrengung und des Aufgebens eines Theiles der Subjektivität, um in die Literatur einer uns fremden Religion einzudringen, unsere Ansichten mit den ihrigen zu amatgamiren, uns im Augenblicke der Forschung ganz in sie zu versenken und den widrigen Eindruck, den sie auf uns, deren Begriffe von den ihrigen verschieden, ihnen oft ganz entgegen gesetzt sind, hervorbringt, zu unterdrücken. Wer sich nicht mit solcher Kraft ausgerüstet fühlt, der unterlasse den Versuch; keine Anklage wird ihn über das Gestandniß, daß es ihm an Lust und Zeit gebreche, treffen. Aber jene unreifen Urtheile, das Citiren mißverstandener aus dem Zusammenhangs gerissener Stellen, die bettelhafte Aufklauberei einiger zerlumpten bingeworfener Fetzen, um ein von Lächerlichkeit und Gehässigkeit strotzendes Gewand daraus zu verfertigen, zeugt hinlänglich, wie wenig es auf ein ernstes der Wahrheit würdiges Studium abgesehen sei. Nur durch eine' Wissenschaft des Judenthums kann diesem hämischen Treiben ein Ziel gesetzt werden. Daß hierdurch für des Juden äußere Lage sich ein Vortheil ergeben wird, ist nicht mit Gewißheit zu behaupten: denn der Vorwand, daß die Juden vorerst ihre religiösen und sittlichen Ansichten verbessern sollen, ehe die Emanzipation gedeihe, ist nur zu sehr als Vorwand, als Palliativ , um der augenblicklichen Verlegenheit zu entgehen, bekannt: und sollte der Geist der Zeit auch in Zukunft geneigt sein, die Wahrheit durch Vorwände zu umgehen, wann wird es je an solchen fehlen? — Auch wäre es ein nicht genug zu verwerfender Servilismus, wenn nur die Aussicht auf äußere Vortheile das Bedürfniß der Wissenschaft hervorriefe. Die innere schmählich verunglimpfte Würde des Judenthums stellt das unabweisbare Postulat einer wissenschaftlichen Behandlung auf; und der Jude, an dem der Umschwung, den jedes Fach des Wissens in neuerer Zeit erfahren hat, nicht spurlos vorüberging, fühlt aus innerem Drange die Nothwendigkeit einer Regeneration, durch die der aufgefpeicherte Vorrath nach einem Systeme geordnet, jeder Zeit das Ihrige überwiesen, jeder Autor nach seinen Ansichten und dem Gange seiner Forschung gewürdigt werde. Diese Forderung macht sich auch von einer andern Seite her geltend; manchem religiösen Verhältnisse steht eine Umänderung bevor, unsere Zeit bildet den Uebergangspunkt von einer stabilen Vergangenheit zu einer in vieler Hinsicht sich verschieden gestaltenden und bewegbaren Zukunft; wo anders nun als auf wissenschaftlichem Boden kann der Maaßstab für Verbesserungen gewonnen werden? Ohne Wissenschaft keine Umformung, keine Umgestaltung; das alleinige Niederreißen, die Alles zersetzende Negirung bringt nicht Besserung und Heil. Zudem hat das menschliche Gemüth heilige Forderungen und bedarf eines Positiven; und hat vollends das Gemüth sich mit manchen religiösen Institutionen befreundet, sie in sich ausgenommen, mit sich so identisizirt, daß sie gleichsam ein integrirender Therl seines Seins geworden sind, wie soll nach einem kurzen Zeitabschnitte, nach dem, was der heutige Tag zurückweiset, reformirt werden? — Noch weniger Erfolg verspricht Ironie und Herabziehen in's Gemeine, diese legen nur ein trauriges Zeugniß der Gemüthlosigkeit oder des Leichtsinnes ab; überhaupt kann der kalte jedes wärmere Gefühl ectödtende Verstand hier nicht alleiniger Richter sein: die Vernunft muß als Vermittlerin austreten, mit dem Ernste des Glaubens paare sich der Ernst der Wissenschaft; der Wissenschaft, die zwar allmahlr'g nur sich Bahn bricht, aber die Genesis und die Ausbildung des Bestehenden genau erforscht, das Unwichtige vom Wichtigen, das Fremdartige von dem inner» Kern, die Förm vom Wesen scheidet und sich endlich auch vom Leben Geltung verschafft, dem Gemüthe sein Recht zugestehet, aber es zu läutern und für das, was sich nie überlebt, zu gewinnen sucht.^ Geschichte. Geschichte der Juden in Belgien. Nicht wirksamer kann die Geschichte der Juden seit der Zerstreuung, in ein übersichtliches Gemälde gefaßt werden, als wenn wir den Blick auf ein Land werfen, das, von nicht großem Umfang auch

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