Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1841)
- Date
- 1841-12-25
- Page
- Seite 751 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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751 aus: „Im Orient ist aber die Einigkeit und Einheit vorzüglich nöthig, und nirgends würden unsre Spaltungen schädlicher wirken und mehr Anstoß geben als hier in dem gemeinsamen Vaterlande der Christenheit, mitten unter den mit Haß, Neid, Verfolgung und Eigennutz auftretenden christlichen Gegensätzen der Lateiner, Griechen und Armenier, welche den Juden und Mohammedanern in Jerusalem schon so viel gerechtes Aergerniß gegeben haben." Wie demnach eine neue christliche Kirche, die evangelische, sich mit den anderen dort vertragen werde, ist nicht unsre Sache. Wir wünschen ihr den Erfolg, die streitenden christlichen Parteien zur Ruhe zu bringen, so unglaublich dies auch ist, denn dann würde dem zerrütteten Lande Segen genug daraus entsprießen. Sie wird auch wpl, wenn sie mit vielen Geldmitteln, Spitälern, Armenversorgung ff. auftritt, etliche Juden zu sich bringen. Daß aber hieraus wahres Heil, und für die jüdische Religion ein bedeutender Verlust zu erwarten stehe, läßt uns die bisherige Erfahrung nicht glauben. Wir hegen vielmehr die Ansicht, daß die offenbare Absicht, einen Missionsmittelpunkt zu bilden, von vorn herein nur Feindseligkeit und Zwietracht mehr in das zerrissene Land tragen wird. Träte die neue Kirche nur mit dem Zwecke der Humanität und Civilisation auf, dann wäre sie dem unglücklichen Lande eine höhere Botschaft, will sie aber von Anfang an nichts weiter als „bekehren," so sehen wir ihr keinen Segen und keinen Frieden ab, denn sie wird Spaltung, Jntrigue, Haß nur nähren können, selbst wenn sie es nicht will. Diese kurze Darlegung unsrer Meinung überhebt uns für die nächste Zeit, die Sache weiter zu verfolgen. Aegypten. Alexandrien. Ueber die von Cremieux gegründeten Schulen gab das Journal des Debats vom 9. November folgenden Bericht. Am Jahrestage der Gründung der Schulen zu Kairo fand eine Feierlichkeit statt, über die ein Bericht, unterzeichnet von den Herren Champion, österreich. Konsul zu Kairo, Geosroy, Kanzler des franz. Konsulats, Clot-Bey, Mengin, Linant, Dozol, Lambert, Mitgliedern des vom Pascha eingesetzten Schulraths, sämmtlich Inspektoren der israel. Schulen, ungefähr Folgendes kund giebt. Die von einer neuen Schöpfung unzertrennlichen Schwierigkeiten, die Vorurtheile, die zu besiegen, der böse Wille der Eltern, das Widerstreben der Kinder selbst, die zur Einrichtung des Lokals nothwendige Zeit, die Dauer der Pest, welche die Schulen zu schließen zwang, alle diese Ursachen haben der Unterrichtszeit dieses Jahres vier Monate entzogen: die Erfolge dieses kurzen Zeitraums haben für die Zukunft schöne Hoffnungen befestigt. Die am 12. September mit ungewöhnlichem Pomp vollzogene Prüfung, in Gegenwart eines aufgeklärten Publikums, hat die gute Wirkung des Unterrichts erwiesen, und trug den einstimmigen Beifall der Anwesenden davon. Die Herren Konsuln Oesterreichs, Englands, Rußlands, Toskana's und der Nordamerikanischen Staaten wohnten dem Examen bei. Man bemerkte mit Befriedigung den armenischen Bischof, eine Deputation der griechischschismatischen Geistlichkeit, zur Seite des Oberrabbinen. Damen und die vom Gouverneur der Stadt geliehene Musik gaben der Feierlichkeit einen höhern Glanz. Der österreich. Konsul, Herr Champion, las eine angemcßne arabische Rede, Herr Luzzato, Oberlehrer der Schulen gab einen Bericht über das verflossene Schuljahr. Die Mehrzahl der Schüler las Französisch mit Leichtigkeit, zeigte Vertrautheit mit den vier Spezies im Rechnen, und wies überall gute Anlagen und Ordnung. Die Mädchen brachten hübsche Stickereien zum Vorschein, Reinlichkeit und gute Haltung waren sehr lobenswerth. Preise, in silbernen Münzen und Büchern bestehend, wurden vertheilt. Um die Fortschritte bedeutend zu machen, bedarf es nur der Dauer einer so edeln Anstalt. Am 13. September fand die Prüfung im Hebräischen statt, welche die bedeutendsten Resultate zeigte. Die Kinder sangen am Schlüsse einen hebr. Psalm nach der vom Gesanglehrer komponirten Melodie, welcher sehr gefiel. Türkei. Konstantinopel. Die neueste No. der Arch. isr. de Frauce enthält folgenden Artikel. Man kann sich keinen Begriff von dem Elend-machen, in welchem sich, mit geringen Ausnahmen, diö zahlreichen Israeliten Konstantinopel's befinden: dieses Elend 52"