Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1841)
- Date
- 1841-12-25
- Page
- Seite 750 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 1× ep/1047559
- Tunis 1× ep/1048155
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750 kus und Rhodus ausdrücklich erklärt, daß auch die Juden an den Vortheilen, dieder Hattischerif von Gülhane den andern Rajas verheißt, Lheil haben sollen, hat in England Lord Ashley, ein einflußreiches Parlamentsglied, dem auswärtigen Ministerium eine Denkschrift über den Nutzen einer europäisch-jüdischen Kolonisation von Palästina überreicht. Die Kommittee der schottischen Judengesellschast sieht den Weg zur Restauration der Juden schon geöffn.et; „sie sind vielleicht, sagt sie in ihrem Bericht, die zahlreichste und mächtigste Nation im türkischen Reich und haben bekanntlich einen großen Einfluß inKonsiantinopel." So wurde die Londoner Judenbekehrungsgesellschaft zu dem Entschluß getrieben, ihrer Thätigkeit eine festere Grundlage zu geben." Sie baute deshalb ein Hospital für Juden, baute eine Kirche in Jerusalem ff. Wie sich die Juden in Jerusalem selbst zu diesen Bemühungen verhielten, ersieht man aus folgender Schilderung: „Nach der höchsten Schätzung wohnen in Palästina 13,000 Juden und von diesen 6 bis 7000 in Jerusalem; die andern meist in Hebron, Liberias, Saphet und außerdem zerstreut in Jaffa, Kiaffa, Acre, Tyrus und Sidon. Sie kommen aus Liebe zu dem Lande ihrer Väter nach Palästina und weil sie dort ihre Rabbinen für wahrhaft inspirirt halten (!) Sie hoffen sehnlich auf den Messias, sind mehr abergläubisch als ungläubig, freundlich gegen die Christen, da die Türken sie wie Hunde halten, und haben, verglichen mit den andern Einwohnern des Landes, ein würdiges Aussehen in der antiken schönen Tracht ihres Volks. Sie leben fast ohne Gewerbe und Nahrung, meist von den Almosen, welche sie an den Synagogenthüren eingesammelt von ihren Stammesgenossen erhalten, bei denen sie im Geruch besonderer Heiligkeit stehen, unter Vorstehern äus ihrem Volke, welche diese Almosen unter ihnen vertheilen und sie dadurch in völliger Abhängigkeit halten. Außerdem ist im ganzen türkischen Reiche die Verfassung, daß die nicht-mohammedanischen Unterthanen des Sultans, die Rajas, auch in weltlichen Dingen unter ihren kirchlichen Oberhäuptern stehen, welche allein mit der Pforte verhandeln, und dadurch nach unten eine fast unumschränkte Gewalt über ihre Glaubensgenossen ausüben. So ist die Verfassung der Griechen, der Lateiner oder römischen Katholiken, der Armenier und der Juden, während die evangelischen Christen als Fremde be> trachtet werden und unter dem Schutz des Gesand ten oder Konsuls ihres europäischen Herrn leben. Daher wird ein jeder Uebertritt zu einer andern Kirche oder gar zur evangelischen Kirche, aus einer der anerkannten Korporationen der Raja'ö von den Oberhäuptern dieser Korporationen auf das härteste und unerbittlichste verfolgt und bestraft, wie denn die Zeitungen die grausame Verfolgung und Austreibung der katholischen Armenier berichtet haben, die Missionsnachrichten uns erzählen, wie in Konstantinopel die bekehrten Juden eingekerkert und verfolgt, und in Tunis durch dasselbe Verfahren die Bemühungen des dortigen eifrigen und begabten Judenmissionärs Ewald vereitelt worden sind. So verfuhren denn auch die Vorsteher der Juden in Jerusalem, indem sie diejenigen ihrer Stammesgenossen, welche sich dem Christenthum zuwandten, nicht allein als Abtrünnige von ihrer Religion, sondern auch als abtrünnige Unterthanen des Sultans jeder Verfolgung und jedem Elend dadurch Preisgaben, daß sie dieselben, wenn sie nur in irgend einen Verkehr mit den Missionären zu treten wagten, mit dem Bann belegten." Wir, gewiß von jeder Verfolgungssucht am weitesten entfernt, wir, europäische Juden, die durch selbsterfahrenen zweitausendjährigen Religionsdruck hinlänglich belehrt worden, daß jede Verfolgung aus religiösen Motiven ein Verbrechen an Gott und Menschheit ist, können es doch unfern Glaubensbrüdern im Oriente nicht verargen, wenn sie sich von den Juden, die ihrer Religion absagen, und sich somit aus dem jüdischen Glaubensvereine trennen, zurückziehen, wenn wir ihnen auch aus jeder direkten Bedrückung der letzteren ein Verbrechen machen. Wir müßten selbst von der Wahrhaftigkeit unsrer Religion nicht überzeugt sein, wenn wir die Lossagung von derselben gleichgültig und als nichts bedeutend ansehen wollten. Welche Ansicht hegen wir nun von diesen neueren Vorgängen? Nicht wir, die öffentlichen Blätter sprechen hinreichend von den Wirren, in welche die verschiedenen christlichen Kirchen im Oriente versunken sind, wie hartnäckig sich Armenier und Schismatiker, Griechen und Katholiken, Maroniten und Drusen befeinden. Drückt sich doch die angezogene Korrespondenz der Allg. Augsb. Zeit, selbst darüber