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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-12-18 · Heft 51 (18.12.1841) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 51 (18.12.1841)
Date
1841-12-18
Page
Seite 740 (sequence 12)
Language
German
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ten der Christen in Damaskus aus religiöser Rücksicht nahe kommt, ist in dem Vorwurf enthalten, den man auch aus Mangel an besseren Beweisen zu hören Gelegenheit haben kann, daß die Reichen und Gebildeten unter den Juden ihre ärmeren und ungebildeten Glaubensverwandte in einer National- Absonderung zu halten suchen, um ihre Abhängigkeit zu benutzen. Nicht einmal ein Schatten von Beweis laßt sich dafür anführen. Jeder aber, welcher das innere Leben und Treiben besonders in den größeren Judengemeinden beobachtet hat, worin etwas Durchgreifendes, ohne Beistand der Regierung, sich von den Reicheren zur Bildung der ärmeren Klaffen ausführen läßt, muß auch wissen, daß sie gerade alle ihre Kräfte aufbieten, um die Bildung und Aufklärung der Letzteren zu befördern. Er muß wissen, daß es ihnen schon seit längerer Zeit in größeren Städten geglückt ist, wie in Hamburg, Frankfurt am Main, ja sogar in viel kleineren, ohne daß die Regierungen das Geringste dafür gethan oder auch nur Notiz davon genommen haben, Armenschulen zu errichten, welche, nach dem Urtheile aller Kenner, ganz den christlichen an die Seite gesetzt zu werden verdienen. Er muß wissen, daß nicht bloß in Preußen, Bayern und andern Staaten, wo es, ungeachtet der gesetzmäßigen Handwerksfreiheit, oft noch Schwierigkeiten macht, jüdische Lehrlinge und Gesellen bei christlichen Meistern anzubringen, unter den Israeliten allerlei Vereinigungen zur Verbreitung von Handwerken giebt, ja, daß solche sogar in Staaten in Wirksamkeit sind, wo der Zutritt zu den Handwerken den Juden noch gesperrt ist. Und vor Allem muß er wissen, daß diejenigen unter den Reicheren und Gebildeten, die egoistisch genug sind, um nur den eigenen Vortheil, die eigene Bequemlichkeit zu Rathe zu ziehen, nichts eiliger zu thun haben, als sich von allen beschwerlichen Verpflichtungen gegen ihre Gemeinde dadurch zu befreien, daß sie ihre Religion wechseln und sie für alle die Vortheile vertauschen, die sie durch einen solchen Wechsel zu erwarten haben. Wer aber kann glauben, daß das Gemüth jener Armen und Unterdrückten geläutert und gestärkt werden kann durch Beispiele solcher Motive? Daß die Seele der Niedergebeugten gehoben werden kann durch den Anblick, daß die, welche sich in ihrer Mitte ausgezeichnet, die sich die Achtung ihrer christlichen Mitbürger erworben haben, und von denen sie Beistand gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit erwarteten, sich von ihnen trennen, nicht weil sie von der Wahrheit der christlichen Religion ergriffen sind, sondern um'nichts mehr mit ihren elenden Glaubensgenossen zu schaffen zu haben? Oder wer kann glauben, daß jene Gebildeteren sich. geneigter fühlen ihre Eigenthümlichkeit abzulegen, weil sie sehen, daß jene, denen dieses Ablegen geglückt ist, ein leichtsinniges Spiel mit der Religion treiben, die ihnen noch heilig ist? Es ist klar, daß die Fortschritte der Masse rrn Bildung durch eine solche Absonderung nur gehemmt werden kann. Gerade weil die Juden selbst mehr und früher gewirkt haben für die innere Verbesserung der Schulen und des Gottesdienstes als die Regierungen, und weil diese Verbesserungen, wenn die Regierungen sich auch ihrer mit größerem Interesse angenommen haben, als leider der Fall war, doch immer hauptsächlich von ihren eigenen Anstrengungen ausgehen mußten: muß eine Regierung, welcher das Wohl der Masse ihrer jüdischen Unterthanen am Herzen liegt, mit Betrübniß sehen, daß durch das egoistische Absondern der Reicheren und vor Allem der Gebildeteren, die Kräfte schwinden, welche für den geistigen Fortschritt ihrer Gemeinde wirken könnten, und daß so zuletzt Alles in Verfall geräth — eine Folge, welche nur durch die fortdauernde Selbstverleugnung jener oder durch bürgerliche Gleichheit vermieden werden kann. Will man nun das Gefühl der Juden, die einer solchen Folge mit Schrecken entgegensehen, und ihr Schicksal, die bereit sind, Alles für deren geistige Entwickelung und bürgerliche Anerkennung aufzubieten, mit denen sie in religiöser Verbindung strhen, als ein bloß „nationales" bezeichnen und als solches verwerfen: so kann dieses sie doch füglich nicht dazu bringen, dieses Gefühl und Streben zu verleugnen, sondern es muß ihnen immer menschlich und pflichtmäßig Vorkommen, ja man kann wol mit größerer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß diejenigen, denen es fremd ist, ohne allen Sinn für ihre Mitbürger und schlechte Bürger des Vaterlandes sind. Das Argument, daß es doch immer nur die Reicheren und Vornehmeren sein würden, welche durch die Emancipation gewinnen, fällt ganz zusam-

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