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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-12-18 · Heft 51 (18.12.1841) · p. Seite 739

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 51 (18.12.1841)
Date
1841-12-18
Page
Seite 739 (sequence 11)
Language
German
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739 -für Moses kein Mittel war den Staat zu regieren, sondern daß dieser und das nationale Leben ihm die nothwendige Form war, den Glauben an den einzigen wahren Gott zu befestigen und auszubreiten. Wie Abraham seine Familie, so hat Moses sein Volk dem einzigen Gott geweiht; nicht um es als Nation zu einer von andern Nationen getrennten zu machen oder noch weniger zu einer gewaltsam herrschenden gab er das Ceremonialgesetz, sondern um die Bekenner des einen Gottes von den Götzendienern zu trennen, welche es umgaben, und um sein ganzes Leben von dem Gedanken an diesen Gott durchdringen zu lassen. Nur so ist das sonst unauflösliche Räthsel, die 2000jährige Dauer der Israeliten, während sie als Nation so unbedeutend, schwach und leicht zu bezwingen war;n, zu erklären, und aus diesem Gesichtspunkt betrachtet erhält manche leicht zu bespöttelnde Seite des religiösen Lebens der Juden eine ernstere Bedeutung. Ob die Erfüllung des Ceremonialgesetzes heutzutage das einzige oder rechte Mittel zu diesem Zwecke ist, ob das Bewußtsein im Stande ist, mit gleicher Innigkeit den Gedanken an Gott ohne fortdaurendes äußeres Erinnerungszeichen sestzuhalten, ist eine Frage, welche Religion und Philosophie zu beantworten hat, und worüber die Meinungen unter den Juden sehr verschieden sind. Nur darin stimmen sie alle überein, daß die Ceremonialgesetze religiöser, aber nicht politischer Natur sind. Was den Messias-Begriff betreffend als Hinderniß für die nationale Vereinigung zwischen Christen und Juden angeführt wird, wird schon dadurch widerlegt, daß selbst die Lehren der Rabbinen verbieten, die Hoffnung auf Messias in Verbindung mir dem praktischen Leben zu bringen, sich etwas deshalb vorzunehmen oder darauf zu rechnen. Auch kann Niemand, der die jüdische Literatur kennt, der Meinung sein, daß der Messias-Glauben in einem künftigen nationalen Sinne aufgefaßt wird. Bei den Propheten ist der Zweck und die Absicht der Erlösung die Rettung der ganzen Welt; das Judenvolk und ein König aus dem Hause Davids ist ihnen nur das Mittel, dessen die Vorsehung sich zu dem Ende bedient; die Erlösung, soll nicht für, sondern durch das jüdische Volk kommen. Daß übrigens der Messias-Glauben sich ganz der nationalen Beschränkungen enthalten und sich davon frei machen kann, ohne dadurch seinen religiösen Inhalt zu verlieren, die Hoffnung auf ein allgemeines Reich der Wahrheit und des Friedens, auf einen Zustand, worin das Aufhören des Bösen auf Erden nicht bloß möglich, sondern wirklich geworden ist, scheint wahrscheinlich, wenn man bedenkt, daß jene scharfe, nationale Begränzung im Alterthum nicht eine willkürliche, sondern nothwendige war, . worüber sich keins seiner Volker aus freier Wahl wegsetzen konnte — das griechische und römische eben so wenig wie das jüdische, indem keins sich über seinen eigenen Horizont heben konnte — das sich aber doch erhoben hat, so wie sein Gesichtskreis sich erweiterte. Es ist übrigens nicht leicht zu begreifen, was man eigentlich unter der Entsagung der Nationalität versteht, ohnewelche keine Aufnahme und Emanzipation denkbar sein soll. Versteht man darunter die Erklärung, daß sie alle bürgerlichen Pflichten erfüllen, den Staatsgesetzen gehorchen und nachleben wollen, so ist das eine conäilio sine qua uon; daß sie keine andere Nahrungszweige betreiben sollen als solche, welche jedem Staatsbürger erlaubt sind, da folgt es wol aus sich selbst, daß sie sich einer so billigen Bedingung unterwerfen müssen, sowie daß sie keine besonderen Rechte haben; oder daß sie sich als dem Staate gehörend betrachten, in welchem sie leben, und sie werden dieses gewiß von ganzem Herzen und ganzer Seele erklären. Und sollten unter den Tausenden von Israeliten, gegen alle Wahrscheinlichkeit, Einzelne sich finden, die sich dessen weigern und es vorziehen sollten, einem nichtexistirenden Staate, einer Nation ohne Dasein zu gehören, so könnte eine polizeiliche Aufsicht hinreichen — nicht wegen der Gefährlichkeit ihrer Ansicht, sondern aus dem guten Grunde, der vorhanden wäre, sie für verrückt zu halten. (Als Beweis, dqß die Juden sich in politischer und bürgerlicher Beziehung zu der Nation gehörend rechnen, unter welcher sie leben, führt der Verfasser die bekannten Antworten des Sanhedrins aus die ihnen von Napoleon vorgelegten Fragen an.) 3. Egoismus und Glaubens-Leichtsinn des Reichthums. Eine Verleumdung, welche an Schändlichkeit nur jener des Mittelalters von der Vergiftung der Brunnen und der Erdichtung unserer Tage vom Schlach-

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