Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1841)
- Date
- 1841-12-18
- Page
- Seite 735 (sequence 7)
- Language
- German
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735 ^-rgessen können, daß ihnen eine griechische Uebersehung hätte Bedürfniß sein sollen, entkräftet der Verf. nicht glücklich durch Hinweisung auf frühere Einwanderungen von Juden in Aegypten, z. B. Jerem. 42. Denn er darf nicht vergessen, daß zu den Zeiten dieser früheren Einwanderungen in Aegypten die griechische Sprache daselbst noch gar nicht herrschen konnte, deren Einfluß erst zu der Ptolemäer Zeiten (von 321 an) die ägyptische Sprache verdrängen konnte. Denn vor Alexander, der 332 Aegypten'eroberte, war Aegypten persische Provinz, hatte aber einen so selbstständigen Charakter behauptet, daß sehr häufige Aufstände mit vierjähriger Unabhängigkeit vorkamen. Also ist es ganz richtig, daß der Zeitraum der Herrschaft griechischer Sprache in Aegypten noch zu kurz war, um es den Juden schon zum Bedürfniß zu machen, eine griechische Uebersetzung zu haben. Unsere individuelle Ansicht ist: allerdings entstand ein Theil der Soptuag. (der Pentateuch) auf den Impuls eines Ptolemäus, der, bei der Masse seiner jüdischen Unterthanen, leicht zu dem Wunsche, ihr Gesetzbuch cinzusehen, kommen konnte, da sie so sehr von seinen übrigen Unterthanen abstachen; des Angefangenen aber bemächtigte sich nach und nach das Bedürfniß der jüdischen Gemeinden, innerhalb dessen das Werk zur Vollendung kam*). Diese Ansicht liegt auch ganz in der Natur der Verhältnisse. Denn für die Juden war es immer ein zu bedeutender Schritt, eine Uebersetzung anzufangen, die angefangene aber zum Gebrauch annehmen und fortsetzen, ein um Vielxs leichterer. — Vor Allem aber sucht der Verf. zu erweisen, daß die Sept. nicht den hebräischen Text entbehrlich machen, sondern eine das Lesen des Originals erleichArnde Aushülfe sein sollte. Er beleuchtet die Frage, ob bei Abfassung der eine chaldaische Version Vorgelegen, und zeigt, daß dies die Frage über die Abweichungen der 8ept. vom hebräischen Texte durchaus nicht entscheiden kann, da offenbar häufig die Fehler aus der 8ept. aus dem mißverstandenen hebräischen Texte fließen. Sehr gut führt der Verf. das Kapitel über den Ort der Abfassung der Sept. aus, und zeigt, daß mehrere Bücher, Ezechiel, Daniel z. B.> nicht in Alexandrien abgefaßt sein konnten, und später erst dahin kamen. — Eine sehr interessante Frage mußte ferner sein: wie verhielten sich die Juden zu der *) Deshalb konnten auch in den nichtpentateuchischen Büchern sehr viele Ausdrücke mehr unübertragen bleiben. Septuaginta? weil daraus auf den Abschluß der letztem zu schließen war. Der Verf. negirt nun, daß in Alexandrien wie in Palästina an jedem Sabbat die Paraschah vorgelesen worden, sondern es wurde nur eine Textstelle zu einem Vortrage gewählt (also wie unsre jetzigen Predigten). Er schließt dies aus einer Stelle von Philo, in welcher nur von Vorträgen die Rede ist, wahrend er von den Essaern in Palästina -Vorlesung und Vortrag erwähnt. Wir gestehen, daß dies, so leicht zufällige Uebergehen Philo's noch kein hinlänglicher Beweis gegen die uralte Sitte der Vorlesungen aus dem Pentateuch zu sein scheint, da Philo bei jener Stelle gerade den Vortrag am meisten im Sinne haben konnte. Der Verf. leugnet nun auch, daß aus der 146sten Novelle Justinian's (s. Nr. 10. dieses Jahrg.) die Vorlesung der heiligen Schrift in griechischer Sprache hervorgehe, 'sondern meint, es handle sich hier bloß um chaldaische oder griechische Erklärung von Seiten des; die Novelle gebe an, daß die Erklärung in chaldäischer Sprache zu Verdrehungen Spielraum gebe. Wenn wir von der einen Seite die glühende Begeisterung in Erwägung ziehen, welche Philo für die heil. Schrift belebt, von der andern Seite die krasse Unkenntniß des Urtexles, die er auf jeder Seite seiner Schriften offenbart, wie er, um nur ein Beispiel anzuführen, an den Kleidern des Hohenpriesters die Granatapfel als das Symbol des Wassers ansieht, weil sie griechisch qoioxol was mit QVGig „das Fließen" verwandt ist, ohne Ahnung, daß das hebräische Wort nicht im Geringsten etwas damit zu thun hat, wenn wir ferner den hohen Stand Philo's berücksichtigen, der, aus dem Haufe der Alibarchen (Vorsteher der Juden), auch als Abgesandter an den Kaiser geschickt ward: so ergiebt sich daraus, daß, neben tüchtiger Kenntniß der griechischen Version eine völlige Vernachlässigung und Unkenntniß des hebräischen Textes bei den alexandrinischen Juden Platz gegriffen hatte. Warum konnte nun bei solchen Gemeinden der Wunsch nicht entstehen, die Verlesung des Originals durch die der Version verdrängt zu sehen? Um die Novelle des Kaisers recht zu verstehen, müssen wir, wenn einmal das Wort ävuyiviüo%uv zweifelhaft sein soll, die Vulgata als Autorität heranziehen. Es ist nämlich bekannt, daß ein größerer Theil dieser Novellen in griechischer, ein anderer in lateinischer Sprache, ein dritter Theil in beiden Sprachen abgefaßt wurde (S. Falck jur. Encycl. 3 Ausg. S. 143. üachii hist, jurispr. roui. ed. Y. p, 581. H. XX), So hat denn die alte Vulgata für