Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1841)
- Date
- 1841-12-18
- Page
- Seite 733 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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733 ^gegeben werden? der Dogmatische? Dieser gehört „für die Kirche rc. oder etwa der Ceremonielle — „den der große Haufe freilich für die ganze Reli- „gion zu halten pflegt, aber doch nichts denn das „Beiwerk, die Schaale und Hülse bildet? — „er ist Gegenstand für das Haus." Nun fragt hiermit der große Haufe den kleinen, wenn der dogmatische und ceremonielle Theil der jüdischen — oder jeder anderen — Religion, nur Beiwerk, nur Hülse, nur Schaale ist, was ist, wo ist denn eigentlich Religion? was heißt Väterglaube? was befiehlt die heilige Schrift? etwa wissenschaftliche Bildung, Humanität als Hauptwerk? gewiß nicht! und wenn auch Religion und Humanität Hand in Hand gehen, und das Streben nach beiden den Menschen, wie der Talmud-sagt, den Sünden entzieht; so bildet doch jede ein Gebiet für sich, und darf nie verwechselt werden. Und angenommen, man nenne Katechismus, Predigt, Beten und Singen Theile der Religion, so fragt es sich, ob sie an und für sich mehr als Beiwerk, Hülse und Schaale sind, zumal wenn Dogmatik voran geht; wird aber diese ganz und gar von der Schule abgewiesen, so ist Katechismus, Predigt rc. reiner Widerspruch. Uns Alten wird oft vorgeworfen, daß wir an erstarrten Formen hängen; wol wahr, sobald wir eine ceremonielle Handlung ohne Andacht verrichten, aber wenigstens liegt doch kein Widerspruch darin. Auch das ist Widerspruch, den ceremoniellen Theil von der Schule ab, und dem Hause zuzuweisen; die Schule soll ja blos anweisen, wie zu Hause gelebt werden muß? Und so hat sich auch dieser Widerspruch in allen Lebensverhältnissen geltend gemacht, wo von uns der Schluß des obigen Berichts ein Beispiel zeigt. Es wurde nämlich, zur Schlußfeier des Tages, ein Festmahl von Austern, Krebs und Schweinsbralen gegeben, wobei die Herren Redner viel über Väterglauben sprachen. Da heißt es in dem Bericht: „Zu bedauren, daß der Speisezettel, welcher „Krebs, Austern und Schweinsbraten angab rc. „manche werthe Männer, unter andern die Prediger „des Tempels, von der Theilnahme zurückhielt rc. — „Tages darauf wurde den Schülern, eine (natürlich „koschere) Mahlzeit gegeben rc." Die Entschuldigung, daß kein Prediger Antheil genommen hat, reicht nicht aus, und ist auch ungegründet. Bekanntlich hat Herr vr. K... die Tafel geziert, welches ihm auch in so ferne zum Lobe gereicht, daß er, ein wahrer Biedermann, nicht heucheln mochte, und seine Gesinnung lieber offen darbietet, als sich hier zurück zu ziehen, und anderswo...... Daß aber Tages darauf den Schülern, natürlich Koscher gegeben worden, das finden wir nicht so natürlich. Warum dem Lehrer, Begründer und langjährigen Prediger den Kern, und den Schülern nur die Schaale? Der Lehrer im Paradies, und die Schüler in der Hölle, sagen die Rabbinen. — O, daß die neue Verblendung über die alte triumphiren soll! daß die Jugend schon gebrechlicher als das Alter sein muß! — Fürstenberg in Meklenburg-Strelitz. (Privatmitth.) Der Pferdehändler Herr Heimann Potzernheim hier machte, trotz dem Umstande, daß die Bekenner der mosaischen Religion von dem Militärdienste ausgeschlossen sind, unter den Schwerin'schen reitenden Jägern freiwillig einige Feldzüge in den Befreiungskrigen mit. Für diesen Beweis des uneigennützigsten Patriotismus wurde er vor einigen Tagen mit einem Schreiben Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs Paul Friedrich von Meklenburg- Schwerin so wie mit der Verleihung der Ehrenmedaille beehrt. Literarische Nachrichten. Magdeburg, I. Dezember. Angekommen: Die fromme Zionstochter. Andachtsbuch für Jsracl's Frauen und Mädchen, zur öffentlichen und häuslichen Gottesverehrung an allen Wochen-, Fest- und Buß-Tagen und für alle Verhältnisse des Lebens von M. E. Stern. Wien, 1841. Verlag von E. v. Schmid und Busch.— Ein recht wackres Gebetbuch, das die mannichfalti'gsten Lagen des Lebens, in die eine Jungfrau und Gattin kommen kann, berücksichtigt, und in einfacher aber warmer Herzensergießung die Empfindungen des bedrängten und erfüllten Gemüthes ausspricht, welches wir daher in die Hände recht vieler zarten Betenden wünschen, wo es zum Trostesquell werden wird. Weniger gut sind einige der poetischen Gebete. (S. 186. Z. 2. „Nehme auf"