Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1841)
- Date
- 1841-12-11
- Page
- Seite 720 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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720 die heiligen Gebräuche und nicht gegen die frommen Wächter derselben, auch wenn sie nicht in Allem unsre Ansichten theilen und billigen, treten wir auf, nicht gegen diese sprechen wir — mit diesen vielmehr sind wir Eines, haben Ein Ziel, Eine Hoffnung, Ein Streben! Und nicht um das faktische Bestehen des Tempels kämpfen wir, denn dieses heilige Denkmal einer würdigen Gottesverehrung steht fest und wohlbegründet für alle Zeit! — Aber gegen die Frömmelei, die,die Maske der Frömmigkeit tragt, aber gegen die Gleißnerei, die hinter die Gottesfurcht sich steckt, aber gegen die Trägheit, die sich in die Scheu vor dem Hergebrachten, Alten hüllt, gegen den Fanatismus, gegen Lüge reden, schreiben, kämpfen wir! Und wir stehen nicht allein! Jeder wahrhaft fromme Jsraelite, jeder treue Lehrer in Israel erhebt mit uns für die Sache des heiligen Glaubens und die Erhaltung der Reinheit desselben seine Stimme, widmet der Wahrheit seine Kraft und sein Wissen! Diesen Allen rufen wir darum zu: rjr.vr, Vs s vs-as ffVnn ‘j'fsVs "n 'S ijmsi ipm yma '3 siVnn sVin Vs is sinn s'ärn '-an Vs rrr? ssns ns:?a ö'nVs 'S ■man sV Sai --N1 : ss'ös: VSS1 assaV Vss ins S'2NS S31L'N : tiVa npxn rnay» Preußen. Minden, 15. November. (Privatmitth.) Zum Beweise, wie gern man hier in unfern höher» Negierungskreisen das Gute anerkennt und fördert, von welcher Seite es auch komme, mag angeführt werden, daß das Oberprasidium für Neinland und Westfalen sich nicht nur früher schon bewogen gefühlt hat, ein Werk über Projektionszeichncn, welches einen Juden zum Verfasser hat, durch die öffentlichen Amtsblätter zu empfehlen und in Sonntags¬ und Gewerbeschulen einzuführen, sondern auch bei dem Erscheinen eines neuen Werkes über Treppenbau von demselben Verfasser, Herrn Zeichenlehrer P. E. Bacharach zu Hamm sich jetzt von Neuem veranlaßt gesehen hat, neben einem sehr schmeichelhaften, Belobigungsschreiben an den Verfasser dasselbe mit diesem Werke zu thun. .... m. Aus Schlesien, 28. November. (Privatmitth.) In der Leipziger Allg. Zeit. (Schles. Zeit. No. 274.) befindet sich ein (nicht offizieller) Artikel, nach welchem im Jahre 1839 auf 258 evangelische, 271 katholische, 185 jüdische Einwohner der preußischen Monarchie je eine Kriminaluntersuchung stattgehabt haben soll. Das Resultat derselben wird nicht angegeben, und wir dürfen, wenn anders die ganze Thatsache (man weiß, was von nicht offiziellen Artikeln zu Ungunsten der Juden zu halten), wahr ist, wohl glauben, daß diese — nicht nach des Ref. Wunsch ausgefallen. Man muß dies sogar, wenn man die Religionsverhältnisse der Zuchthausbewohner untersucht, die man leider niemals, es sei denn aus dem Rawiczer Zuchrhause zuweilen, angegeben findet. Im Großherzogthum Posen, wohin dieses Zuchthaus gehört, ist bekanntlich ohngefähr der 12—13. Mensch ein Jude, es pflegt aber im Rawiczer Zuchthause dennoch erst der 17—19. Bewohner der jüdischen Religion anzugehören.(vgl. die Kriminalistische Zeitung). Hiezu kommt, daß ein großer Theil der christlichen Jnkulpaten ihrem Stande nach gar nicht den Zuchthäusern, sondern den Festungsarresten überwiesen werden, wohin Juden nur in seltenen Fällen kommen mochten. — Ohne nun jener oberflächlichen und einseitigen Mittheilung der Leipziger mehr Auktorität einräumen zu wollen, als sie verdient, setzen wir die Wahrheit derselben dennoch voraus und bemerken bloß, daß es vor allen Dingen darauf ankommt, .die Verbrechen statistisch nach Qualitäten zu ordnen. Es leuchtet ein, daß eine Verbalinjurie, oder eine Widersetzlichkeit gegen den Nachtwächter nicht mit Brandstiftung und Kindermord in gleicher Kategorie steht. Es ist ferner gar leicht einzusehen, daß der Jude bei seiner ihm überall mißgönnten Stellung, hat er nicht Kraft und Selbstverleugnung genug, seinem Gegner den Rücken zu kehren, wol geschwinde einer Jnjurienklage, unter Umständen — einer fiskalischen Untersuchung bögegnen muß. Der Jude ist endlich seiner staatlichen Stellung nach fast ausschließlich an den Handelsstand gewiesen, die Klagen über schlechte Zeiten sind bekannt; es wäre boshaft, wollte man es dem Judenthume zur Last legen, wenn die meisten Banquerotte unter den Juden vorkämen. Ein anderes ist es freilich mit Kassendefraudationen, Simonie u. s. w. bei Beamten, die jederzeit so gestellt