Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-27 · Heft 48 (27.11.1841) · p. Seite 693

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 48 (27.11.1841)
Date
1841-11-27
Page
Seite 693 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225222--03971-3313540
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

693 Lhräne der Freude in die des Schmerzes gewandelt? oder hat euch ein befriedigtes Elternauge in aller Fülle seines Glückes schon angeblickt? Geht, Keinem von Euck wünsche ich die Erinnerung an ein gebrochenes Mutterherz, oder an ein ergrimmtes Baterherz unter dem Silberhaar! Biographisches. Wir stellen hier aus verschiedenen Stellen der Revue orientale das Leben zweier, gewiß außerordentlicher Naturen vom israelitischen Stamme zusammen, der neuern Zeit angehörig. Nicht mit Stillschweigen mögen, wir gleich von vorn herein übergehen, wie der Eine, ohne wahren innern Gehalt, seine Gränzen überstieg, und — auf's tiefste sank und unterging; der Andre, bei großer Kraft und herrlichem Willen, festes Ziel im Auge, auch seiner Religion treu geblieben, ein gesegnetes Ende erreichte. Die Redaktion. 1. Ibrahim - Manzonr - Effendk. Es lebt in Straßburg im Jahre 1795 ein junger Mann, Namens Cerf-Berr, Sohn des berühmten Cerf-Berr Medelsheim. Groß, wohlgewachsen, mit einem Antlitze voller Anmuth und Lebendigkeit, war Cerf-Berr im achtzehnten Jahre, worin er damals stand, der Liebling der Elsaffischen Damen. Aber obgleich sein Gesicht Sorglosigkeit und Heiterkeit ausdrückte, brannte doch sein Herz von einer ganz andern Liebe, von der Liebe zum Ruhme! Er diente im zweiten Husarenregiment, als er im Winter 1798—1799 sich in Paris befindend, dem Minister des Auswärtigen sich anbot, trotz der Gefahren, denen damals das Meer die französischen Kourriere aussetzte, wichtige Depeschen der Regierung dem General Buonaparte nach Aegypten zu bringen. Er fiel in die Hände der Engländer auf der Höhe der Küsten der Barbarei, wurde in Sicilien an das Land gebracht, aber auf Fürsprache eines elsaffischen Kapuziners, des Beichtvaters der Königin von Neapel, bald wieder der Freiheit und Frankreich zurückgegeben. Nach Paris zurückgekehrt, ergab er sich nach dem achtzehnten Brumaire in seinem 22sten Jahre der Partei der Royalisten, und er eraltirte sich so sehr, daß er im Monat September 1800 ein langes Schreiben an den ersten Konsul richtete, in welchem er nach der Erklärung, daß er in Frankreich niemals eine andere Regierung als die der Bourbonen anerkennen würde, jenem anzeigte, daß er sich mit jeder Partei vereinigen würde, welche sich die Waffen in der Hand gegen ihn erheben würde. Die Polizei ließ am andern Morgen den jungen Fanatiker arretiren; indessen hielt man ihn im Tempel") nur einige Wochen zurück, nach Verlauf derer er in seine Heimath unter der Aufsicht der Ortsbehörden zurückgeschickt wurde. Die Unruhe im Charakter Cerf-Berr's bewog ihn nach dem Frieden von Amiens sich nach Konstantinopel zu begeben, wo er Dienste mit dem Grad eines Bimbaschi, beim Stabe der regulären Truppen, welche der Sultan Selim in seinen Staaten zu errichten sich vergebens bemühte, attachirt. Außerdem wurde er Muselmann und heirathete eine türkische Frau. Bald aber mißfiel ihm der Dienst der Pforte, und er begab sich im Anfang des Jahres 1809 wieder nach Frankreich zurück. Die Polizei machte ihm den Aufenthalt in seinem Vaterlande bald wieder unangenehm, und er begann sein' abentheuerliches Leben von Mruem. Er durchwanderte Rußland, Schweden, Dänemark, endlich Westphalen, wo er ein Amt im Ministerium des Auswärtigen unter dem Namen Medelsheim erhielt. Die Begebenheiten, welche dieses ephemere Königreich umstürzten, bewogen Cerf-Berr Oestreich im Jahre 1813 zu durchwandern: er bot seine Dienste den Bosniern an, um die Serbier zu bekämpfen. Da er sich sehr mit Jbrahim-Bey, dem Sohne des Suleiman-Pascha, befreundete, so verwechselte er seinen Namen Jsmael, den er bis dahin gefühlt, mit dem von Ibrahim. Später fügte Suleiman- Pascha, zur Belohnung des Muthes, welchen Ibrahim in diesem Kriege gezeigt hatte, seinem Namen den Beinamen Manzour hinzu, welcher im Arabischen „siegreich" bedeutet. Bald kam Ibrahim-Manzour, unter dem Vor- *) Ein bekanntes Staatsgefangniß in Paris. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.