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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-27 · Heft 48 (27.11.1841) · p. Seite 692

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 48 (27.11.1841)
Date
1841-11-27
Page
Seite 692 (sequence 12)
Language
German
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692 und eine hülflose Familie zurückließ. Frühzeitig mußte er daher angreifen, Unterhalt für die darbenden Kleinen zu schaffen, und in allerlei Verdienst die Wochen, Monate, Jahre durchzubringen helfen. Dennoch versäumte er nicht, sich die nolhwendigen Kenntnisse zu erwerben, und als seine jüngeren Brüder herangewachsen, um in seine Fußtapfen zu treten, erlernte er die Kaufmannschaft regelmäßig. Sein Herr war ein strenger Mann, der ihn die Abhängigkeit bitter fühlen ließ, und im ganzen Hause war es nur eine feinfühlende Tochter, die ihm sein Verhältniß zu erleichtern suchte. Dankbarkeit führte zur Liebe, aber der Vater wies den armen Handlungsdiener aus dem Hause.' Er entfernte sich, und suchte in einer andern Stadt sein irdisches Glück zu begründen. Es ward ihm schwer, aber er hatte arbeiten und entbehren gelernt. Nach einigen Jahren hatte er sich emporgeschwungen. Unterdeß war sein früherer Herr mit Tode abgegangen, und hatte sehr verworrene Verhältnisse zurückgelassen. Da erschien unser Freund, bot seine Hand dem Mädchen an, mit dem er immer in Verbindung geblieben, und brachte die schwebenden /Angelegenheiten in's Reine. Dies war sein Lebensgang, und er durchwanderte ihn mit den schnellen Schrillen der Erinnerung. Freilich aber ist dies so bald erzählt, jedoch die zahllosen bitteren Momente, das ewige Ringen, Getäuschtwerden und Niederdrücken der innigsten, lautersten Wünsche, die unter dieser kurzen Lebensdecke lagen, wer spricht von ihnen, und bedenkt sie? Doch er hatte ja zuletzt seine Ziele erreicht, und war aus dem Kampfe tüchtig, befähigt, erfahren hervorgegangen; er hatte sich Reinheit der Seele, Fülle des Herzens, Vertrauen auf Gott bewahrt. Und jetzt, in dieser Stunde?' Seine Seele jubelte bei diesem Gedanken einen stillen, aber heißen Jubel zum Herrn hinauf! Und des Menschen Geist steht nie still. Pläne knüpften sich schon an diese Stunde an, Entwürfe und Absichten. Er suchte sich schon klar zu machen, wie er seinen Sohn erziehen wolle, wie er ihm zuerst und vor Allem Liebe in's Herz legen, den Strom der Liebe in ihm wecken und zum Flusse bringen wollte, Liebe zum Vater im Himmel und zu dem auf Erden, Liebe für die Menschen und für seinen Glauben, wie er ihn wolle zum Israeliten erziehen, zum hellen, selbstbewußten, und dennoch religiösen Israeliten; wie er seinen geliebten Knaben führen wolle bald in die Schöpfung des Herrn, bald in den Tempel seines Glaubens, bald in die Wirren des Lebens; und überall sollte er gleich empfangen, was der Vater erworben, sollte da anfangen, wo der Vater stehen geblieben, es sollte ihm erspart bleiben, was der Vater gelitten, und ihm zu Gute kommen, was dieser erfahren; schon wandelte er mit dem schönen, vollendeten Jüngling, und suchte ihm eine Lebensgefährtin, und legte dann all' seine Habe in dessen Hand, und behielt sich und seiner theuern Amalie nur die kleinen Raume im Hinterhause zur Ruhe des Alters...... Da entschlief er. Lassen wir ihn schlummern. Eines verlernt der Mensch nimmer, ob er lang, ob er kurz auf Erden weile — seine Zukunft sich schön ausmalen, und alle Farben, welche die Gegenwart entweder verweigert, oder beschmutzt, in neuer Frische um die kommenden Tage legen. Schlummre, junger Vater, und träume, träume von den schönen Erlebnissen, die Deiner warten sollen. Siehe, bald wird Dich der Lärmen und das Gekreische der Kinderstube umgeben oder verscheuchen; dann wirst Du wieder die müden Augen auf den erkrankten Liebling zu richten haben.in der langsam schleichenden Krankennacht; dann werden Dir die Unarten des wilden Knaben viel Sorge und Unruhe verursachen; dann wird die Jugend mit ihren Verirrungen Dein Vaterherz bedrücken; dann wird die schnöde Leerheit der jetzigen Jünglinge Deinen Glauben und Deine Anhänglichkeit Dir bespötteln — und o was für schreckliche „dann" lauern noch aus das Herz eines Vaters und einer Mutter, und können den Stachel immer tiefer hineindrücken, daß ihr Alter noch einmal eine Zeit des Ringens und der Täuschung wird-Träume nur jetzt, denn es kann Alles gar schlimm kommen! Ihr aber, Jünglinge und Jungfrauen, die ihr diese Worte leset, werfet jetzt einen Blick auf euch selbst. Auch eure Mütter haben in eurer Geburtsstunde so gekämpft, eure Väter so gelitten und gebetet. Auch ihr seid mit so vieler Wonne entgegengenommen, mit so vieler Liebe begrüßt worden. Auch ihr habt so viele Hoffnungen geweckt, und an euren Wiegen sind solche Pläne gesponnen worden. Habt ihr sie erfüllt oder getauscht? habt ihr die Liebe zurückgegeben oder von euch gestoßen? habt ihr die

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