Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1841)
- Date
- 1841-11-27
- Page
- Seite 691 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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691 sein Blick strahlt, dann fällt sein Haupt auf seine Brust, und seine Arme sinken nieder — die Wonne ist stumm. Hab' Dank, Dank, allgütiger Vater! sind die einzigen Workb, die seinen Lippen sich entringen. Er beruhigt sich, erhebt sich, tritt an die Thüre, legt die Hand auf'S Schloß, zieht sie wieder zurück, lauscht; endlich kann er sich nicht länger halten, er öffnet die Thüre; und wie er sie öffnet, tönt ein feiner, schwacher Schrei,ihm entgegen: es war sein Kind, das die Welt des Erdenlebens begrüßte. Thränen, heiße, volle Thränen rollten aus dem Auge des Mannes, dqs nun das Auge eines Vaters war. Man legt ihm sein Kind in die Arme, er drückt es an seine Brust, still zum Himmel blickend. Noch eine Besorgniß drückt sein Herz: ist es wohlgestaltet? Sehen Sie sich ihn doch an, den drallen Zungen! spricht ihm die Hebeamme zu. Er blickt nun zuversichtlicher hin, ach! geliebte Züge schauen ihn aus dem kleinen Angesicht an, und ein schwarzes Auge sagt seiner bewegten Seele Bekanntes und Trautes. Nachdem er das Kind den Händen der Wärterinnen zurückgegeben, tritt er leise an das Bett seiner Gattin. Erschöpft und ermattet liegt sie da, und die Hebeamme legt ihm den Finger auf den Mund. Er kniet am Ende des Bettes nieder, und schaut der Geliebten in das vom vollendeten Kampfe noch leuchtende Auge. Wozu braucht es da der artikulirten Laute? Ihr Blick sagt ihm schon: Jetzt hast Du statt einer zwei süße Bürden, statt einer Liebe zwei.... siehe, wie schwach beide sind, und Du bist der allein starke.... wirst Du uns beiden Deine männliche Kraft leihen? Liebst Du es schon, wie ich es liebe, und wie Du mich liebst? (Eine Mutter kann ja für die Liebe ihres Kindes selbst die Liebe des Gatten opfern!) und bist Du befriedigt und glücklich? und wirst Du Geduld haben mit mir und ihm? hast Du ihm eine weiche Vaterstätte in Deinem Herzen bereitet?.... Ach, die Antwort ist auch schon bereit, und sein Auge spricht sie klar und volltönig aus. Schone Dich, sagt es ihr, schone Dich, denn Du bist mir doch noch mehr als jenes süße Kleinod unsrer Liebe. Welch' schweren Kampf hast Du bestanden, und wie gern hätt' ich ihn ertragen. Ich litt noch mehr dabei. Aber nun bist Du mir wieder gegeben, und Gott hat Dich noch einmal mir geheiligt, und wir haben noch einmal an einem Altar gestanden, an einem unsichtbaren, wo wir aus Gatte und Gattin Vater und Mutter geworden. Schone Dich, theures, geliebtes Weib, und wie will ich Dich tragen und stützen, und Dein Kind, und der Herr wird uns schon Freude und Segen geben!.... Eine Viertelstunde genießen sie so das Glück des Anschauns, dann wird der junge Gatte entfernt, um beide, Mutter und Kind dem heilsamen Schlafe zu überlaffen. Er tritt wieder in sein Gemach, und streckt die ermüdeten Glieder behaglich auf das Sopha. Eine ernste, heilige Stätte ist es, wo ein Mensch den letzten Kampf gekämpft, wo ein unsterblicher Geist aus der zerfallenden Staubeshülle sich losgerungen. Der Engel des Todes ist durch den Raum geschritten, und seine Nähe ward schwül und dumpf empfunden. Das Mysterium des Todes hat sich os. fenbaret, und die Pforte zu seinem vielbetretenen, dennoch unbekannten Wege einen Augenblick geöffnet. — Eine nicht minder heilige Stätte ist es, wo ein gewordener Mensch in die Sphäre des Lebens tritt; aus dem unbekannten Schlummerlande ist eine Seele entsendet worden, um in die Reihe der Kreuzträger des Lebens zu treten; die Weihe des Menschseins hat er mit sich gebracht; der Engel des Lebens hat den Funken angeschlagen, der zur Hellen Flamme werden wird.- Welch' ein Gefühl überkömmt das Vaterherz, wenn es den ersten Blick auf den neugebornen Erstgebornen wirft! So unbekannt und neu, und doch so willkommen und schon mit zahllosen Fäden angrknüpft; eine neue Würde sunv neue Pflicht; eine neue Hoffnung und ein neues Bangen. Der junge Vater geht in der Stille der Nacht, nach der überstandenen Angst und genossenen Wonne, sein verflossenes Leben vor der Seele vorüber. Der neue Stand ist wol eine Veranlassung, einen Blick zurückzuwerfen in die Vergangenheit. Er war der älteste Sohn eines unbemittelten Israeliten, der früh das sorgemüde Haupt auf das Sandkiffen legte,