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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-27 · Heft 48 (27.11.1841) · p. Seite 690

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 48 (27.11.1841)
Date
1841-11-27
Page
Seite 690 (sequence 10)
Language
German
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690 überallhin zu verbreiten sucht, so hat die Tempeldirektion es für's angemessenste gehalten,, Gutachten von den bedeutendsten Theologen unsrer Zeit über diese Angelegenheit zu fordern — ein Schritt, der gewiß Zeugniß von der Offenmüthigkeit ihres Wollens abgiebt. — Von der andern Seite spricht sich keine einzige Stimme zu Gunsten des Verfahrens, welches Herr Bernays eingeschlagen, aus, indem selbst die, welche im Urtheile über die Sache mehr Herrn Bernays nahe stehen, doch in der zwanzigjährigen Thatlosigkeit dieses Mannes das Verdammungsurtheil seines Benehmens finden. Hat der Mann, sagen sie, geglaubt, daß in Ruhe und Nichtsthun der Erfolg abzuwarten sei, so hat er nicht das Recht, jetzt Zeter zu rufen: glaubt er männlich dem, was er für Unrecht hält, entgegentreten zu müssen, so hätte er von jeher sich durch kräftiges Wirken kund geben müssen. In Gleichem spricht man sich über die „Talmud-Tora" in. Vergleich zur „Freischule" aus, und macht bemerklich, daß kostspielige Veränderungen noch keine Verbesserungen sind, daß von den 800 Knaben, welche seit 20 Jahren diese Schule verlassen haben, auch nicht Einer fähig sei, eine Zeile hebräisch zu schreiben, obwvl für dieses Fach allein sieben Lehrer angestellt sind; wolle ein nach den Grundsätzen der Orthodoxie lebender gebildeter Jude seinen Kindern Religionsunterricht ertheilen lassen, sollen sie auch nur -sin übersetzen lernen, von den 800 Zöglingen der T. T. ist keiner, dem er es übertragen kann. So hat man Synagoge und Schule in Verfall gerathen lassen, und will nun das Recht haben, über Andere mit Bann herzufallen! — Endlich eine dritte Partei, und das ist die der Satyriker, bedauert es, daß Herr Bernays nun im Auslande einen Namen bekömmt, da er kaum dort bekannt, wenigstens längst vergessen war. — Die Sache ist übrigens schon zu einer Klage bei dem Senate geworden. B e II e 11 i fl t f. -1- Blicke tu e i n Familienleben. (Aus dem Leben.) I. Es ist um Mitternacht. Ein junger Mann schreitet ängstlich im Zimmer umher, bald ringt er die Hände, bald hebt er die Augen flehend in die Höhe. Dann steht er wieder still, und horcht, wirst sich in einen Sessel am Tische, ergreift ein aufgeschlagenes Buch und liest eifrig, seine Lippen murmeln unverständlich, seine Seele ist in seinen Blicken: es sind die ewigen Gesänge David's. Was bewegt den jungen Mann so tief in der Stunde der Nacht? Aus einem Nebengemach vernimmt man Wimmern, das zur Zeit steigt und schwillt, und bis zu lautem Weheruf wird; dazwischen beruhigende Stimmen, unter deren Zuspruch die Klage allmalig verhallt. Eine Pause, und der junge Mann springt erleichtert auf, tritt an die Thüre und lauscht, bis ihn das wieder ansteigende Wimmern davon vertreibt. Sie leidet's um mich und durch mich! spricht die Seele des jungen Mannes zu sich selbst. Wie will ich sie dafür tragen in meinem Herzen, und ihr vergelten mein Lebelang, so Du sie mir lässest, Herr des Lebens. Du wirst sie mir nicht entreißen, die schwererkämpfte, nach so kurzer Frist! Deine Hand wird mir sie nicht gegeben haben als Preis jahrelangen Ringens und Harrens, um sie mir wieder zu nehmen in der Blüthe der Jahre.Du bist gerecht und gütig, und die Liebe willst Du unter Deinen Menschen: so wirst Du sie nicht täuschen!.... Das Wimmern im Nebengemach war unterdeß zum lautesten Schmerzensschrei geworden — der junge Mann war wie im Zustande der Verzweiflung, und rannte haarraufend und laut betend im Zimmer aus und ab — da, ja da wird die Thüre aufgeriffen, eine Frau Mittlern Alters stürzt heraus, und ruft: Glück auf zum Erstgebornen! Sie verschwindet, die Thür' schließt sich wieder. Der Zuruf des Weibes hat den jungen Mann auf die Kniee gerissen; er hebt die Hände empor,

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