Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1841)
- Date
- 1841-11-27
- Page
- Seite 683 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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683 die ihnen gehören, , einer von denen die seit langer Zeit in Lissabon etablirt sind, hat Handelsoperationen in die Millionen gemacht. Endlich zählt man seit 2 oder 3 Jahren ungefähr 50 Juden, die früher in Lissabon etablirt waren, und sich auf verschiedenen Punkten von Brasilien niedergelassen haben. Dieses Land hat niemals eine Inquisition gehabt, und gegenwärtig sind dort alle Religionen geduldet. Man versichert daß diese neuen Auswanderer in Brasilien allesammt viel .Glück gemacht; ihr Erfolg könnte andere Israeliten dahin ziehen. Einige Juden von Gibraltar und Marokko sind in Porto etablirt. Mehrere von ihnen durchziehen, wie auch die vön Lissabon, die Städte des Innern und verkaufen hier verschiedene Waaren, ohne beunruhigt oder beschimpft zu werden, ein Vortheil, den sie in Spanien nicht genießen. Die Juden haben in Lissabon 3 Synagogen, von denen eine noch ganz neuerlich in dem ersten Stock eines Mönchskloster bestand, und die Mönche wußten es wol. Ein anderer Stock war von Frauen schlechter Lebensart bewohnt. Gegenwärtig sind die 3 Synagogen in drei besondern Häusern, die zum Theil von Juden, zum Theil von Katholiken bewohnt werden. Zur Beerdigung haben die Juden einen Winkel von dem Gottesacker, der an den protestantischen Tempel grenzt, und welchen die englische Faktorei in Lissabon errichtet hat und unterhält, auf Grand ihrer Privilegien und Traktate. Wenn Herr Capesigue von den Notizen die man ihn übersendet Gebrauch macht, so bittet man, des Herrn Gordo ehrenvoll zu erwähnen. Dieser gelehrte Geistliche besitzt eben so viele Leutseligkeit als Verdienst, eben so viel Einsicht als, Frömmigkeit. II. Antwort des Herrn Ferreira Gordo auf die vier von Herrn Capesigue gestellten Fragen. I) Existirt in Portugal eine jüdische Gemeinde? welche sind ihre besondern Gebräuche, ihre politischen . Privilegien, ihre bürgerliche Verfassung, ihre commerzieüe Wichtigkeit? Die Juden haben seit I486, als der Zeit ihrer Vertreibung durch den König D. Manuel, niemals in Portugal bürgerliche und religiöse Duldung genossen. Indessen beunruhigte die Regierung seit langer Zeit diejenigen nicht mehr, welche in das Land kamen, wenn sie nur ein bestimmtes Zeichen trugen, das nach einer Ordonnanz von 1583 in einer gelben Mütze bestand. Diese Ordonnanz ist in Vergessenheit gerathen, und die Juden, welche gewöhnlich von Marokko oder Gibraltar kommen, tragen dieselbe Kleidung deren man sich in ihrem Vaterlande bedient, und es giebt nicht minder Juden, welche sich wie die Portugiesen kleiden. Ich weiß, daß es einige Synagogen giebt, wo die Juden insgeheim den Ritus ihrer Religion ausüben. Sie bestehen in besondern Häusern, die' hierzu tzemiethet sind. Die Regierung und die Polizei sind davon unterrichtet, legen ihnen aber kein Hinderniß, und die Juden, welche Portugal bewohnen, genießen fast dieselbe Ruhe, wie ihre Brüder in den civilisirtesten Ländern Europa's. 2) Sind in den öffentlichen Archiven Dokumente vorhanden, welche die Juden vom sechsten Jahrhundert bis jetzt betreffen? wäre es möglich eine Kopie davon zu erhalten? Es sind viele Dokumente diesen Gegenstand betreffend in den General-Archiven des Königreichs, welche man Torredotombo nennt, vorhanden, aber weder Einheimische noch Fremde können ohne Erlaubniß der Regierung in dieses Depot kommen, ausgenommen der Historiograph des Königreichs (Chronist« Mor), die Professoren der Diplomatik und die General-Prokuratoren des Fiskus. Indessen ist die Regierung ziemlich liberal'in der Gestattung dieser Erlaubniß.' Einige Privatmänner haben sie erhalten und ich gehöre zu diesen. Was Fremde betrifft, so erinnere ich mich, daß man eine Erlaubniß dem D. Juan Baptista Munoz, obersten Kosmographen des spanischen Indiens gegeben hat, wozu es jedoch einer diplomatischen Verhandlung erst bedurfte. Ein Beamter dieser Archive ist Herr Franzisko Nunez Franklin, Mitglied der Akademie der Wissenschaften von Lissabon, an den man von Seiten des Herrn Capesigue alle Anfragen über jüdische Dokumente in unfern Archiven richten könnte; es ist dies ein offenherziger und zugänglicher Mann. 3) Giebt es im Buchhandel ein Werk oder eine Abhandlung über 'diesen Gegenstand? wie ist deren Titel? Der Doktor Ribeiro Antonio Dos Santos mein Vorgänger in dem Amte eines Oberbibliothekars der hiesigen öffentlichen Bibliothek hat Memoiren über die heilige Literatur der portugiesischen Juden von